News story
Neue Produkte und Dienstleistungen   29.09.2026 11:56:13

Finma schliesst Signa-Verfahren gegen Julius Bär mit Rüge ab

Zürich (awp) - Die Bank Julius Bär macht in der Aufarbeitung des Signa-Debakels einen grossen Schritt vorwärts. Die Finanzmarktaufsicht Finma hat ihr seit Jahren laufendes Verfahren nun abgeschlossen. Die Behörde rügt die Bank noch einmal scharf, sie lockert nun aber auch einige Massnahmen wieder und macht so den Weg für Aktienrückkäufe frei.

Die Zürcher Vermögensverwalterin habe "in schwerer Weise" gegen aufsichtsrechtliche Bestimmungen verstossen, tadelt die Finma in einer Mitteilung vom Dienstag. So attestiert sie Julius Bär "schwere Mängel im Kreditrisikomanagement" wie auch Verletzungen im Bereich der Geldwäschereibekämpfung.

Aktienrückkäufe schon beantragt

Die Finma schliesst damit bereits das fünfte Enforcement-Verfahren gegen Julius Bär innerhalb von weniger als zehn Jahre ab, wie die Behörde betont. Einige während der Untersuchung verhängte Sofortmassnahmen bezüglich Eigenkapital und Liquidität werden nun teilweise oder ganz aufgehoben.

Der Abschluss des Verfahrens war seit langem erwartet worden, galt er doch auch als Hürde für ein von vielen Investoren bereits sehnsüchtig erwartetes Aktienrückkaufprogramm. Julius Bär hat nun laut eigener Mitteilung auch bereits bei der Finma die Genehmigung für Aktienrückkäufe beantragt.

Benko-Kredit teilweise über 1 Milliarde

Auslöser der Ende 2024 eingeleiteten Finma-Untersuchung waren die hohen Verluste, die Julius Bär auf Krediten an den zusammengebrochenen Immobilienkonzern Signa des österreichischen Investors René Benko erlitt. Die Benko-Darlehen waren dabei lediglich durch nicht-börsenkotierte Aktien besichert.

Julius Bär sei für solche sogenannten "Private Debt"-Kreditvergaben weder organisatorisch noch personell richtig aufgestellt gewesen, stellt die Finma fest. 2024 musste Julius Bär dann eine Abschreibung auf den Signa-Krediten von mehr als 600 Millionen Franken vornehmen.

Russland-Kunden

Ein weiteres Verfahren eröffnete die Finma im August 2025 wegen Geldwäscherei-Verstössen. Dabei ging es um Kunden aus dem Umfeld zweier "politisch exponierten Personen" (PEP) aus Russland. Namen nennt die Finma nicht.

Das Webportal "Tippinpoint" vermutet dahinter unter anderem eine Kundenbeziehung mit einer Tochter des russischen Aussenministers Sergey Lawrow.

Massnahmen getroffen

Bereits während des laufenden Enforcement-Verfahrens habe Julius Bär viele Massnahmen getroffen, erkennt die Finma an. So habe sie das Geschäft mit privaten Unternehmenskrediten (Private Debt) eingestellt und sich von gewissen Kunden getrennt.

Auch die Geschäftsleitung ist mittlerweile rundum erneuert, nachdem 2024 bereits der frühere CEO Philipp Rickenbacher und Anfang 2025 dann der damalige VR-Präsident Romeo Lacher abtraten.

Weitere Berichte

Julius Bär muss der Finma unter anderem noch bis 2032 Berichte einreichen, in denen sie über ihre Risikokultur Rechenschaft ablegt. Ein 2025 verhängtes Verbot, neue Geschäftsbeziehungen mit PEP-Kunden aus "Hockrisikoländern" einzugehen, wird dagegen stufenweise abgebaut.

Bis zum Abschluss dieser Prozesse muss Julius Bär zudem noch zusätzliche Eigenmittel über 250 Millionen Franken halten. Ausserdem zieht die Finma einen Gewinn von rund 10 Millionen Franken ein, die Julius Bär im Zusammenhang mit den beiden russischen PEP-Kunden erzielt habe.

Am Aktienmarkt wurde die Nachricht mit einem Kurssprung aufgenommen: Am Dienstagvormittag kletterte die Julius Bär-Aktien zeitweise um fast 9 Prozent auf ein neues Allzeithoch bei 77,92 Franken. Die Analysten spekulierten bereits über ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von bis zu 600 Millionen Franken.

Verfahren gegen Mitarbeitende

Für das alte Julius Bär-Management ist die Angelegenheit derweil noch nicht abgeschlossen: Die Finma hat laut der Mitteilung nun Verfahren gegen drei ehemalige Mitarbeitende der Bank eröffnet, die "möglicherweise für die Verletzung von aufsichtsrechtlichen Bestimmungen oder internen Weisungen verantwortlich" sind.

Zu den betroffenen Personen oder möglichen Sanktionen wollte die Finma auf Anfrage keine weiteren Angaben machen.


Zum gleichen Thema

POLITIK, REGIERUNG, PARLAMENT, BUNDESVERWALTUNG 29.09.2026 14:02:01 Krankenkassenprämien steigen 2027 im Schnitt um 5 Prozent

Betroffene Instrumente