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Boulvard   02.01.2026 19:08:43

Kerzen auf Flaschen lösten wohl Brand in Crans-Montana aus

Crans-Montana VS (awp/sda) - Die Ursache für den verheerenden Brand in Crans-Montana wird klarer: Laut Staatsanwaltschaft deutet alles darauf hin, dass das Feuer von Bengalkerzen ausging, die auf Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke kamen.

So habe sich das Feuer sehr schnell zu einem Brand entwickelt, sagte Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud am Freitag vor den Medien in Sitten. Vor Ort habe man Spuren gesichert. Zudem hätten die Ermittler Videoaufnahmen erhalten und analysiert, sowie mehrere Personen befragt - darunter die beiden französischen Barbetreiber.

Der weitere Verlauf der Untersuchung werde sich insbesondere mit den Umbauten, den verwendeten Materialien, den Betriebsgenehmigungen sowie mit den Sicherheitsvorkehrungen des Lokals befassen. "Damit sind gemeint: die vorhandenen Löschmittel, Fluchtwege, die Einhaltung der Brandschutzvorschriften und die allgemeinen Mittel zur Brandbekämpfung", erklärte die Generalstaatsanwältin.

Auch werde ermittelt, wie viele Personen tatsächlich anwesend waren und wie viele es laut Genehmigung hätten sein dürfen. Weiter würden die Einrichtung des Lokals, die Evakuierungswege und der allgemeine Zugang untersucht.

Es gebe die Möglichkeit einer strafrechtliche Verfolgung, sagte Pilloud weiter. Wenn es um die Verantwortung von noch lebenden Personen gehe, könnte eine strafrechtliche Untersuchung wegen fahrlässiger Brandstiftung, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet werden. Die Besitzer der Bar seien zunächst als Auskunftspersonen einvernommen worden.

Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer sagte auf eine Journalistenfrage auch, die Gemeinden seien im Wallis zuständig für die Kontrolle der Sicherheitsvorschriften. Er könne sagen, dass zum Gebäude, in welchem sich die Bar "Le Constellation" befindet, nie ein Bericht zu Mängeln an den Kanton Wallis gelangt sei. Zudem sagte Ganzer, dass die Bar über einen Notausgang verfügt habe.

___ 71 Schweizer unter Verletzten

Von den 119 Verletzten waren am Freitagnachmittag 113 identifiziert, wie der Walliser Polizeikommandant Frédéric Gisler bekanntgab. 71 von ihnen stammen aus der Schweiz, 14 aus Frankreich, 11 aus Italien, 4 aus Serbien. Aus Bosnien, Polen, Belgien, Luxemburg und Portugal stammt je eine verletzte Person. In den übrigen Fällen ist die Nationalität noch nicht bekannt.

Die Behörden gehen weiterhin von 40 Todesopfern aus, wie Gisler sagte. Zuvor hatte Sicherheitsdirektor Ganzer darauf hingewiesen, dass viele der Verletzten nach wie vor in den Spitälern um ihr Leben kämpften.

Im Spezialzentrum für Verbrennungsopfer des Universitätsspitals Lausanne (Chuv) befanden sich am Freitag weiterhin 22 Verletzte. Bei all diesen Opfern handelt es sich nach Angaben des Chuv um junge Patientinnen und Patienten mit schweren Brandverletzungen.

___ Kritische Lebensprognose

Je zwischen 15 und 60 Prozent der Körperoberfläche dieser Verletzten sind demnach von Verbrennungen betroffen. Viele Opfer hätten ausser den Verbrennungen auch schwere Rauchvergiftungen erlitten. Die Überlebenschancen dieser Opfer seien zum jetzigen Zeitpunkt unklar, sagten Ärztinnen und Ärzte vor den Medien in Lausanne.

Zudem sind mittlerweile alle im Chuv untergebrachten Opfer identifiziert. Einzelne Patientinnen und Patienten hätten sich mündlich selber kenntlich machen können, andere Verletzte hätten Dokumente auf sich getragen, mit denen sie hätten identifiziert werden können.

___ Spezialeinheit am Werk

Die Identifikation der Verstorbenen läuft derweil weiter auf Hochtouren, wie Polizeikommandant Gisler sagte. Ziel sei es, möglichst schnell Klarheit zu schaffen. Er habe im Weiteren angeordnet, dass allen Familien, welche nach verletzten oder toten Angehörigen suchten, Tag und Nacht eine Begleitung zur Seite gestellt werde.

Zur Feststellung der Identitäten der Toten stehe eine 30-köpfige Spezialeinheit zur Identifizierung von Katastrophenopfern im Einsatz, ein sogenanntes DVI-Team (Disaster Victim Identification), sagte Kripo-Chef Pierre-Antoine Lengen.

Diese Einheit sei nach der Tsunami-Katastrophe 2004 in Asien aufgebaut worden. Sie sei unter anderem zusammengestellt aus spezialisierten wissenschaftlichen Ermittlern der Polizei, Rechtsmedizinern und Zahnärzten.

Die Spezialeinheit arbeite nach internationalen Standards. Bei der Opferidentifizierung dürften sich die Behörden keine Fehler erlauben, betonte Lengen. Im Übrigen könne die Walliser Polizei auf die Unterstützung aus anderen Kantonen, der Bundesbehörden sowie weitere Partner im In- und Ausland zählen.

___ Privatsphäre respektieren

Eric Bonvin, der Generaldirektor des kantonalen Spitalverbunds Spital Wallis, sagte, die Erstversorgung der Verletzten habe gut funktioniert. Wegen der Feiertage mit vielen Feriengästen sei das Personal ohnehin aufgestockt worden. "Wir waren also in der Silvesternacht gut aufgestellt."

Nun stünden die Familien in Kontakt mit ihren verletzten Angehörigen. Das sei ein heikler Moment. Bonvin erinnerte die Medienschaffenden daran, die Privatsphäre der Menschen einzuhalten. Einige Journalisten hätten versucht, ins Spital zu gelangen, sagte er.


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