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Zentralbanken   16.04.2026 18:33:09

SNB plädiert für offene Schnittstellen im Zahlungsverkehr

Zürich (awp) - Debit- und Kreditkarten sowie Bezahl-Apps sind im Alltag von Herrn und Frau Schweizer längst etabliert. Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) stellt sich in diesem Zusammenhang vor allem die Frage, wie sich im bargeldlosen Zahlungsverkehr Effizienz sicherstellen lässt. Ein intensiver Wettbewerb allein führt dabei nicht zwingend zum gewünschten Ergebnis.

Bargeld wird heute nur noch bei rund 30 Prozent aller Transaktionen an der Ladenkasse eingesetzt, erklärte SNB-Direktorin Petra Tschudin laut Redetext am Geldmarkt-Apéro in Zürich. Am schnellsten wachse die Nutzung der Bezahl-Apps, die auf einen Anteil von 20 Prozent kämen.

Neben Resilienz ist laut Tschudin Effizienz ein übergeordnetes Ziel im Zahlungsverkehr. Diesbezüglich stünden sich aber die Ziele der verschiedenen Akteure im Zahlungsprozess in der Quere. So fördere aus Kundensicht ein intensiver Konkurrenzdruck unter den Dienstleistern wie Banken, Issuern oder Acquirern die Effizienz.

Die zentrale Abwicklungsinfrastruktur hingegen könne aufgrund von Skalen- und Netzwerkeffekten als natürliches Monopol angesehen werden. Es sei gesamtwirtschaftlich am effizientesten, wenn es einen einzigen Anbieter gebe. Die SNB stelle mit der Mandatierung der SIC AG sicher, dass diese Monopolstellung nicht missbraucht werde.

Bei den Zahlungsnetzwerken schliesslich, in der Schweiz dominieren Mastercard, Postfinance, Twint und Visa, sei weder ein Monopol noch ein Markt mit vielen Wettbewerbern wünschenswert. In diesem Bereich sei gesamtwirtschaftlich ein "ausgewogenes Mass an Wettbewerb" wünschenswert.

___ Wettbewerb fördern

Da ökonomische Kräfte tendenziell aber in Richtung einer Monopolbildung wirkten, ist es aus Sicht der SNB dennoch sinnvoll, über Massnahmen zur Stärkung des Wettbewerbs nachzudenken. So könnten Vorgaben hinsichtlich Höhe und Aufteilung der Gebühren die Effizienz erhöhen.

Mehr Wettbewerb könne es auch geben, indem Eintrittshürden gesenkt würden. Offene Schnittstellen wie etwa beim Zahlterminal an der Ladenkasse ermöglichten es neuen Anbietern, Teil des Zahlungsprozesses zu werden - das Stichwort lautet "Interoperabilität".

Ein weiteres Beispiel sei die Near-Field-Communication-Technologie (NFC). NFC-Schnittstellen könnten aber vom Smartphone-Betreiber für gewisse Applikationen geschlossen werden, oder es würden hohe Gebühren verlangt. Beides schränke den Wettbewerb ein.

"Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive sollten solche Eintrittshürden gesenkt und dadurch die Interoperabilität erleichtert werden", fordert daher Tschudin.


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