Verband: Schiffe in der Golfregion werden weiter versichert
BERLIN/HAMBURG (awp international) - Trotz des Iran-Kriegs können deutsche Schiffe in der Golfregion weiter versichert werden. Das teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit. "Versicherer passen Konditionen und Preise an, ziehen sich aber nicht zurück", sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Auch sogenannte Kriegsrisiken-Versicherungen, die üblicherweise etwa Schäden infolge von Minen abdecken, bieten Versicherer demnach weiter an.
Laut dem Verband Deutscher Reeder (VDR) schliessen Reedereien für Fahrten durch Risikogebiete und Aufenthalte in diesen grundsätzlich Kriegsrisiken-Versicherungen ab. Der VDR vertritt auch Reedereien, deren Schiffe im Persischen Golf festsitzen, der Verkehr in der Strasse von Hormus steht weitgehend still. Laut dem Verband sitzen mindestens 50 Schiffe deutscher Reedereien im Golf fest.
Versicherer nutzten Kündigungsrechte
Anfang März, also kurz nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar, hatte der GDV mitgeteilt, dass Schiffsversicherer von Kündigungsrechten bei Kriegsrisiken-Versicherungen Gebrauch machten. Dem VDR zufolge boten Versicherer die Deckungen anschliessend zu deutlich höheren Preisen an.
Das sei "ein übliches Verfahren, wenn sich die Risikolage kurzfristig verändert", teilte der VDR mit. Hohe Zusatzkosten für Reeder seien die Folge. Im Fall grosser Handelsschiffe müssten sechs- bis siebenstellige Summen gezahlt werden, um die Schiffe gegen Kriegsschäden zu versichern.
Versicherungsmakler: Preise haben sich vervielfacht
Raik Becker, der beim Versicherungsmakler Marsh Risk arbeitet und für Reedereien mit Versicherern verhandelt, sagte am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur: Preise der Kriegsrisiken-Versicherungen hätten sich seit Kriegsausbruch vervielfacht. Sie seien erfahrungsgemäss im Schnitt fünf- bis sechsmal so hoch wie zuvor.
Reedereien müssten für eine versicherte Fahrt durch ein Hochrisikogebiet wie den Golf ungefähr drei bis sieben Prozent des Schiffswerts zahlen, berichtete Becker weiter. Es gebe auch Kriegsrisiken-Versicherungen für Schiffe, die im Golf festsässen. In einem solchen Fall werde eine Zeitspanne vereinbart, für die die Versicherung gelte.
Die Strasse von Hormus ist eine Meerenge südlich des Irans und eine der wichtigsten Routen des Öl- und Gashandels. Der Iran bedroht die freie Schifffahrt in der Seestrasse und hat den Verkehr weitgehend zum Erliegen gebracht. Die USA richteten am Montag eine Seeblockade ein.
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