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Justiz, Kriminalität   06.04.2026 20:15:10

Stadler zieht Rekurs gegen SBB-Milliardenauftrag an Siemens zurück

Bussnang (awp) - Der Zughersteller Stadler zieht seinen Rekurs gegen die Vergabe eines Milliardenauftrags der SBB an den deutschen Konkurrenten Siemens zurück. Grund dafür sind stark geschwärzte Gerichtsunterlagen, die keine ausreichende Transparenz böten und eine Weiterführung des Verfahrens verhinderten, teilte Stadler am Montag mit.

Der Ostschweizer Zughersteller hatte gegen die Vergabe eines Rahmenvertrags für bis zu 200 S-Bahn-Doppelstockzüge im Wert von rund 3,6 Milliarden Franken im November Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen eingereicht. Ziel war eine unabhängige Überprüfung des Entscheids.

Die im Verfahren zugänglichen Unterlagen hätten jedoch aufgrund von Schwärzungen nur begrenzte Einblicke ermöglicht, zentrale Informationen seien unzugänglich geblieben, schrieb Stadler nun. Aus den verfügbaren Dokumenten gehe hervor, dass die SBB ihren Bewertungsspielraum "voll" zugunsten von Siemens genutzt habe. Stadler kritisierte, dass wesentliche Teile der Entscheidungsgrundlage nicht einsehbar gewesen seien. Der Zugbauer zieht den Rekurs per 7. April zurück.

___ Kritik an Bewertung

Der Auftrag war im November 2025 an Siemens vergeben worden. Er umfasst zunächst 116 Doppelstockzüge für die Zürcher S-Bahn und die Westschweiz mit einem Volumen von rund 2,1 Milliarden Franken. Einschliesslich Optionen für weitere 84 Züge beläuft sich der Rahmenvertrag auf bis zu 200 Züge im Wert von rund 3,6 Milliarden Franken.

Stadler hatte den Entscheid damals scharf kritisiert. Der Konzern argumentierte, sein bewährter Doppelstockzug mit bereits 153 Exemplaren in Betrieb sei gegenüber einem neuen, noch nicht erprobten Modell von Siemens benachteiligt worden. Auch die Bewertung etwa bei Nachhaltigkeit und Betriebskosten sei nicht nachvollziehbar gewesen.

Die SBB wiesen die Vorwürfe zurück und verwiesen auf einen deutlichen Kostenvorteil des Siemens-Angebots über die gesamte Lebensdauer der Züge. Dieser liege im dreistelligen Millionenbereich. Die Vergabe sei gesetzeskonform erfolgt und kein knappes Rennen gewesen.

Nach dem Rückzug der Beschwerde ist die Vergabe laut Angaben der SBB rechtskräftig. Das Bahnunternehmen will nun den Vertrag mit Siemens unterzeichnen, wie es mitteilte. Die Reisenden sollen die neuen Züge mit rund 540 Sitzplätzen ab 2031 nutzen können. Dereinst sollen 95 Kompositionen in der Zürcher S-Bahn und 21 in der Westschweiz eingesetzt werden.

___ Politische Debatte über Vergabepraxis

Der Entscheid hatte eine breite politische Debatte über die Vergabepraxis bei öffentlichen Aufträgen ausgelöst, insbesondere wegen der Vergabe des Grossauftrags ins Ausland. Politiker quer durch alle Lager kritisierten den Entscheid scharf und forderten eine Bevorzugung einheimischer Firmen. Rechtsexperten warnten jedoch vor einem Rechtsbruch: Ein "Inländer-Bonus" verstosse gegen internationale Handelsabkommen.

Siemens kündigte an, die Doppelstockzüge in der westdeutschen Stadt Krefeld herzustellen. Stadler hätte als einziger Anbieter den Zug vollständig in der Schweiz produzieren wollen.

Stadler erklärte nun, man bedauere den Ausgang weiterhin. "Wir müssen diesen aber aufgrund der uns vorliegenden Informationen akzeptieren", wurde Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler in der Mitteilung zitiert. "Stadler richtet den Fokus auf die Weiterführung der langjährigen und erfolgreichen Zusammenarbeit mit der SBB.


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