Volkswirtschaft
17.10.2026 15:52:18
Selbst wenn man das AKW-Neubauverbot aufheben würde, blieben die gesellschaftliche Akzeptanz, die Risiken beim Bau und Betrieb, die politische Unsicherheit und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sagte die Top-Managerin. Die Kosten für ein neues AKW würden eher am oberen als am unteren Ende der Schätzungen von 10 bis 40 Milliarden Franken liegen.
Die jüngsten europäischen Beispiele zeigten massive Verzögerungen und Kostenüberschreitungen. "Die Sicherheitsanforderungen steigen, die Lieferketten sind komplex, und die regulatorischen Anforderungen sind enorm. Ich sehe keinen Grund, weshalb ein Kernkraftwerk ausgerechnet in der Schweiz günstiger gebaut werden sollte", sagte Aleksieva.
Auch gegenüber kleineren modularen Atomreaktoren zeigte sie sich skeptisch: "Technologisch sind die kleinen Reaktoren nicht grundsätzlich etwas anderes als das abgeschaltete Mühleberg. Neu sind vor allem die kleinere Bauweise und der modulare Ansatz." Zudem fehle in Europa ein etablierter regulatorischer und rechtlicher Rahmen. Dieser müsste zuerst geschaffen werden. "Ich sehe deshalb nicht, wie diese Technologie unser Versorgungsproblem in den nächsten Jahren lösen sollte."
___ Langzeitbetrieb von AKWs nötig
Die BKW hat aus diesen Gründen keine Projekte für einen AKW-Neubau, sagte Aleksieva: "Was wir hingegen unterstützen, ist der Langzeitbetrieb bestehender Kernkraftwerke. Wir bauen die Stromproduktion in der Schweiz viel zu langsam aus. Für die kommenden 15 bis 20 Jahre kann der Langzeitbetrieb der bestehenden AKW deshalb einen wichtigen Beitrag leisten."
Sie wolle auch die Risiken von Stromimporten nicht kleinreden. "Gerade im Winter sind wir strukturell auf Stromimporte angewiesen. Wenn mehrere ungünstige Faktoren gleichzeitig zusammenkommen - tiefe Füllstände der Speicherseen, geringe Produktion im Ausland, Ausfälle französischer Kernkraftwerke, eine Dunkelflaute in Deutschland oder eingeschränkte Importmöglichkeiten -, kann sich die Lage deutlich anspannen."
Es gebe physische Grenzen für Stromimporte. Die Schweiz verfüge über 41 Höchstspannungsverbindungen zu ihren Nachbarländern, und diese Leitungen hätten begrenzte Kapazitäten, sagte die BKW-Managerin.
Die Schweiz importiere ungefähr 10 bis 15 Terawattstunden Kernenergie aus Frankreich pro Jahr. "Gemessen an einem Schweizer Jahresverbrauch von rund 60 Terawattstunden ist das erheblich. Wenn das System stabil bleibt und es keine grösseren Ausfälle gibt, sollten unsere Nachbarländer uns weiterhin unterstützen können. Aber wir können nicht alles planen. Das Hauptrisiko sind ungeplante Ereignisse."
Die Schweiz müsse verschiedene Technologien gleichzeitig ausbauen. "Wind und Solar gehören zu den günstigsten neuen Stromproduktionsformen. Windkraft passt besonders gut zum Schweizer Profil, weil rund zwei Drittel der Jahresproduktion im Winterhalbjahr anfallen. Dazu kommt die Wasserkraft, und wir werden Reservekapazitäten brauchen", sagte Aleksieva.
BKW-Energieproduktionschefin: Neue AKWs in der Schweiz nicht realistisch
Bern (awp) - BKW-Energieproduktionschefin Margarita Aleksieva hält unter den heutigen Bedingungen neue Kernkraftwerke in der Schweiz nicht für realistisch. In einem Interview mit der Zeitung "Schweiz am Wochenende" warnte das Konzernleitungsmitglied davor, sich allein auf Stromimporte zu verlassen. Die Schweiz müsse auch Windkraft und Solaranlagen ausbauen.Selbst wenn man das AKW-Neubauverbot aufheben würde, blieben die gesellschaftliche Akzeptanz, die Risiken beim Bau und Betrieb, die politische Unsicherheit und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sagte die Top-Managerin. Die Kosten für ein neues AKW würden eher am oberen als am unteren Ende der Schätzungen von 10 bis 40 Milliarden Franken liegen.
Die jüngsten europäischen Beispiele zeigten massive Verzögerungen und Kostenüberschreitungen. "Die Sicherheitsanforderungen steigen, die Lieferketten sind komplex, und die regulatorischen Anforderungen sind enorm. Ich sehe keinen Grund, weshalb ein Kernkraftwerk ausgerechnet in der Schweiz günstiger gebaut werden sollte", sagte Aleksieva.
Auch gegenüber kleineren modularen Atomreaktoren zeigte sie sich skeptisch: "Technologisch sind die kleinen Reaktoren nicht grundsätzlich etwas anderes als das abgeschaltete Mühleberg. Neu sind vor allem die kleinere Bauweise und der modulare Ansatz." Zudem fehle in Europa ein etablierter regulatorischer und rechtlicher Rahmen. Dieser müsste zuerst geschaffen werden. "Ich sehe deshalb nicht, wie diese Technologie unser Versorgungsproblem in den nächsten Jahren lösen sollte."
___ Langzeitbetrieb von AKWs nötig
Die BKW hat aus diesen Gründen keine Projekte für einen AKW-Neubau, sagte Aleksieva: "Was wir hingegen unterstützen, ist der Langzeitbetrieb bestehender Kernkraftwerke. Wir bauen die Stromproduktion in der Schweiz viel zu langsam aus. Für die kommenden 15 bis 20 Jahre kann der Langzeitbetrieb der bestehenden AKW deshalb einen wichtigen Beitrag leisten."
Sie wolle auch die Risiken von Stromimporten nicht kleinreden. "Gerade im Winter sind wir strukturell auf Stromimporte angewiesen. Wenn mehrere ungünstige Faktoren gleichzeitig zusammenkommen - tiefe Füllstände der Speicherseen, geringe Produktion im Ausland, Ausfälle französischer Kernkraftwerke, eine Dunkelflaute in Deutschland oder eingeschränkte Importmöglichkeiten -, kann sich die Lage deutlich anspannen."
Es gebe physische Grenzen für Stromimporte. Die Schweiz verfüge über 41 Höchstspannungsverbindungen zu ihren Nachbarländern, und diese Leitungen hätten begrenzte Kapazitäten, sagte die BKW-Managerin.
Die Schweiz importiere ungefähr 10 bis 15 Terawattstunden Kernenergie aus Frankreich pro Jahr. "Gemessen an einem Schweizer Jahresverbrauch von rund 60 Terawattstunden ist das erheblich. Wenn das System stabil bleibt und es keine grösseren Ausfälle gibt, sollten unsere Nachbarländer uns weiterhin unterstützen können. Aber wir können nicht alles planen. Das Hauptrisiko sind ungeplante Ereignisse."
Die Schweiz müsse verschiedene Technologien gleichzeitig ausbauen. "Wind und Solar gehören zu den günstigsten neuen Stromproduktionsformen. Windkraft passt besonders gut zum Schweizer Profil, weil rund zwei Drittel der Jahresproduktion im Winterhalbjahr anfallen. Dazu kommt die Wasserkraft, und wir werden Reservekapazitäten brauchen", sagte Aleksieva.
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