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Dividende   03.03.2026 12:08:12

Kühne+Nagel kann Nahost-Effekt noch nicht beziffern

Schindellegi (awp) - Der Logistikkonzern Kühne+Nagel durchlebt wegen Trump schwierige Zeiten. Der Krieg im Nahen Osten sorgt nun für weitere Turbulenzen.

Diese sind aber nicht nur negativ. Denn wegen des Kriegs zeichnet sich eine Knappheit bei der globalen Luftfracht ab, was zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten eröffnen könnte.

"18 Prozent der weltweiten Kapazitäten sind derzeit gegroundet", sagte Kühne+Nagel-CEO Stefan Paul am Dienstag an der Bilanzmedienkonferenz. "Wir haben deshalb damit begonnen, unsere Volumina hochzufahren." Konkret könnten Maschinen gechartert oder Kapazitäten in Passagierflugzeug-Bäuchen gebucht werden.

___ Komplexität hilft grundsätzlich

In der Seefracht seien die Folgen des Konflikts hingegen überschaubar: "Jetzt fahren wieder alle über das Kap statt durch den Suezkanal", so Paul. Dies sei aber bis vor kurzem schon der Normalfall gewesen.

Alles in allem könnte Kühne+Nagel wegen der erhöhten Komplexität des Handels vom Konflikt profitieren. "Es ist aber viel zu früh, um dies zu beziffern", so Firmenchef Paul.

Laut CFO Markus Blanka-Graff sollten ausserdem wichtige andere Faktoren für die Geschäftsentwicklung nicht vergessen werden. "Die Entwicklung des Konsumverhaltens in den USA, Europa oder Asien hat eine grössere Bedeutung als der Nahost-Konflikt", sagte er. "Und ich persönlich gehe davon aus, dass der Konflikt nicht zu einer globalen Rezession führt."

Im Gegenteil gebe es berechtigte Hoffnungen, dass etwa die Lagerbestände in den USA wieder aufgestockt würden. "Für viele Waren ist es mit den aktuellen Zöllen wieder günstiger, in die USA zu exportieren", so der CFO.

___ Trump-Zölle belasten

US-Präsident Donald Trump hatte dem Logistikkonzern im letzten Jahr mit seinen Zöllen in die Suppe gespuckt. Auf den Weltmeeren wurden wegen der Zölle weniger Waren verschifft, was zu Überkapazitäten führte und in der Folge zu einem Preiszerfall. Die von Trump mitverursachte Abwertung des US-Dollars war ein zweiter negativer Faktor.

Der Nettoumsatz nahm 2025 um 1 Prozent auf 24,48 Milliarden Franken ab. Währungsbereinigt resultierte allerdings ein Wachstum von 3 Prozent.

Die Profitabilität verschlechterte sich markant: Das Betriebsergebnis (operativer EBIT ohne Einmaleffekte) ging um 17 Prozent auf 1,38 Milliarden Franken zurück, der Reingewinn um ein Viertel auf 925 Millionen. Die Aktionärinnen und Aktionäre sollen nun eine Dividende von 6,00 Franken pro Aktie erhalten, nachdem es im Vorjahr 8,25 Franken gab.

___ Mehr Jobs fallen weg

Das Management lancierte im Herbst wegen der schlechteren Profitabilität ein Sparprogramm - und dieses wurde nun ausgeweitet. Es sollen nun über 2000 Jobs wegfallen. Bisher war von einem Abbau von 1000 bis 1500 Vollzeitstellen die Rede gewesen. Per Ende Jahr wies das Unternehmen gut 80'000 Vollzeitstellen aus. Insgesamt will das Unternehmen die Kosten um 200 Millionen pro Jahr verringern. Signifikante Effizienzgewinne" erhofft sich das Unternehmen ausserdem durch KI.

Alles in allem erwartet das Unternehmen für das laufende Jahr mit 1,2 bis 1,4 Milliarden Franken beim EBIT aber keine Fortschritte. Laut dem CFO ist diese Zielvorgabe aber auch von einer gewissen Vorsicht geprägt. "Wir erhöhen die Guidance im Jahreslauf lieber, als dass wir sie reduzieren.


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