Aktien Frankfurt: Kräftige Erholung nach Waffenruhe im Iran-Krieg
FRANKFURT (awp international) - Die Einigung auf eine zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg hat bei den Anlegern am Mittwoch weltweit für enorme Erleichterung gesorgt - vor allem dank des massiven Einbruchs der Ölpreise. Mehrere Börsianer sprachen von einem "Geschenk von Pakistan". Der Nachbar des Iran hatte eine sofortige Waffenruhe vermittelt.
Daraufhin sackten die Ölpreise prozentual zweistellig ab. Sie sind derzeit der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni fiel zuletzt unter 92 US-Dollar und damit auf das tiefste Niveau seit Mitte März.
Wichtig für die globalen Märkte ist vor allem, dass der Iran die Strasse von Hormus nun wieder für den Schiffsverkehr öffnen will. Die Meerenge ist einer der global wichtigsten Transportwege - nicht nur für Rohöl und Gas. Ihre Öffnung war die Bedingung der USA für eine Feuerpause.
Hierzulande schnellte der Dax um 5,3 Prozent auf 24.128 Punkte in die Höhe. Gemessen am bisherigen Jahrestief Ende März bei knapp 21.864 Punkten hat der deutsche Leitindex damit rund zwei Drittel seines Kursrutsches im Zuge des Iran-Kriegs wieder wettgemacht.
Der MDax mit den mittelgrossen deutschen Werten zog um 6,1 Prozent auf 30.484 Zähler an. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx stieg um 5,3 Prozent.
In Asien ging es am stärksten an solchen Börsen nach oben, die zuvor am meisten unter dem Ölpreisanstieg gelitten hatten. So gehörten die Leitindizes in Japan und Südkorea mit Gewinnen von gut fünf und fast sieben Prozent zu den Spitzenreitern. Die US-Börsen dürften mit deutlichen Aufschlägen in den Handel starten.
"An den Finanzmärkten ist Aufatmen angesagt", schrieb Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Mit dem Waffenstillstand bleibe vorerst eine weitere Eskalation aus. Vor allem die deutlich gefallenen Ölpreise lassen dem Experten zufolge Hoffnungen keimen, dass der Anstieg der Inflationsraten eine kurze Episode bleiben wird. Die Notenbanken könnten im Falle einer nachhaltigen Entspannung der Ölpreise auch von bereits befürchteten Zinsanhebungen absehen.
Marktstratege Matthew Ryan vom britischen Fintech-Unternehmen Ebury ergänzte: "Der Fokus richtet sich nun auf die bevorstehenden, entscheidenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran." Die zentrale Frage werde sein, ob diese zu einem dauerhaften Frieden führen oder ob der Waffenstillstand nur einen Aufschub des Problems darstellt.
Am deutschen Aktienmarkt waren die Papiere solcher Unternehmen gefragt, die stark von der Konjunktur abhängen. So gewannen im Dax die Titel des Industriekonzerns Siemens , des Chipherstellers Infineon und des Energietechnikkonzerns Siemens Energy zwischen elf und zwölf Prozent.
Im Nebenwerte-Index SDax hatten die Anteilsscheine des Stahlkonzerns Salzgitter mit einem Plus von 17 Prozent die Nase vorn. Sie haben gleichwohl ihre Verluste seit Kriegsbeginn Ende Februar noch nicht aufgeholt.
Aktien von Redcare Pharmacy stiegen im MDax nach der Vorlage von Geschäftszahlen um gut 14 Prozent. Der Experte Martin Comtesse vom Analysehaus Jefferies sprach von einem insgesamt "konstruktiven Start" ins Jahr für die Online-Apotheke.
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