Aktien Schweiz: SMI fällt dank defensiver Natur nur leicht
Zürich (awp) - Die Rede von US-Präsident Donald Trump in den frühen Morgenstunden hiesiger Zeit war gross angekündigt worden. Am Ende der Ansprache waren Investoren dann aber enttäuscht. Der Iran-Krieg geht erst einmal weiter. Mehr noch: Trump kündigte an, die USA würden den Iran innerhalb weniger Wochen "extrem hart" treffen. "Wir werden sie zurück in die Steinzeit versetzen, wo sie hingehören."
Damit bleibt auch offen, ob der Krieg in den kommenden Wochen wirklich beendet wird. Ende Februar ging die US-Regierung von einem Militäreinsatz von wenigen Tagen aus, ruft ein Händler in Erinnerung. Nach der Sperrung der Strasse von Hormus durch den Iran war der Zeitplan aber dahin und die negativen Auswirkungen des Krieges auf die Weltkonjunktur sind noch nicht absehbar. "Was aber absehbar ist, ist die anziehende Inflation infolge der deutlich höheren Energiepreise." Auch geldpolitisch seien die Effekte nicht unerheblich. "Sowohl die Notenbanken in den USA und in Europa werden wohl die Zinsen vorerst nicht senken - auf dem alten Kontinent macht sogar die Angst vor steigenden Leitzinsen die Runde."
In diesem Umfeld sticht der Schweizer Aktienmarkt mit seiner defensiven Ausrichtung einmal mehr hervor. Denn während die wichtigsten europäischen Aktienindizes wie der deutsche Dax, der französische CAC 40 oder der britische FTSE 100 um bis zu 1,5 Prozent zurückfallen, lasse etwas festere Schwergewichte die Abgaben im SMI deutlich geringer ausfallen. Und letztlich behält die Schweiz auch in puncto Inflation ihre Sonderstellung bei: So blieb die Inflation vom jüngsten Energiepreisschock relativ unberührt.
Defensive Werte gefragt
Der SMI verliert gegen 11.00 Uhr 0,40 Prozent auf 12'938,81 Punkte. Am Vortag war er im frühen Handel noch kurz wieder über die psychologisch wichtige Marke von 13'000 Punkten gesprungen. Auf Wochensicht ergibt sich aktuell nach drei Gewinntagen in Folge immer noch ein Plus - das zweite hintereinander. Im Leitindex stehen 15 Verlierern fünf Gewinner gegenüber. Der SMIM für die mittleren Werte fällt um 0,84 Prozent auf 2927,86 Punkte und der breite SPI um 0,47 Prozent auf 18'048,27 Punkte.
Gleichzeitig warnen Händler, dass es im Tagesverlauf durchaus noch zu erratischen Kurskapriolen kommen könnte. Denn traditionell sei das Handelsvolumen unmittelbar vor dem langen Karfreitags-Wochenende stark ausgedünnt. "Die Nervosität ist greifbar."
Während die Aktienkurse nachgeben, hat der Ölpreis mit Aufschlägen auf die Rede Trumps reagiert. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent weist aktuell ein Plus von mehr als 7 Prozent bei 108,59 Dollar auf. Auch hier hatten am Vortag Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Iran-Kriegs den Preis zeitweise noch unter 100 Dollar geschickt.
Hohe Volatilität vor langem Wochenende
Die Nervosität dürfte zudem durch die am Karfreitag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten befeuert werden. Arbeitsmarktdaten sind vor allem für die US-Notenbank entscheidend.
Dass der SMI sich vergleichsweise besser hält als seine Pendants, ist Werten wie Nestlé (+0,6%) und Roche (+0,1%) zu verdanken. Auch Novartis (-0,1%) schaffen zwischendrin immer wieder einen Vorzeichenwechsel. Mit Lindt&Sprüngli (+0,6%), Givaudan (+0,1%) und Swisscom (+0,2%) halten sich noch weitere wenig konjunkturabhängige Werte besser als der Gesamtmarkt.
In gewisser Weise findet aktuell eine Rotation zum gestrigen Mittwoch statt. Denn am Vortag zählten die defensiven Titel zu den Verlierern, während Zykliker stark gefragt waren. Ein Blick auf die Verlierer-Liste zeigt, dass dies der Fall ist. Amrize, Logitech, Holcim und ABB geben allesamt um mehr als 2 Prozent nach.
In den hinteren Reihen sieht es ähnlich aus. Dort zählen der Schokoladekonzern Barry Callebaut sowie Immobilienwerte wie SPS und PSP mit Aufschlägen von bis zu 3,2 Prozent zu den grössten Gewinnern, während VAT, Belimo oder Georg Fischer wieder aus den Depots gekippt werden und entsprechend um bis zu 3,4 Prozent fallen.
Das Nachrichtenaufkommen wird derweil ausnahmslos von Unternehmen aus den hinteren Reihen bestritten. Nach Zahlen sacken Montana Aerospace um 9,9 Prozent ab, Aevis sind unverändert und Lastminute gewinnen 2,1 Prozent hinzu.
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