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Unternehmensergebnis   06.05.2026 15:20:15

Swiss spürt Explosion der Kerosinpreise erst mit Verzögerung

Zürich (awp) - Die Explosion der Treibstoffpreise nach Ausbruch des Iran-Kriegs schlägt bei der Swiss erst mit Verzögerung auf die Rechnung durch. Im Startquartal hat die Swiss den Gewinn massiv steigern können. Grund dafür ist die Absicherung der Kerosinpreise durch den Mutterkonzern Lufthansa, der einen Grossteil der Treibstoffe bereits viele Monate im Voraus kauft.

Dadurch ist die Swiss im ersten Quartal noch von der Verdoppelung der Kerosinpreise seit Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar verschont geblieben. Im Gegenteil: Die Treibstoffpreise seien im Startquartal sogar nochmals um 17 Prozent tiefer gelegen als vor einem Jahr, sagte Finanzchef Dennis Weber am Mittwoch an einer Medienkonferenz in Kloten.

Gleichzeitig haben die Kriege im Mittleren Osten die Konkurrenzfluggesellschaften vom Persischen Golf stark eingeschränkt. Davon habe die Swiss profitiert. Auf einzelnen Strecken sei die Nachfrage gestiegen, vor allem auf den Strecken nach Asien. Dies trieb die Durchschnittserlöse nach oben.

___ 30 Millionen Franken Betriebsgewinn

Und so haben bei der Swiss im ersten Quartal die Kassen geklingelt. Bei einem stabilen Umsatz von 1,22 Milliarden Franken konnte die Schweizer Fluggesellschaft den Betriebsgewinn auf 30,0 Millionen vervielfachen, nach 3,3 Millionen im Vorjahr. Damit ist die Swiss wieder auf dem Niveau des Startquartals 2024 gelandet.

Allerdings sei das erste Quartal wenig aussagekräftig, sagte Weber. Denn die Gewinnsteigerung sehe zwar sehr steil aus, aber die absolute Zahl sei im traditionellerweise schwächsten Quartal klein. Das Geld verdienen Airlines im Rest des Jahres.

"Im zweiten Quartal werden die Belastungen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt jedoch deutlich steigen", sagte Weber. "Hätten wir im März bereits die Treibstoffpreise bezahlen müssen, die wir für April und die kommenden Monate erwarten, hätte sich ein deutlich anderes Quartalsergebnis ergeben."

Aktuell sei der Kerosinpreis annähernd doppelt so hoch wie vor dem Iran-Krieg. "Im April haben wir die Auswirkungen bereits deutlich gespürt, obwohl wir durch Preisabsicherungen (im Fachjargon "Hedging" genannt) teilweise vor steigenden Kerosinpreisen geschützt sind", sagte Weber.

___ Gewinn im zweiten Quartal unter Druck

Im April sei die Tankrechnung bereits um zwei Drittel höher ausgefallen als im März, was auch an mehr Flügen gelegen habe, erklärte Weber am Rande im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Der Kerosinbedarf für das laufende Jahr sei zu rund 80 Prozent abgesichert. Die restlichen 20 Prozent müsse man aber am Markt zukaufen. Zudem deckten die Absicherungen nicht den ganzen Anstieg der Kerosinpreise ab, derzeit seien es rund zwei Drittel, sagte der Finanzchef.

Dies schlägt auf den Gewinn des zweiten Quartals durch: "Wir werden uns schwertun, das Ergebnis auf Vorjahresniveau zu halten", sagte Weber. Vor einem Jahr hatte die Swiss zwischen April und Juni einen Betriebsgewinn von 191,7 Millionen Franken eingeflogen.

Die gesamte Lufthansa-Gruppe rechnet mit einer Erhöhung der Treibstoffkosten im Gesamtjahr um 1,7 Milliarden Euro auf 8,9 Milliarden Euro. Das wäre ein Anstieg um knapp ein Viertel. Wenn dies zutrifft, würde bei der Swiss die Tankrechnung auf gut 1,2 Milliarden Franken klettern. Im vergangenen Jahr hatte die Schweizer Fluggesellschaft rund 1 Milliarde Franken für Treibstoff ausgegeben.

___ Swiss steht auf Kostenbremse

Und so bleibt die Swiss trotz des Gewinnsprungs zum Jahresstart auf der Kostenbremse. An den Kostensenkungsmassnahmen halte man fest, sagte Fehlinger.

Denn die Swiss kämpft nicht nur mit dem Krieg im Mittleren Osten und den steigenden Treibstoffpreisen, sondern auch mit hausgemachten Problemen. So stehen eine Reihe Flugzeuge am Boden, weil Triebwerke oder Piloten fehlen. Um dennoch fliegen zu können, muss die Swiss Flugzeuge samt Besatzung von anderen Airlines mieten (im Fachjargon "Wetlease" genannt).

So konnte die Swiss im ersten Quartal lediglich 29'600 Flüge durchführen. Das ist ein deutlicher Rückgang von 7,1 Prozent im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum. Die angebotenen Sitzkilometer (ASK) gingen um 3,4 Prozent zurück. Diese Kennzahl gilt als Leistungseinheit im Luftverkehr.

Gleichzeitig stieg die Nachfrage, sodass die Maschinen deutlich stärker besetzt waren. Im Schnitt waren 81,5 Sitze von 100 Sitzen in einem Flugzeug belegt. Das waren 3,4 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Dies hindert die Swiss daran, voll von der gestiegenen Nachfrage zu profitieren. "Wir können momentan nicht mit dem Markt mitwachsen", sagte der Finanzchef. "Aber wir schauen, dass wir Kapazitäten dort aufstocken, wo wir eine hohe Nachfrage sehen." Ein Beispiel sei die Strecke in die indische Metropole Delhi, wo die Swiss zusätzliche Flüge anbiete.


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