Aktien Europa Schluss: EuroStoxx gerät in den Sog der asiatischen Börsen
PARIS/LONDON/ZÜRICH (awp international) - Die schwachen asiatischen Börsen haben den EuroStoxx 50 am Dienstag in Mitleidenschaft gezogen. Gewinnmitnahmen bei den im Zuge des Hypes rund um Künstliche Intelligenz (KI) heiss gelaufenen Halbleitertiteln bestimmten das Geschehen.
Der Leitindex der Eurozone büsste 1,28 Prozent auf 6.230,55 Punkte ein. Ausserhalb der Eurozone gab der britische FTSE 100 geringfügig auf 10.428,85 Punkte nach.
Der Schweizer SMI legte um 0,45 Prozent auf 13.910,70 Punkte zu. Er profitierte von seinen robusten defensiven Schwergewichten Novartis , Nestle und Swisscom .
Im marktbreiten Stoxx Europe 600 standen Technologiewerte im Sog der asiatischen Branchenschwäche am stärksten unter Druck. Insbesondere an der südkoreanischen Börse kam es zu herben Kursverlusten.
"Seoul ist an den Märkten der empfindlichste Seismograph für Künstliche Intelligenz geworden", schrieb Marktexperte Stephen Innes. Denn in dem Land seien die Produktion von Speicherchips, die Investitionen in den Halbleitersektor und der Handel mit diesen Produkten auf das Engste miteinander verflochten. Innes sprach auch davon, dass KI-Aktien zu jedermanns Liebling geworden seien.
Investoren stellten derzeit nicht die Frage nach den technischen Möglichkeiten von KI, sondern vielmehr finanzielle Fragen: "Wer verdient am Ende das Geld? Wer finanziert den Aufbau der Produktion? Und wer bezahlt die Zinsrechnung, wenn sich die Technik erst später rentiert, als es der Markt erwartet?"
Am EuroStoxx-Ende sackten die Aktien des Halbleiterherstellers Infineon um 6,3 Prozent ab. Für die Papiere des Chipausrüsters ASML ging es um 5,7 Prozent nach unten. Im französischen Leitindex Cac 40 gab der Infineon-Konkurrent STMicro mit minus 8,5 Prozent besonders stark nach.
Unter den weiteren Einzelwerten knickten in Amsterdam die Papiere von Signify um fast 15 Prozent ein. Der Hersteller für Lichttechnik hatte zum Kapitalmarkttag Mittelfristziele für das Jahr 2029 bekannt gegeben und gleichzeitig seine Dividendenprognose gekappt.
Aus Branchensicht wurden ferner auch Rohstofftitel angesichts sinkender Metallpreise massiv verkauft. Die konjunktursensiblen Industrie- und Bauaktien wurden ebenfalls gemieden.
Autoaktien litten neben dem schwachen Marktumfeld auch unter Daten des europäischen Branchenverbandes Acea, die Sorgen über wachsende chinesische Konkurrenz auf dem europäischen Markt geweckt hatten. Die Marktanteile chinesischer Autobauer sind zwar nach wie vor überschaubar, nehmen aber zu.
Zu den wenigen Gewinnern zählten die als defensiv geltenden Anteilsscheine von Unternehmen aus den Bereichen Medizin und Gesundheit sowie Lebensmittel und Getränke .
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