Graubündner Kantonalbank mit Multi-Millionen-Klage konfrontiert
Chur (awp) - Die Graubündner Kantonalbank (GKB) sieht sich mit einer Klage über mehrere hundert Millionen Franken konfrontiert. Laut einem Medienbericht erbt die Bank einen Streit des Investors Martin Ebner. Sie bestreitet die Vorwürfe allerdings vehement.
Der Kläger fordert eine Summe im mittleren dreistelligen Millionenbereich, wie es in einer Mitteilung der GKB vom Montag heisst. Das ist für das Staatsinstitut eine horrend hohe Summe. Zum Vergleich: In den letzten fünf Jahren erzielte das Institut Jahresgewinne zwischen 200 und 230 Millionen Franken.
Um was es in der Klage genau geht, sagt die Bank nicht. Nur so viel: Die Klage, die beim Vermittleramt Höfe im Kanton Schwyz eingereicht wurde, sei wegen angeblicher Pflichtverletzungen gegen die GKB selber, ihre Tochtergesellschaft BZ Bank sowie aktuelle und ehemalige Organe der BZ Bank eingereicht worden.
Dreh- und Angelpunkt von Ebner
Die BZ Bank spielt somit eine Schlüsselrolle. Diese war über viele Jahre der Dreh- und Angelpunkt der Aktivitäten des bekannten Investors Martin Ebner. 2022 kaufte die GKB ihm die Mehrheit an der BZ Bank ab. Seit Anfang 2025 ist sie die alleinige Besitzerin. Ebner machte mit dem Verkauf den letzten Schritt in seiner Nachfolgeplanung.
Die GKB ihrerseits hat sich mit dem Zukauf nun den aktuellen Rechtsstreit ins Haus geholt. Denn bei diesem geht es um ein Produkt der BZ Bank, wie es im Communiqué heisst. Ob Ebner selber zu den Beklagten gehört, liess ein BZ-Bank-Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP offen.
Er ergänzte immerhin, dass der Kläger eine Privatperson und kein institutioneller Anleger sei. Dieser habe in ein Privatmarkt-Anlageprodukt investiert. Sein Name wird nicht genannt.
GKB: Vorwürfe unbegründet
Die GKB und die BZ Bank erachten die Vorwürfe als unbegründet und bestreiten die Forderungen, wie sie betonen. "Wir haben die Zivilklage zur Kenntnis genommen und weisen alle darin gemachten Vorwürfe entschieden zurück", so der Sprecher. Man werde sich entsprechend verteidigen.
Die Frage, ob wegen des Falls Rückstellungen gebildet werden müssen, kommt laut dem Sprecher zu früh: "Eine detaillierte inhaltliche Einschätzung ist aktuell nicht möglich."
Georg-Fischer-Deal als Hintergrund?
Am Montagmorgen hatte das Online-Portal "Inside Paradeplatz" Details zur Klage genannt. Diese wollte der Sprecher nicht kommentieren. "Aufgrund des laufenden Verfahrens nehmen wir inhaltlich keine Stellung", sagte er bloss.
Gemäss dem Online-Portal soll der aktuelle Streit rund um den Verkauf der ehemaligen Georg-Fischer-Tochter Agie Charmilles an die United Grinding Group ausgebrochen sein. Ebner ist dort Hauptaktionär.
Die BZ Bank habe den Kläger und weitere Privatkunden dazu gebracht, auf Bezugsrechte bei einer Kapitalerhöhung mittels Stimmrechtsaktien zu verzichten - womit diesem Geld entgangen sei. Zudem kritisiert der Kläger gemäss "Inside Paradeplatz" die damalige Bewertung der Firma. Der Preis für die Aktien sei anhand einer internen Berechnungsformel der BZ Bank künstlich tief angesetzt worden.
An der Börse im Minus
An der Börse gibt der Partizipationsschein (PS) der Graubündner KB am Montag gegen 10 Uhr um mehr als 3 Prozent nach. Der Analyst der Zürcher Kantonalbank schreibt in einem ersten Kommentar von einer "klar negativen Nachricht".
Eine fundiertere Einschätzung des Risikos sei derzeit kaum möglich, da die Bank keine detaillierten Angaben zu den Vorwürfen mache. Er betont ausserdem, dass die GKB-Tochtergesellschaften schon zuletzt durch erhöhte Nettoneugeldabflüsse aufgefallen seien. Die Klage stelle somit eine zusätzliche negative Entwicklung dar.
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Betroffene Instrumente
| Name | Kurs | Differenz Differenz % |
52 Wochenhoch | 52 Wochentief | Volumen |
|---|---|---|---|---|---|
| Graubuendner KB PS | 2'240.00 |
-130.00
-5.49%
|
2'390.00 | 2'000.00 | 494.00 |