News story
Markt und Börse   10.09.2026 18:03:21

Aktien Frankfurt Schluss: Verluste - Ölpreisanstieg und Leitzinserhöhung

FRANKFURT (awp international) - Der deutsche Aktienmarkt hat negativ auf die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr sowie auf trübe Inflationsperspektiven durch die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert. Als Belastung hinzu kam ein erneuter Preissprung beim Rohöl, was ebenfalls die Sorge vor anhaltend hohen Verbraucherpreisen schürte.

Der Dax gab letztlich am Tagestief um 0,84 Prozent auf 25.361,15 Punkte nach. Der MDax der mittelgrossen Werte fiel um 1,50 Prozent auf 31.596,42 Punkte.

Die Europäische Zentralbank stemmt sich mit der Zinserhöhung gegen die infolge des Iran-Kriegs gestiegene Inflation. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins steigt von 2,25 auf 2,5 Prozent, wie die Notenbank nach einer auswärtigen Sitzung in Berlin mitteilte. Zudem erhöhte die EZB ihre Inflationsprognosen für die kommenden beiden Jahre.

"Die Leitzinsen müssen steigen, weil sich die Inflation als hartnäckiger erweist als erwartet", schrieb Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Vor dem Hintergrund des andauernden Konflikts am Persischen Golf blieben die Energiepreise hoch. "Die EZB ist dabei in einer undankbaren Lage, denn höhere Zinsen belasten eine ohnehin nicht gerade kräftige Konjunktur." Die Abwehr von Inflationsgefahren wiege jedoch stärker.

Am Kapitalmarkt hat man sich Kater zufolge darauf eingestellt, dass die Inflationsgefahren nicht so leicht verschwinden. Daher seien alle Kapitalmarktzinsen in letzter Zeit gestiegen. Obwohl die Zinsen im kommenden Jahr wieder etwas nachgeben könnten, wird es laut dem Experten wohl nicht wieder so weit heruntergehen wie in den vergangenen Jahren.

Höhere Zinsen sind tendenziell eine Belastung für die Aktienmärkte. Sie erhöhen die Finanzierungskosten von Unternehmen und können so die Gewinne schmälern. Zudem verteuern sie Investitionen und machen Anleihen als alternatives Investment attraktiver.

Am Ölmarkt sind die Anleger neben der sich verschärfenden Lage im Iran-Krieg auch wegen der Situation im Jemen beunruhigt. Die Huthi-Miliz hat nach Angaben aus jemenitischen Militärkreisen und Augenzeugenberichten die strategisch wichtige Hafenstadt Mokka an der Westküste des Landes eingenommen. Damit rückt die vom Iran unterstützte Miliz noch näher an die Meerenge Bab al-Mandab heran, einen der wichtigsten Engpässe für den internationalen Schiffsverkehr.

Angesichts der aktuell hohen Preise für Rohöl, das als Schmiermittel der Weltwirtschaft gilt, fürchten die Anleger zudem eine konjunkturelle Abschwächung. Dies spiegelte sich an den Rohstoffmärkten in deutlich sinkenden Preisen für unter anderem Kupfer, Silber und Platin wider. Am deutschen Aktienmarkt litten darunter die Aktien des Kupferkonzerns Aurubis , die um 5,3 Prozent fielen. Die Anteilsscheine des Stahlherstellers Salzgitter , der an Aurubis beteiligt ist, sackten um 7,3 Prozent ab.

Am MDax-Ende knickten die Papiere von Bilfinger um 7,5 Prozent ein. Analyst Andreas Wolf von der Berenberg Bank erklärte, dass der Industriedienstleister sich im zweiten Halbjahr bei der Profitabilität merklich strecken müsse, um die Jahresziele noch zu erreichen.

Schlusslicht im Dax waren die Aktien von Hochtief , die unter Gewinnmitnahmen litten und mehr als 6 Prozent einbüssten. Sie weisen aber seit Jahresbeginn gerechnet immer noch ein Plus von gut 21 Prozent auf. Hochtief gilt als Profiteur des Booms rund um Künstliche Intelligenz, weil der Konzern Rechenzentren für grosse Technologieunternehmen baut.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 0,67 Prozent auf 6.268,97 Punkte. Ausserhalb der Eurozone gaben der britische FTSE 100 und der Schweizer Leitindex SMI etwas weniger deutlich nach. In New York verlor der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss 0,5 Prozent.


Zum gleichen Thema

Betroffene Instrumente

N/A