Aktien Frankfurt Ausblick: Nur knapp im Minus - Fokus auf wieder höherem Ölpreis
FRANKFURT (awp international) - Die anhaltende Unsicherheit rund um den Iran-Krieg lässt die Anleger nicht los. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die massive Zwischenerholung vom Montagmittag zunächst nur ein Strohfeuer war. Eine Stunde vor dem Auftakt fällt das Minus jedoch viel geringer aus als zwischenzeitlich erwartet: Der X-Dax signalisierte für den deutschen Leitindex zuletzt einen Start bei 22.632 Punkten, was ein nur knappes Minus wäre.
Am Montag war der Dax mit 21.863 Punkten zunächst auf einen Tiefpunkt seit April 2025 abgesackt, bevor eine Kurznachricht von US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social für einen Hoffnungsschimmer sorgte. Bei anschliessend widersprüchlicher Nachrichtenlage war die Euphorie aber schon am Vortag schnell wieder abgeebbt. Der Preis für ein Barrel der Ölsorte Brent, der zeitweise unter 100 Dollar stand, kostete zuletzt wieder bis zu 104 Dollar. Die davon ausgehenden Inflations- und Konjunktursorgen halten damit an.
Trump hatte am Vortag erklärt, man befinde sich in Gesprächen mit dem Iran, und verlängerte das Ultimatum für Angriffe auf iranische Energieanlagen bis kommenden Freitag. Der Iran hat die Gespräche allerdings dementiert. "Der Konflikt ist damit jedoch nicht beendet, und die wirtschaftlichen Folgen der faktischen Blockade der Strasse von Hormus bleiben schwer abschätzbar", schrieb am Morgen der Anlagestratege Ulrich Stephan von der Deutschen Bank. Die Märkte preisten weiterhin eine höhere Inflation, aber keine Rezession, ein. Die Gefahr einer solchen bleibe aber präsent, sollte die Situation weiter eskalieren.
Aus dem Dax werden die SAP-Aktien am Morgen zwei Prozent schwächer erwartet, nachdem die US-Bank JPMorgan ihr bisher optimistisches Votum für das Dax-Schwergewicht aufgegeben hat. Toby Ogg argumentierte, das Bild einer erwarteten Wachstumsbeschleunigung und Margenexpansion habe sich geändert. Er sieht ein Problem in einer verlangsamten Auftragsentwicklung im Cloud-Geschäft und befürchtet Ergebnisschwankungen durch den Umbau des Geschäftsmodells.
Auch die Bayer-Aktien könnten am Dienstag wegen möglicher Kursverluste einen Blick wert sein. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, will der 2023 eingestiegene Aktionär Inclusive Capital Partners 8,5 Millionen Aktien des Pharmakonzerns los werden. Ein Händler vermutet, dass der dahinter steckende aktivistische Investor Jeff Ubben das Potenzial des zuletzt deutlich angezogenen Kurses als ausgeschöpft betrachtet.
Vor dem Hintergrund der Unsicherheit im Zuge des Nahost-Konflikts sorgte die Deutsche Bank im Chemiesektor für Gesprächsstoff mit einer Reihe an Umstufungen. Dazu zählt, dass Analystin Virginie Boucher-Ferte in BASF und Brenntag letztlich Profiteure sieht, die sie nun zum Kauf empfiehlt. Aus dem MDax wurde für Wacker Chemie mit einer nun neutralen Einschätzung die bisherige Verkaufsempfehlung aufgehoben.
Auf Seiten der Einzelwerte gab es am Dienstag im Nebenwertebereich Zahlen von Nagarro , Indus und Drägerwerk auszuwerten - mit vorbörslich zunächst durchwachsener Tendenz.
Klare Kursgewinne bahnen sich beim Prothesenhersteller Ottobock an nach einer Kaufempfehlung der UBS. Eine solche sprach ausserdem die Privatbank Berenberg für den IT-Dienstleister Bechtle aus. Beide Aktien setzten ihre Erholung vorbörslich fort mit Gewinnen, die auf Tradegate mehr als vier Prozent gross waren.
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