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Volkswirtschaft   13.05.2026 19:37:15

BAK-Ökonomen sehen höhere Inflation wegen Ölpreisen

Basel (awp) - Der kräftige Anstieg der Ölpreise schlägt auf die Schweiz durch. Die Prognostiker von BAK Economics rechnen mit einer höheren Inflation, aber erst im nächsten Jahr. Die Aussichten für die Konjunktur lässt BAK Economics indes unverändert.

Die Inflation dürfte von 0,6 Prozent in diesem Jahr auf 0,8 Prozent im nächsten Jahr anziehen, sagte BAK-Ökonom Alexis Bill-Körber am Mittwochnachmittag auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP. Bisher hatten die BAK-Forscher mit einer Teuerung von 0,6 Prozent im Jahr 2027 gerechnet.

Grund dafür sind die höheren Ölpreise, die nach Ausbruch des Iran-Kriegs in die Höhe geschossen sind. Bis Ende des zweiten Quartals erwartet die BAK nun einen Ölpreis der Nordseesorte Brent von 107 Dollar pro Fass, wie Bill-Körber weiter sagte. Das wäre genau das Niveau vom heutigen Mittwoch.

Die Öl- und Gaspreise erreichen damit im laufenden zweiten Quartal 2026 ihren Höhepunkt und bilden sich danach wieder zurück. Bis Ende des dritten Quartals rechnet Bill-Körber mit einem Rückgang des Ölpreises auf 83 Dollar und bis Ende Jahr auf 78 Dollar, wie er weiter sagte. Man gehe davon aus, dass sich der Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus im zweiten Halbjahr 2026 und 2027 allmählich normalisiere.

"Dennoch fällt die Ölpreisprognose noch bis Mitte 2027 deutlich höher aus, als es vor Ausbruch des Iran-Krieges der Fall war", sagte Bill-Körber. Im März hatte die BAK noch mit einem Rückgang in Richtung 60 Dollar gerechnet.

___ BIP-Prognose unverändert

Dies habe direkte und indirekte Auswirkungen auch auf die Schweiz. Hinzu komme ein allgemein höherer Teuerungsdruck, beispielsweise durch die ab Dezember 2026 geltende Erhöhung der Tarife im öffentlichen Verkehr um durchschnittlich 3,9 Prozent.

"Der trotz der Revision immer noch moderate Inflationsanstieg erfordert für 2026 und 2027 keine geldpolitische Reaktion der SNB. Sollten die inflationstreibenden Effekte des Iran-Krieges stärker als erwartet ausfallen, könnte jedoch eine Zinserhöhung notwendig werden", sagte Bill-Körber.

Bei den Konjunkturprognosen nahm die BAK keine Änderung vor. Weiterhin erwarten die Basler Ökonomen ein Wachstum des Schweizer Bruttoinlandproduktes von 0,8 Prozent im laufenden Jahr. Für 2027 wird ein beschleunigter, aber immer noch unterdurchschnittlicher BIP-Zuwachs von 1,4 Prozent erwartet. Diese Angaben sind bereinigt um Sportgrossereignisse wie die Fussball-WM. 

Insgesamt würden die Wachstums- und Inflationsaussichten massgeblich davon bestimmt, wie lange und in welchem Ausmass der Iran-Krieg die Energieversorgung und Lieferketten beeinträchtige. "Angesichts der schwierigen Verhandlungen mit dem Iran besteht ein hohes Risiko für eine deutlich schlechtere Entwicklung als in unserer Basisprognose unterstellt", sagte Bill-Körber.

___ Export leidet

Auf jeden Fall werde sich die Schweizer Exportindustrie den dämpfenden Effekten des globalen Handels und der Energiemärkte nicht entziehen können. "Die Investitionstätigkeit in Maschinen und Anlagen dürfte 2026 erneut rückläufig sein; eine nachhaltige Erholung zeichnet sich frühestens für 2027 ab", sagte der Ökonom.

Im Gegensatz zur Exportindustrie bleibe die Binnenwirtschaft eine relative Stütze. Tiefe Realzinsen, die Zuwanderung sowie die tieferen Strompreise als 2025 und weniger stark steigende Mieten würden die Kaufkraft der Haushalte erhalten, hiess es.

Allerdings breitet sich die industrielle Schwäche weiter auf den Arbeitsmarkt aus. BAK erwartet, dass die Arbeitslosenquote bis Ende 2026 auf 3,2 Prozent steigen wird (Stand April 2026: 3,0 Prozent). Das ist allerdings etwas weniger als bisher: Zuvor war die BAK von einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 3,3 Prozent ausgegangen.


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