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Politik, Regierung, Parlament, Bundesverwaltung   09.01.2026 12:16:09

Nationalbank-Ausschüttung kommt den kantonalen Kassenwarten gelegen

Bern (awp/sda) - Der hohe Goldpreis führt zu einem Geldsegen für die öffentliche Hand. Die Nationalbank schüttet rund 2,67 Milliarden Franken ihres Gewinns an die Kantone aus. Das ist mehr als im Vorjahr und verschafft den Kassenwarten etwas Luft.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) präsentierte am Freitag den Jahresgewinn 2025 von 26 Milliarden Franken. Bund und Kantone werden von einer Gewinnausschüttung im Umfang von insgesamt vier Milliarden Franken profitieren - das ist eine Milliarde Franken mehr als im Vorjahr.

Nicht überraschend zeigen sich die Kantone erfreut über den Geldsegen, wie der Zürcher Regierungsrat Ernst Stocker, Präsident der Finanzdirektorenkonferenz (FDK), auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte. Nach dem SNB-Defizit im ersten Halbjahr 2025 seien die Aussichten auf Gewinnausschüttungen noch ungewiss gewesen.

Kein Grund für Übermut

Die Berner Finanzdirektorin Astrid Bärtschi bezeichnete die Gewinnausschüttung auf Anfrage als "sehr erfreulich". Die daraus resultierenden einmaligen Erträge flössen in den allgemeinen Haushalt ein und würden das Ergebnis der Jahresrechnung 2026 verbessern.

An der Grundstossrichtung der bernischen Finanzpolitik ändere die Ausschüttung jedoch nichts. "2025 und 2026 haben wir hohe Gewinnausschüttungen erhalten, zuvor gab es zwei Jahre lang keinen Rappen", rief die Mitte-Politikerin in Erinnerung. "Wir tun also gut daran, die Ausgabenschleuse jetzt nicht einfach zu öffnen." Auch in Zukunft werde es wieder Jahre ohne Gewinnausschüttungen geben.

Ähnlich reagierte der Luzerner Finanzdirektor Reto Wyss (Mitte). Die nicht erwarteten Mittel stärkten die "finanzielle Handlungsfähigkeit" des Kantons, hiess es in einer Mitteilung. Angesichts der in den nächsten Jahren geplanten Investitionen in die Infrastruktur und in Hochbauten sei dies "sehr wertvoll".

Gleichzeitig mahnte auch Wyss, dass die SNB-Ausschüttung nicht für wiederkehrende Ausgaben verwendet werden dürfe. Die zusätzlichen Mittel von der SNB habe der Kanton wegen der Schwankungen der Ergebnisse nicht budgetiert. Sie würden in der Jahresrechnung verbucht.

Kantone budgetieren vorsichtig

Diese Praxis ist auch in anderen Kantonen Usus. "Im Allgemeinen zeigen sich die Kantone bei der Budgetierung einer möglichen Gewinnausschüttung und deren Umfang vorsichtig", hielt FDP-Präsident Stocker fest. Es liege aber in ihrer eigenen Zuständigkeit und Verantwortung, die Situation im Rahmen der Budgetierung zu berücksichtigen.

"Die hohe Volatilität der Ergebnisse der letzten Jahre hat die Kantone zur Vorsicht veranlasst", so Stocker. Noch im ersten Halbjahr 2025 war beispielsweise der Verlust noch grösser als die Ausschüttungsreserve in der Bilanz.

Gewinnausschüttungen der SNB sind dann möglich, wenn dies die bestehenden rechtlichen Grundlagen zulassen. Seit dem Geschäftsjahr 2020 und bis und mit dem Geschäftsjahr 2025 wird die Gewinnausschüttung an Bund und Kantone durch eine Vereinbarung aus dem Jahr 2021 geregelt. Demnach wird jährlich ein Betrag von bis zu sechs Milliarden Franken an Bund und Kantone ausgeschüttet, sofern es die finanzielle Situation der Nationalbank zulässt.

Grosse Schwankungen

In den Jahren 2022 und 2023 hatte die SNB aufgrund von Bilanzverlusten keine Ausschüttungen vornehmen können. Im Durchschnitt ermöglichte die sechs Jahre geltende Vereinbarung seit ihrem Inkrafttreten eine Ausschüttung an die Kantone von rund 2,1 Milliarden Franken pro Jahr.

Für die Zeit ab dem Geschäftsjahr 2026 handeln das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) und die SNB eine neue Vereinbarung aus. "Für die FDK sollte die aktuelle Vereinbarung als Grundlage für die nächste Vereinbarung dienen", schrieb Stocker. Ziel sei es, die Ausschüttungen zu verstetigen.

Die SNB überweist die Gewinnausschüttung jeweils im Anschluss an die ordentliche Generalversammlung an die Eidgenössische Finanzverwaltung (EFV). Diese überweist dann zwei Drittel des Betrags an die Kantone.


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