Aktien Schweiz: Trump löst Handelsstreit 2.0 aus und belastet Märkte
Zürich (awp) - Donald Trump versetzt die weltweiten Finanzmärkte einmal mehr in den Krisenmodus, denn der US-Präsident sich Grönland einverleiben. Sollte keine entsprechende Vereinbarung zustande kommen, drohen acht EU-Ländern ab dem 1. Februar Strafzölle, liess der Präsident am Wochenende wissen. An den Finanzmärkten reagieren Aktien mit Kursverlusten, während sichere Häfen wie Gold, Silber und der Schweizer Franken zulegen. Der SMI gibt zwar auch nach, dank seiner defensiven Ausrichtung fallen die Verluste aber geringer aus als bei seinen europäischen Pendants.
"Es bleibt zu hoffen, dass sich dies einmal mehr als Sturm im Wasserglas entpuppt", kommentiert ein Marktstratege. "Höhere Importzölle würden vor allem die Inflation in den USA weiter anheizen, weswegen die Trump-Pläne auf wachsenden Widerstand in der Bevölkerung und im Kongress stossen". Darüber hinaus habe der Supreme Court in der Zolldebatte noch ein entscheidendes Wort mitzureden. "Die Finanzmärkte dürften daher nach einer Schrecksekunde erneut auf Durchzug schalten und somit die Risk-on-Kräfte die Oberhand behalten", sagt der Experte voraus.
Der SMI verliert gegen 10.45 Uhr 0,97 Prozent auf 13'283,12 Punkte. Der 30 Titel umfassende SLI verliert 1,16 Prozent auf 2148,57 und der breite SPI 1,03 Prozent auf 18'337,26 Zähler. Im SLI geben 25 Werte nach, drei gewinnen hinzu und zwei sind unverändert.
Damit hält sich der hiesige Markt etwas besser als etwa der deutsche Dax oder auch der französische Cac-40, die beide um jeweils annähernd anderthalb Prozent nachgeben. An den Devisenmärkten gerät vor allem der US-Dollar unter Druck, während der Franken klar gesucht ist.
Auf eine Reaktion der US-Märkte müssen Investoren derweil bis zum morgigen Dienstag warten, da die Wall Street zum Wochenstart wegen des Martin Luther King-Feiertages geschlossen bleibt. "Die Marktteilnehmer hatten sich durch den heutigen Feiertag in den USA auf einen ruhigen Wochenstart eingestellt bis diese Vorstellungen durch die politische US-Realsatire durchkreuzt wurden", kommentiert ein Händler.
Dass Investoren verunsichert sind, lässt sich auch am Nervositäts-Index VSMI ablesen. Mit einem Plus von annähern 16 Prozent notiert er aktuell so hoch wie seit November nicht mehr. Und auch ein Blick auf die Gewinner- und Verliererliste zeigt, dass Investoren nach Sicherheit suchen.
So führen die Swisscom (+1,4%) das übersichtliche Gewinnerfeld an. Investoren griffen angesichts der defensiven Qualitäten beherzt zu. Denn der Handelsstreit 2.0 zwischen Washington und Brüssel dürfte den Telekomkonzern nicht weiter tangieren. Ausserdem werden die Titel wegen ihrer attraktiv hohen Dividendenrendite als ein "sicherer Hafen" in Krisenzeiten sowie als ein "Fels in der Brandung" bei Börsenturbulenzen gesehen.
Daneben halten sich noch die Versicherer Zurich (+0,3%) oder Swiss Life (unv.) besser als der Gesamtmarkt. Der Pharmakonzern Novartis (unv.) hat ebenfalls über weiter Strecken am Vormittag knapp im Plus gelegen. Der Basler Konzern hatte am Freitagabend von der US-Gesundheitsbehörde FDA für Ianalumab beim Sjögren-Syndrom den Status "Therapiedurchbruch" erhalten. Zudem halten sich Lindt&Sprüngli (+0,2%) leicht besser.
Dem stehen Abgaben von bis zu 3,9 Prozent bei Alcon, Straumann, Richemont und VAT gegenüber. Auch Sonova, ABB, Kühne+Nagel und Sandoz zählen mit Kursverlusten von jeweils mindestens 2 Prozent zu den grösseren Verlieren. Sie alle gelten als konjunktursensibel.
Im Fall von Richemont und auch Swatch (-1,9%) dürften auch die als gemischt eingestuften Konjunkturdaten aus China für Zurückhaltung auf Investorenseite sorgen.
Zahlen gab es am Morgen aus den hinteren Reihen von Belimo (+0,6%) und Polypeptide (+4,6%).
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