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Volkswirtschaft   03.04.2025 16:27:31

Wirtschaftsverbände reagieren besonnen auf US-Zölle

Zürich (awp) - Mit pauschalen Importzöllen von 31 Prozent auf fast alle Produkte aus der Schweiz hat US-Präsident Donald Trump die Schweizer Wirtschaft und auch deren Branchenverbände aufgerüttelt. Diese fordern nun Nachverhandlungen durch den Bundesrat, sprechen sich aber klar gegen Vergeltungsmassnahmen aus.

Besonders stark wird die exportorientierte Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) von den Zöllen betroffen sein. Der Verband Swissmem bezeichnete die Höhe der Zölle als "unverständlich" und kann auch die Berechnung "nicht nachvollziehen".

Die Auswirkungen für die MEM-Industrie könnten gross sein, denn immerhin gehen jährlich Waren im Gesamtwert von rund 10 Milliarden Franken in die USA. Diese Exporte könnten im zweistelligen Bereich zurückgehen, sollten die Zölle auf diesem Niveau bleiben, sagte Jean-Philippe Kohl, Vizedirektor und Leiter Wirtschaftspolitik von Swissmem, gegenüber Medien.

___ Wettbewerbsnachteil gegenüber der EU

Eine Verlagerung der Produktion in die USA, wie von Trump gefordert, sei für viele Firmen kein Option, sagte Kohl weiter. Vor allem viele kleine KMUs würden den Weltmarkt einzig mit einer Fertigung aus der Schweiz heraus bedienen und könnten nicht einfach ausweichen.

Da die Zölle gegen die EU nur bei 20 Prozent liegen, ergebe sich für Schweizer Unternehmen auch ein erheblicher Wettbewerbsnachteil. Dies sei insbesondere der Fall, weil viel der grössten Wettbewerber in der Industrie in der EU ansässig sind.

___ Kühler Kopf gefragt

"Unseren Mitgliedsfirmen empfehlen wir, eine gewisse Nüchternheit zu bewahren", sagte Kohl weiter. Die Firmen sollten zunächst die Zölle genau analysieren und auch das Gespräch mit den Kunden in den USA suchen. Da die Entscheidungen der US-Regierung oft "volatil" seien, sei Aktivismus fehl am Platz.

Auch die Uhrenbranche rechnet mit deutlichen Auswirkungen. Der Uhrenverbandspräsident Yves Bugmann bezeichnete die Zölle gegenüber AWP als "ungerechtfertigt." Die Schweizer Uhrenindustrie sei es sich als sehr exportorientierte Branche allerdings gewohnt, auf den verschiedenen Märkten immer wieder "solchen Schwierigkeiten" ausgesetzt zu sein, zeigte er sich optimistisch.

___ Pharma bisher noch ausgenommen

Etwas differenzierter ist die Situation der Firmen des Branchenverbandes Scienceindustries. Die Pharma-Industrie als wichtigste Exportbranche der Schweiz ist zumindest vorerst nicht von Zöllen betroffen, entsprechend geben sich die Firmen (noch) gelassen.

Andere Bereiche wie Chemie und Diagnostika seien hingegen direkt von den neuen Massnahmen erfasst, schreibt der Verband und warnt dabei vor möglichen Auswirkungen auf internationale Lieferketten, Handelsströme und den Zugang zu essenziellen medizinischen Produkten.

Keine grossen Auswirkungen erwartet dagegen der ICT-Sektor. "Der IT-Markt in der Schweiz ist grossmehrheitlich ein Binnenmarkt, der nicht auf den Export fokussiert ist", teilte der Verband SwissICT auf Anfrage mit. Und auch für den Bauernverband wäre ein Verlust des US-Markts zwar "schmerzhaft, aber nicht existenzbedrohend", wie er in einer Mitteilung schreibt.

___ Bundesrat soll direkt verhandeln

Die Verbände fordern den Bundesrat nun zum Handeln auf. Jetzt sei "Handelsdiplomatie statt Wehklagen" gefragt, scheibt der Gewerbeverband. Laut Swissmem soll die Landesregierung direkte Gespräche auf höchster Ebene in den USA führen, um die Zölle noch abzuwenden oder zumindest abzuschwächen.

Sowohl Gewerbeverband wie auch Swissmem sprachen sich aber dezidiert gegen handelspolitische Vergeltungsmassnahmen aus, wie sie etwa in China oder der EU diskutiert werden. Durch ein Anheizen des Zollkonflikts würde die Schweiz sich nur selber schaden und den Standort weiter schwächen, so die Verbände.

Swissmem fordert vom Bundesrat zudem, dass die Höchstbezugsdauer der Kurzarbeit auf 24 Monate verlängert wird. Ins gleiche Horn bläst auch der Arbeitnehmerverband Angestellte Schweiz. "Nur so können Entlassungen vermieden und Fachkräfte im Land gehalten werden", sagte Stefan Studer, Geschäftsführer von Angestellte Schweiz, in einer Mitteilung. Daher soll der Handelskonflikt auch als "wirtschaftlicher Härtefall" anerkannt werden, so die beiden Verbände einhellig.

Sowohl Swissmem, Scienceindustries als auch der Gewerbeverband fordern darüber hinaus eine Intensivierung der Verhandlungen zu weiteren Freihandelsabkommen, etwa mit den Staaten in Lateinamerika oder auch China. Auch die Beziehungen zur EU sollten weiter intensiviert werden.


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