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Handelspolitik, WTO   04.06.2026 16:18:13

SEF 2026: Roche-VRP kritisiert USA und China - und spricht von "Erpressung"

Interlaken (awp) - Der Protektionismus macht dem Pharmakonzerns Roche zunehmend Sorgen. "Derzeit beschäftigt uns dabei der wachsende Protektionismus in unseren wichtigsten Märkten USA und China am stärksten", sagte Verwaltungsratspräsident Severin Schwan am Donnerstag am Wirtschaftstreffen Swiss Economic Forum (SEF) in Interlaken.

Die USA und China setzten ihre Marktgrösse dafür ein, dass die Wertschöpfung im eigenen Land stattfinde. "Das wirft unsere Strukturen völlig durcheinander", so Schwan.

Roche habe in der Vergangenheit dort geforscht, wo das Unternehmen die besten Forscher gefunden hat, oder dort produziert, wo die Produkte am besten hergestellt werden konnten. "Wenn die USA und China nun von uns verlangen, dass wir dies vor Ort machen müssen, dann hat das grosse Auswirkungen auf unsere globalen Netzwerke." Der Prozess dazu sei "in vollem Gange".

___ "Recht des Stärkeren"

Bereits im Dezember 2025 hatten Roche und Novartis nebst anderen globalen Pharmariesen mit der US-Regierung eine Einigung erzielt. Diese verpflichtet etwa die Roche-Tochter Genentech dazu, auf gewisse Produkte die Preise zu senken. Zudem kündigte Roche Investitionen von rund 50 Milliarden US-Dollar in den USA an. Im Gegenzug wurde eine Befreiung von Zöllen auf Pharmaprodukte in den USA für drei Jahre in Aussicht gestellt.

Diese Vereinbarung sei kein eigentlicher Deal, sondern erinnere vielmehr an Erpressung, sagte Schwan. "Das Recht des Stärkeren hat sich durchgesetzt." Immerhin habe die Branche in vorgängigen Gesprächen, einen weitaus schlechteren Deal abwenden können. "Die ursprünglichen Ankündigungen der US-Regierung wären nicht nur für uns, sondern etwa auch für US-Hersteller und das US-Gesundheitswesen katastrophal gewesen."

Als Antwort auf die Zoll-Bedrohung aus den USA habe Roche so gehandelt, wie viele Firmen anderer Branchen auch, so Schwan. "Kurzfristig haben wir die Produktion gesteigert und unsere Produkte in grösserem Umfang in die USA exportiert. Auf die lange Sicht müssen wir nun unsere Lieferketten neu arrangieren und uns in den grossen Märkten unabhängiger von der Politik machen." Das gehe zulasten anderer Länder, auch zulasten der Schweiz.


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