Aktien Schweiz: Erleichterungsrally an den Börsen dank Waffenstillstand im Iran
Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt und die Handelsplätze weltweit feiern nach der Waffenruhe im Iran eine grosse Erleichterungsrally. In der Nacht hatten sich die USA und der Iran in letzter Minute vor Ablauf des Ultimatums auf eine Feuerpause geeinigt. "Für Investoren fühlt es sich an, als würde eine enorme Last von den Schultern fallen. Der Markt feiert nun die ersten sichtbaren Wolken aus der Friedenspfeife", kommentiert ein Händler die Stimmung.
Bei aller Freude über die Entwicklung mahnen viele Analysten aber auch vor allzu grosser Euphorie: "Noch ist kein nachhaltiger Frieden in der Region ausgehandelt, sondern lediglich eine Feuerpause. Zähe Verhandlungen und weitere potenzielle militärische Auseinandersetzungen können nicht ausgeschlossen werden", heisst es von einem Experten. Auch bei einer nachhaltigen Deeskalation ist bereits Schaden für die Weltwirtschaft angerichtet worden, und der Preisdruck ist gestiegen.
Vor diesem Hintergrund werden nun Konjunkturdaten umso wichtiger, insbesondere die Inflationsdaten aus den USA im weiteren Wochenverlauf. Zuletzt hatten wegen der stark gestiegenen Energiepreise auch die Zinserwartungen wieder angezogen. Ob nun die Zentralbanken tatsächlich an der Zinsschraube drehen, ist laut Experten fraglich.
Ölpreise mit deutlicher Entspannung
Gerade bei den Ölpreisen, die zuletzt als Seismograph für die Unsicherheit an den Märkten fungierten, kam es nach dem Waffenstillstand zu einer deutlichen Entspannung. So kostet ein Fass der Sorte Brent am späten Vormittag noch 94,53 US-Dollar. Im Hoch war der Preis zeitweise sogar bis auf 119,50 Dollar geklettert, am (gestrigen) Dienstag waren ebenfalls noch über 110 Dollar fällig.
Die entscheidende Variable ist laut Marktbeobachtern nicht die Schlagzeile über den Waffenstillstand, sondern ob sich die Schifffahrtsströme, die Versicherungskosten und der tatsächliche Energietransit normalisieren. "Jeder Verstoss gegen den Waffenstillstand, erneute Bedrohungen der Infrastruktur oder das Scheitern einer sinnvollen Wiederöffnung von Hormus könnten die Ölpreise und die makroökonomische Volatilität rasch wieder anfachen."
Zykliker ziehen an
Der Schweizer Leitindex SMI klettert gegen 11.00 Uhr um 2,90 Prozent auf 13'160,74 Punkte nach oben, nachdem er im frühen Handel bei 13'270 Punkten das bisherige Tageshoch markierte. Mit dem Kurssprung hat sich auch das charttechnische Bild für den Leitindex deutlich aufgehellt - das Rekordniveau von Ende Februar bei 14'000 Punkten könnte bald wieder in den Blick rücken.
Der SMIM für die mittleren Werte gewinnt ebenfalls stark um 3,05 Prozent auf 2986,89 Punkte hinzu und der breite SPI um 2,88 Prozent auf 18'369,68 Zähler.
Besonders gefragt sind Bauwerte, Zykliker und Industrietitel: Entsprechend zünden Holcim (+7,1%), ABB (+6,8%), aber auch Sika (+7,4%), Amrize (+4,7%) und Geberit (+5,5%) ein wahres Kursfeuerwerk. Diese Branchen hatten in den letzten Wochen stark verloren.
Defensive am Tabellenende
Auch die Luxusgüterwerte Richemont (+7,1%) sowie Swatch (+5,6%) atmen auf. Und zinssensitive Tech-Werte wie Logitech (+4,3%) oder VAT (+7,2%) sind ebenfalls gefragt. Denn gerade durch die erwarteten hohen KI-Investitionen ist die aufkommende Zinshoffnung entscheidend für die weitere Entwicklung der Branche.
Verglichen damit halten sich die Gewinne bei den defensiven Titeln wie Nestlé (+0,5%), bei Versichereraktien wie Zurich (+0,8%) sowie bei den Pharmakonzernen Roche (+1,7%) und Novartis (+1,6%) in Grenzen.
Swisscom (-0,6%) liegen am SMI-Indexende sogar im Minus, und Swiss Re (-0,3%) geben ebenfalls leicht nach. Auch Kühne+Nagel (unv.), die als Logistiker zuvor stark von den gestiegenen Frachtraten profitierten, kommen nicht vom Fleck.
In der zweiten Reihe springen die Titel der R&S Group (+15,2%) nach der Präsentation der definitiven Resultate 2025 massiv nach oben.
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