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Unternehmensergebnis   23.04.2026 12:05:14

Nestlé überrascht mit robustem Jahresstart trotz Bremseffekten

Vevey (awp) - Nestlé ist der Start ins Jahr 2026 trotz Babynahrungsrückruf und Nahost-Krieg gelungen. Der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern wuchs zwar langsamer als in den Vorquartalen, übertraf aber die Erwartungen klar. Laut Analysten verdichten sich damit die Hinweise, dass der Turnaround unter Konzernchef Philipp Navratil und Verwaltungsratspräsident Pablo Isla greift.

Der Hersteller von Nespresso-Kaffee, Kitkat-Schokoriegeln und Purina-Tierfutter steigerte den organischen Umsatz von Januar bis März um 3,5 Prozent. Vor allem das mengenmässige Wachstum überraschte positiv und lag trotz aller Unwägbarkeiten mit 1,2 Prozent fast auf Vorquartalsniveau.

Navratil sprach von einem guten Jahresauftakt. Die Zahlen zeigten, dass die stärker auf Volumen und Wachstumsmarken ausgerichtete Strategie greife. Treiber waren insbesondere Kaffee sowie Lebensmittel und Snacks. Auch die Schwellenländer erwiesen sich erneut als wichtige Stütze. In Europa und den USA blieb das Geschäft robust.

___ Erholung im Babynahrungs-Geschäft erwartet

Belastet wurde das Quartal durch den weltweiten Rückruf von Babynahrung, der das Wachstum um rund 0,9 Prozentpunkte drückte. Auslöser war ein vorsorglicher Rückruf in rund 60 Ländern nach dem Nachweis eines Bakteriengiftes in einer Zutat eines chinesischen Zulieferers. Ein Teil der Belastung entfiel auf Rücksendungen und Lieferengpässe, ein weiterer auf verunsicherte Konsumenten.

Finanzchefin Anna Manz zufolge lagen die Verkäufe zuletzt rund zehn Prozent unter dem Normalniveau. Gleichzeitig gebe es erste Anzeichen einer Erholung. Nestlé rechnet damit, dass sich das Geschäft bis Ende 2026 vollständig normalisiert.

Der Gesamtumsatz sank wegen negativer Währungseinflüsse und des starken Frankens um 5,7 Prozent auf 21,3 Milliarden Franken. Gewinnzahlen veröffentlicht Nestlé zum ersten Quartal traditionell nicht.

___ Ziele bestätigt

Für das Gesamtjahr bestätigt der Konzern trotz erhöhter Unsicherheiten seine Ziele. Weiterhin wird ein organisches Wachstum von rund 3 bis 4 Prozent angestrebt.

Die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten lassen sich laut Management noch nicht genau beziffern. Die Region macht rund 3 Prozent des Konzernumsatzes aus. Dank lokaler Lieferketten sieht sich Nestlé jedoch gut aufgestellt.

Manz stellte für 2026 weitere Preisanpassungen in Aussicht. Diese sollen gezielt je nach Markt und Kategorie erfolgen, während Kaffee- und Kakaoprodukte weniger stark betroffen sein dürften. 2025 hatte Nestlé dort wegen stark gestiegener Rohstoffkosten deutliche Preiserhöhungen vorgenommen.

___ Blue Bottle wird verkauft

Strategisch treibt das Management den Umbau weiter voran. Nestlé verkauft die US-Premium-Kaffeehauskette Blue Bottle an den Investor Centurium Capital. Der Abschluss wird noch im ersten Halbjahr erwartet.

Auch das schwache Geschäft in China mit rückläufiger Verkaufsmenge wird neu ausgerichtet. Navratil erklärte, der Turnaround sei auf Kurs. Die Anpassungen sollen bis Ende Juni abgeschlossen sein, danach wird eine Verbesserung erwartet.

___ Kursfeuerwerk an der Börse

An der Börse und bei Analysten kamen die Zahlen gut an. Die Aktie legte zwischenzeitlich um über 7 Prozent zu. Die Bank Vontobel strich positiv hervor, dass Nestlé gleichzeitig das Portfolio straffe und trotz geopolitischer Risiken an den Jahreszielen festhalte. Das Ergebnis sei die Art von Bestätigung, auf die Investoren gewartet hätten.

Die Analysten von Bernstein errechneten, dass Nestlé ohne den Belastungseffekt aus dem Babynahrungsrückruf im ersten Quartal gar ein organisches Wachstum von 4,4 Prozent erreicht hätte. "Der Navratil/Isla-Turnaround-Zug scheint an Fahrt zu gewinnen", schrieb das US-Analysehaus.


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