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Interview   16.07.2026 10:15:00

Für den Roche-Diagnostik-Chef reichen Tests alleine nicht mehr

Basel/Rotkreuz (awp) - Roche Diagnostics will sich neu erfinden - mit KI, Daten und völlig neuen Testverfahren. Für Diagnostikchef Matt Sause beginnt die nächste Wachstumsphase nicht mit mehr Laborgeräten, sondern mit Innovationen, die es vor wenigen Jahren noch gar nicht gab, wie er im Interview mit AWP ankündigt.

Ein Beispiel ist der neue Alzheimer-Bluttest, der die Diagnose künftig bereits in der Hausarztpraxis ermöglichen soll. Solche Tests sollen neue Märkte erschliessen und gleichzeitig dazu beitragen, Krankheiten deutlich früher zu erkennen.

Um dieses Wachstum abzusichern, investiert Roche massiv in Forschung und Entwicklung und kauft gezielt Technologien zu. Übernahmen wie Saga Diagnostics im Krebsmonitoring oder die geplante Akquisition von PathAI im Bereich KI-gestützte Pathologie sollen das Portfolio ergänzen und verhindern, dass der Konzern von technologischen Umbrüchen überrascht wird. "Neue Technologien allein reichen nicht", macht Sause deutlich. Entscheidend sei, diese klinisch zu validieren und in den medizinischen Alltag zu integrieren.

___ KI als intelligentes Assistenzsystem

Künstliche Intelligenz sieht der Roche-Manager dabei nicht als Ersatz für Ärztinnen und Ärzte, sondern als intelligentes Assistenzsystem. Die eigentliche Stärke entstehe erst durch die Kombination aus diagnostischen Tests, Gesundheitsdaten und KI-gestützten Entscheidungshilfen. Den entscheidenden Unterschied zu vielen Wettbewerbern sieht Sause darin, dass die Algorithmen regulatorisch geprüft und klinisch validiert seien und damit belastbare Grundlagen für medizinische Entscheidungen lieferten.

___ Verzahnung mit Pharmasparte ein Trumpf

Ein Trumpf von Roche ist aus Sicht des Diagnostikchefs zudem die enge Verzahnung mit der Pharmasparte. Neue Biomarker aus der Medikamentenentwicklung können früh in diagnostische Tests übersetzt werden - ein Vorteil, der die Entwicklung von Begleitdiagnostik für Krankheiten wie Alzheimer oder Multiple Sklerose beschleunigt. Genau diese Verbindung von Pharma, Diagnostik und Daten soll Roche auch künftig von reinen Diagnostik- oder KI-Anbietern abheben.

Die Diagnostiksparte ist neben Pharma das zweite Standbein des Basler Konzerns und steuert rund einen Viertel des Konzernumsatzes bei. Nach dem Ende des Covid-Booms sucht Roche wieder nach langfristigen Wachstumstreibern. Diese sollen künftig weniger aus klassischen Labortests stammen als aus Präzisionsdiagnostik, KI-Anwendungen und neuen Biomarkern, die Krankheiten früher erkennen und Therapien gezielter steuern.

(Das Interview ist auf AWP Premium erschienen.


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