Aktien Schweiz: SMI erneut im Bann des Nahost-Konfliktes
Zürich (awp) - Der Wochenstart am Schweizer Aktienmarkt ist tiefrot gefärbt. Er befindet sich damit in guter Gesellschaft. Auch seine europäischen Pendants verzeichnen zum Teil Verluste von mehr als einem Prozent. Nach einer kurzen Phase der Erleichterung vom Freitag dominieren nach dem Wochenende wieder Zweifel an einer schnellen diplomatischen Lösung im Iran-Konflikt. Die wiederholten Störungen der Strasse von Hormus - einer der wichtigsten Energiehandelsrouten - unterstrichen die fragile Lage und dämpften Hoffnungen auf ein zeitnahes, tragfähiges Friedensabkommen zwischen den Konfliktparteien, heisst es in einem Kommentar.
"Das geopolitische Pulverfass ist erneut explodiert", fasst es ein weiterer Händler zusammen. Nachdem dann noch ein iranischer Frachter von der US-Armee geentert wurde, hat Teheran bereits unmissverständlich Vergeltung angedroht. Die Friedensgespräche stehen also akut auf der Kippe. Gleichzeitig heben zahlreiche Marktbeobachter hervor, dass die aktuelle Marktreaktion dafür spreche, dass Investoren sich langsam an die Situation zu gewöhnen schienen.
SMI von Nestlé-Dividende verzerrt
Gegen 11.10 Uhr verliert der SMI 1,47 Prozent auf 13'229,27 Punkte. Der SMIM für die mittelgrossen Werte fällt um 1,47 Prozent auf 3026,29 und der breite SPI um 0,91 Prozent auf 18'703,41 Zähler.
Im SMI geben alle Titel bis auf die Swisscom und Kühne+Nagel nach. Die Verluste der übrigen Werte reichen von -0,2 Prozent bei der Zurich bis -4,4 Prozent bei Amrize. Überdurchschnittlich stark scheint auch das Schwergewicht Nestlé (-3,2% oder -2,49 Fr.) zu verlieren. Hier täuscht der Schein, da sie ex Dividende (3,10 Fr.) notieren. An sich würden sie also gar ein kleines Plus aufweisen. Der SMI inklusive Dividenden (SMIC) gibt mit -0,9 Prozent denn auch weniger stark nach.
Auch die deutlich gestiegenen Rohölpreise sorge bei Investoren für eine gewisse Vorsicht. Allerdings notieren sowohl die Nordseesorte Brent als auch die US-Sorte WTI trotz eines markanten Anstiegs unterhalb der psychologisch wichtigen Marke von 100 US-Dollar je Barrel.
Zykliker besonders schwach
Wie ein Blick auf die Kurslisten zeigt, geben vor allem Zykliker überdurchschnittlich stark nach. Neben Amrize fallen weitere baunahe Werte wie Sika, Holcim, ABB und Geberit um bis zu 2,5 Prozent zurück. Allerdings haben Werte wie Sika vergangene Woche auch um mehr als 13 Prozent zugelegt, sodass bei ihnen Gewinnmitnahmen in dem aktuellen Umfeld ebenfalls belasteten, heisst es im Handel.
Neben dem anhaltenden geopolitischen Konflikt dürfte in den kommenden Tagen noch ein anderes Thema die Aufmerksamkeit der Investoren fordern: Die Berichtssaison nimmt Fahrt auf. Dabei geben die Unternehmen mit ihren Ausblicken wichtige Einblicke in den Zustand der Wirtschaft. Hierzulande steht eine Vielzahl an Schwergewichten auf der Agenda, darunter beispielsweise ABB, Nestlé, Roche oder Holcim.
Gegen den Trend im Plus halten sich am Montagvormittag nur Swisscom (+1,0%) und Kühne+Nagel (+0,5%). Für den Logistiker bedeutet die neuerliche Schliessung der Strasse von Hormus steigende Frachtraten.
Neben der Swisscom ziehen in den hinteren Reihen auch Sunrise (+1,1%) und Mobilezone (+0,1%) an. Telekomwerte gelten ähnlich wie Nahrungsmittelunternehmen als wenig konjunktursensibel. Entsprechend sind sie an Tagen wie heute umso attraktiver. Neben Nestlé werden auch Lindt&Sprüngli (-1,1% oder -110 Fr.) ex Dividende (180 Fr.) gehandelt. Ohne den Abschlag notierten auch sie im Plus. Kursgewinne weisen derweil Barry Callebaut (+1,2%) auf.
Unter den Blue Chips halten sich zudem noch die beiden Pharmaschwergewichte Roche (-0,6%) und Novartis (-0,7%) sowie die Versicherer Zurich (-0,2%) und Swiss Re (-0,3%) besser als der Markt.
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