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Markt und Börse   03.04.2025 18:15:10

Aktien Schweiz Schluss: Trump-Zölle sorgen für Ausverkauf an den Aktienbörsen

Zürich (awp) - US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag die Börsen in Aufruhr versetzt. Weltweit gerieten die Kurse ins Rutschen. Auch die Schweizer Aktienbörse schloss deutlich tiefer. Anleger flüchteten aus Risikopapieren und suchten ihr Heil in sicheren Häfen wie Gold oder Obligationen. Grund dafür waren die Zollerhöhungen der US-Regierung. Präsident Trump sagte mit einem gewaltigen Zollpaket den Handelspartnern den Kampf an und verkündete Zollerhöhungen von 10 Prozent auf alle Importe. Viele Länder kommen dabei deutlich schlechter weg, darunter auch die Schweiz mit einem Satz von 31 Prozent oder die ganze EU mit 20 Prozent.

"Donald Trump bricht einen globalen Handelskrieg vom Zaun", kommentierte Thomas Gitzel von der VP Bank die US-Politik. Damit dürfte die Ära des Freihandels zu Ende gehen. Dies berge auch grosse Risiken für die Weltwirtschaft. Mittelfristig dürfte die Kursentwicklung zwar von den Gewinnprognosen abhängen, die wiederum von den Reaktionen der jeweiligen Handelspartner der USA beeinflusst würden, meinte ein Experte. Aber zumindest kurzfristig dürften die Aktien stärker unter Druck bleiben.

Der Leitindex SMI büsste zum Handelsschluss 2,45 Prozent ein auf 12'279,48 und schloss damit nur wenig über dem Tagestief bei 12'252,7 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind und die Gewichtung der wichtigsten Titel gekappt ist, verlor sogar 3,11 Prozent auf 1966,07 und der breite SPI 2,55 Prozent auf 16'362,24 Zähler. Bei den 30 Blue Chips standen 24 Verlierern immerhin sechs Gewinner gegenüber.

Damit war die Schweiz beileibe nicht alleine. Der deutsche Dax Index sackte gar um 3,1 Prozent ab. Der Weltleitindex Dow Jones notierte zuletzt um 3,2 Prozent und die Technologiebörse Nasdaq um über 5 Prozent tiefer. Die Erschütterungen zeigten sich auch bei den Währungen, wo der Dollar zum Franken seit der Zollankündigung fast drei Rappen eingebrochen ist. Derweil gingen die Anleihenenditen deutlich zurück.

Mehr als die Hälfte der SLI-Werte brach mehr als 3 Prozent ein, zehn sogar mehr als 6 Prozent. Dass der SMI nicht noch mehr nachgegeben hat, war den Kursgewinnen der Schwergewichte Nestlé (+1,0%) und Novartis (+0,5%) geschuldet.

Klar im plus standen zudem Swisscom (+3,7%). Der Telekomkonzern ist abgesehen von der Schweiz nur in Italien tätig. Givaudan und Lonza (je +0,9%) sowie Schindler PS (+0,4%) schlossen ebenfalls fester.

Novartis profitierten davon, dass Pharmaprodukte von den Zöllen ausgeschlossen bleiben. Am Vortag stand die Pharmabranche in Erwartung hoher Zölle noch europaweit unter Druck. Der Bon des Pharmariesen Roche (-2,9%) gab allerdings klar nach. Grund dafür war ein Forschungs-Misserfolg mit dem MS-Mittel Ocrevus, der am Vorabend bekannt gegeben worden war..

Stark unter Druck standen Logitech (-16,5%). Der Hersteller von Computer und Gaming-Zubehör sei voll in den Zollhammer gelaufen, hiess es am Markt. Rund zwei Fünftel seiner Produkte stellt das Unternehmen in China her. Zudem unterhält es noch weitere Produktionsstätten in Taiwan, Malaysia und Vietnam.

Auch Kühne + Nagel (-8,5%) sackten deutlich ab. Anleger befürchteten, dass der Welthandel unter den Zöllen leiden wird. Im Angebot standen zudem die Aktien der Luxusgüterhersteller Swatch (I -6,1%) und Richemont (-6,3%). Etwa ein Fünftel der Schweizer Uhrenexporte geht in die USA. Das Land galt als Wachstumsmarkt nach der Chinaschwäche.

Deutlich tiefer schlossen im Sog der sehr schwachen Nasdaq die Technologiewerte VAT (-11%), AMS Osram (-8,4%), Comet (-8,1%) und Inficon (-8,0%) sowie Partners Group (-6,6%). Deren Kurse leiden besonders, wenn die Wachstumsaussichten sich abschwächen.

Die Banken UBS (-8,3%) und Julius Bär (-6,9%) litten laut Händlern einerseits unter den sinkenden Renditen, was geringere Margen bedeuten könnte, und andererseits unter der generellen Schwäche an den Börsen, hiess es.


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