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Volkswirtschaft   23.06.2026 15:00:15

Grosskonzerne bezahlen die Hälfte der Zürcher Firmensteuern

Zürich (awp/sda) - Eine überschaubare Zahl von grossen Firmen trägt die Zürcher Wirtschaft. Laut dem aktuellen "Wirtschaftsmonitoring" des Kantons sichern die wenigen Grossunternehmen einen Grossteil der Steuern und Arbeitsplätze. KMU profitieren von den Aufträgen der Konzerne.

In der Zürcher Bevölkerung herrscht teils Skepsis gegenüber internationalen Grosskonzernen. Laut einer repräsentativen Umfrage glauben 44 Prozent der Befragten, dass die heimische Wirtschaft auch ohne die grossen Akteure erfolgreich sein könnte.

Die Konzerne werden im städtischen Alltag häufig mit negativen Faktoren wie Dichtestress oder steigenden Mieten assoziiert. Auch die Ansiedlung weiterer Unternehmen wird deshalb infrage gestellt.

Doch der Kanton Zürich widerspricht. Die ökonomische Realität sieht gemäss dem am Dienstag veröffentlichten Zürcher Wirtschaftsmonitoring des Amtes für Wirtschaft anders aus.

___ Die Zahlen widersprechen dem Bauchgefühl

Die Statistiken zeigen eine starke Konzentration. Weniger als ein Prozent aller Unternehmen im Kanton Zürich sind Grossunternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden. Konkret stehen den fast 100'000 Kleinstbetrieben nur gut 600 Grossfirmen gegenüber. Dennoch erarbeiten diese wenigen Akteure rund 42 Prozent der kantonalen Wertschöpfung. Zudem stellen sie fast zwei Fünftel aller Arbeitsplätze in der Region.

Ein wesentlicher Grund für diesen grossen Beitrag liegt in der höheren Produktivität der grossen Firmen. Ein Zürcher Grossunternehmen generiert pro Vollzeitstelle eine durchschnittliche Wertschöpfung von rund 205'000 Franken. Im Vergleich dazu kommen Kleinstunternehmen lediglich auf einen Wert von 139'000 Franken pro Arbeitsplatz. Diese Differenz erklärt sich stark durch die Branchenstruktur, da Grossfirmen besonders in hochproduktiven Sektoren wie dem Finanzwesen, der Industrie oder der Informationsbranche tätig sind.

___ Wenige Firmen bezahlen Grossteil der Steuern

Neben den Arbeitsplätzen sichern die Grossfirmen auch das kantonale Budget in besonderem Ausmass. Die Annahme, dass vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den Staat finanziell tragen, erweist sich mit Blick auf die Steuerdaten als Illusion.

Die Realität in den Steuerbüchern ist, dass rund 70 Prozent aller im Kanton Zürich ansässigen Unternehmen überhaupt keinen steuerbaren Gewinn ausweisen und somit null Franken an Gewinnsteuern bezahlen. Demgegenüber tragen weniger als drei Prozent der juristischen Personen - jene mit einem jährlichen Reingewinn von über einer Million Franken - satte 81 Prozent der gesamten Gewinnsteuereinnahmen des Kantons.

Die Grossunternehmen alleine stemmen gemäss den Schätzungen der Behörden rund die Hälfte aller Unternehmensgewinnsteuern im Kanton. Ein Verlust dieser Konzerne würde somit die Steuereinnahmen des Kantons bei den juristischen Personen halbieren. Allerdings tragen sowohl kleine als auch grosse Betriebe indirekt viel zu den Steuereinnahmen bei, da rund 80 Prozent der gesamten Zürcher Steuereinnahmen von natürlichen Personen über die Einkommenssteuer stammen.

___ Die unsichtbare Verbindung zu den KMU

Die wirtschaftliche Bedeutung der Grosskonzerne reicht über ihre eigenen Bilanzen hinaus. Die Analyse im Wirtschaftsmonitoring belegt eine Verbindung, die wie eine unsichtbare Nabelschnur zwischen den grossen und den kleinen Betrieben funktioniert. Ein Einbruch bei den Grossunternehmen würde demnach die KMU direkt mitreissen. Grosskonzerne kaufen nämlich in gewaltigem Umfang lokal ein: Über 50 Prozent aller Vorleistungen, welche Grossunternehmen beziehen, stammen direkt von KMU.

Im Durchschnitt pflegt ein Zürcher Grossunternehmen weit über 300 Zulieferbeziehungen, wovon mehr als 80 Prozent auf KMU entfallen. Ob IT-Dienstleistungen oder Gebäudetechnik - die lokale Wirtschaft lebt stark von den Grossaufträgen. Das Wirtschaftsmonitoring kommt daher zum Schluss, dass die Volkswirtschaft ein dichtes Ökosystem bildet, in dem das Überleben kleinerer Handwerker oder Dienstleister oft direkt an der Auftragslage der Grosskonzerne hängt.


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