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Markt und Börse   03.03.2026 18:15:13

Aktien Schweiz Schluss: Iran-Krieg beschleunigt Talfahrt des SMI

Zürich (awp) - Der Iran-Krieg hat am zweiten Handelstag nach dem Beginn des amerikanisch-israelischen Bombardements gegen das Mullahregime zu einer Verkaufswelle an den Finanzmärkten geführt. Der hiesige Leitindex SMI und die anderen grossen europäischen Börsen rauschten um über 3 Prozent in die Tiefe. In den USA tauchten die Börsen bis Europaschluss um 1,7 Prozent. Der Nahostkonflikt sei nun auch beim letzten Anleger angekommen, kommentierte ein Marktteilnehmer.

Was lange als geopolitisches Hintergrundrauschen wahrgenommen worden sei, werde jetzt als reales Marktrisiko eingepreist. Der Faktor Energie und die Entwicklung des Ölpreises seien dabei die neuralgischen Punkte. Je länger der Krieg andauere, desto grösser würden die Auswirkungen auf den Öltransport, hiess es am Markt.

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent schnellte um knapp 8 Prozent auf 83,88 Dollar nach oben. Die Anleger dürften dann in den Panikmodus schalten, wenn etwa die Rohölpreise die Marke von 100 Dollar erreichen oder über mehrere Wochen über dem Preisniveau von 90 Dollar verweilen würde, kommentierte ein Experte.

Der Gesamtmarkt dürfte in den kommenden Tagen hochvolatil bleiben und weiter sensibel auf die Nachrichtenlage aus Nahost reagieren. Investoren rund um den Globus würden in den risikoaversen Modus schalten. Das gelte in erster Linie für das von fremder Energie abhängige Europa.

Noch keine Panik

Derzeit handle es sich aber erst um eine Verkaufswelle, sagte ein Händler. Von einer Panik sei trotz hoher Volumen noch nichts auszumachen.

Nicht ins typische Muster der Marktreaktionen bei geopolitischen Krisen passen allerdings die markant fallenden Kurse von Gold (-3,9%) und Silber (-7,0%). Die Feinunze Gold fiel kurzzeitig sogar unter die Marke von 5000 Dollar, erholte sich dann aber wieder etwas auf 5113 Dollar. Es dürfte sich um Gewinnmitnahmen handeln.

Der SMI schloss um 3,10 Prozent tiefer auf 13'404,93 Punkten. Damit hat sich der Kursrutsch im Vergleich zum Montag (-1,2%) deutlich beschleunigt. Der SMIM-Index für die mittelgrossen Werte fiel um 2,32 Prozent auf 3047,47 und der breite SPI um 3,04 Prozent auf 18'470,76 Zähler. Gleichzeitig schoss das Angstbarometer der Schweizer Börse, der VSMI, um 32 Prozent in die Höhe.

Fast alle SMI-Titel im Minus

Im SMI waren fast alle Einzeltitel im Minus. Die einzige Ausnahme waren Kühne+Nagel (+0,4%). Laut Analysten hat dies nicht nur mit präsentierten Zahlen zu tun, sondern auch mit dem Krieg im Iran. "So zynisch es ist, aber Kühne+Nagel profitiert von solchen Ereignissen", sagte ein Börsianer. Geschlossene Flughäfen führen dazu, dass kurzfristig alternative Luftfrachtlösungen gefunden werden müssen. Zudem hat der operative Gewinn des Logistikkonzerns die Erwartungen übertroffen.

Die grössten Abgaben erlitten unter den Blue Chips Zurich (-6,7% auf 536,60 Franken). Der Versicherer hat ein verbindliches Angebot für Beazley vorgelegt und zur Finanzierung der Milliardenübernahme eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Rund 7 Millionen Aktien wurden zu 550 Franken bei Investoren platziert.

Allerdings waren nicht nur die Zurich-Titel schwach, sondern die Finanzaktien europaweit. So sackten auch die Aktien von Helvetia Baloise, Swiss Life und Swiss Re zwischen 4,1 und 4,7 Prozent ab. Auch UBS (-3,6%), Partners Group (-2,6%) und Julius Bär (-2,5%) wurden aus den Depots gekippt.

Die Schwergewichte blieben ebenfalls nicht verschont: Novartis verloren 2,7 Prozent, Nestlé 2,4 Prozent und Roche 2,1 Prozent. Glimpflich davon kamen die defensiven Swisscom (-0,2%) und Logitech (-0,2%), die die besten Bluechips hinter Kühne+Nagel waren.

Auch in den hinteren Reihen dominierte ganz klar die Farbe Rot. So gab der Vakuumventil-Hersteller VAT (-2,1%) nach Zahlen für 2025 nach. Ebenfalls klar im Minus waren Forbo (-5,9%) nach Jahreszahlen. Arbonia (-8,7%) wurden für die roten Zahlen abgestraft. Gut aufgenommen werden dagegen die Resultate von Bucher (+1,5%) und der Aktienrückkauf von Also (+2,9%).


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