Aktien Schweiz Schluss: SMI mit Schlussspurt in Gewinnzone
Zürich (awp) - Nach der Feierlaune des Vortags ist am Schweizer Aktienmarkt am Donnerstag Ernüchterung eingetreten. Die Anleger stünden an der Seitenlinie und hielten sich mit Anschlusskäufen zurück, sagte ein Händler. Denn die Spannungen im Mittleren Osten seien trotz Waffenruhe immer noch hoch, was die Ölpreise wieder anheize. Dank eines Schlussspurts in den letzten Handelsminuten schaffte es die Schweizer Börse aber in die Gewinnzone.
Auf die Stimmung schlug lange, dass die Strasse von Hormus derzeit faktisch weiter geschlossen ist. Nur wenige vereinzelte Schiffe haben seit der Ankündigung der Waffenruhe die für den Öl- und Flüssiggastransport global wichtige Meeresenge passiert. Die allermeisten Reedereien warten aber unverändert auf eine Besserung der Sicherheitslage. Nach Einschätzung des Verbands Deutscher Reeder (VDR) sitzen über 2000 Schiffe im Persischen Golf fest.
Zudem warnten die Revolutionsgarden vor Seeminen in der Strasse von Hormus. Ob tatsächlich Minen in den wenigen Kilometer breiten Korridoren liegen, ist unklar. Darüber hinaus gibt es übereinstimmende Berichte, dass der Iran in der Strasse von Hormus eine Art Mautstellen-System eingeführt hat.
Obendrein hat Israel seine massive Angriffe im Libanon fortgesetzt, weshalb der Iran nun droht, die gerade erst mit den USA vereinbarte Waffenruhe platzen zu lassen. US-Präsident Donald Trump droht seinerseits ebenfalls mit einer neuen militärischen Eskalation, falls es nicht zu einem umfassenden Abkommen kommen sollte.
SMI im Kielwasser der US-Börsen
"Die zwischen den USA und dem Iran vereinbarte vierzehntägige Waffenruhe zeigt sich als ein sehr wackeliges Konstrukt", erklärte ein Marktanalyst. Kurz vor Börsenschluss in Europa zogen die Kurse an den US-Börsen aber wieder an, was auch dem Schweizer Aktienmarkt eine Landung im grünen Bereich bescherte.
Der Schweizer Leitindex SMI stieg um 0,35 Prozent auf 13'159,56 Punkte. Der SMIM für die mittleren Werte legte um 0,17 Prozent auf 2992,03 Punkte zu, während der breite SPI um 0,32 Prozent auf 18'377,07 Zähler anzog.
Damit hat die Schweizer Börse ihre Verluste des Morgens bis Handelsschluss vollkommen abgeschüttelt. Dank des Gewichts der defensiven Titel hielt sich die Schweizer Börse deutlich besser als die anderen grossen Handelsplätze Europas, die teilweise deutliche Kursrückgänge erlitten.
Gestützt wurde der hiesige Markt durch die Versicherungsaktien und die defensiven Titel. An die Spitze der Gewinner standen Helvetia Baloise, die vor ihrer Zahlenvorlage von nächster Woche um 3,3 Prozent zulegten. Auch Swiss Life (+1,5%) und Swiss Re (+0,9%) notieren fester, während Zurich (-0,1%) etwas in die Verlustzone rutschten.
VAT (+2,9%) kletterten nach einem positiven Analystenkommentar ebenso wie Schindler (PS +1,5%). Gefragt waren auch die defensiven Swisscom (+1,1%).
Schwergewichte als Stütze
Als Stütze des SMI erwiesen sich auch die drei Schwergewichte Roche und Novartis (je +0,8%) sowie Nestlé (+0,2%). Diese drehten alle in der letzten Handelsstunde ins Plus, nachdem sie lange zu den Verlierern gezählt hatten.
Auf der anderen Seite hielten Logitech (-3,4%) mit klarem Abstand die rote Laterne vor Lindt&Sprüngli (-1,7%), SGS (-1,0%) und Partners Group (-0,7%). Auch die Gesundheitswerte Sonova (-0,6%) und Sandoz (-0,5%) standen auf den Verkaufslisten ebenso wie Amrize und Holcim (-0,6%).
Am breiten Markt hoben sich AMS Osram (+7,9%) nach einer Kurszielerhöhung der UBS-Analysten positiv vom Gesamtmarkt ab. Die Analysten lobten die immer stärkere Fokussierung des Unternehmens auf MicroLEDs. Bei DocMorris (+4,1%) ging der Aufwärtstrend des Vortages weiter. Dagegen ging es mit SoftwareOne (-3,5%) nach einer Kurszielsenkung durch die Deutsche Bank bergab.
Ölpreis wieder höher
In der Folge der Spannungen zog der Ölpreis wieder an. Ein Fass der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni kostete 96,91 Dollar. Das sind 2,3 Prozent mehr als am Vortag.
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