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Volkswirtschaft   08.01.2026 13:00:12

Schweizer Banken wegen gesunkener Zinsen weniger optimistisch

Zürich (awp) - Die gesunkenen Zinsen setzen die Schweizer Banken unter Druck. Knapp die Hälfte der Institute erwartet gemäss dem neuen EY-Bankenbarometer rückläufige operative Ergebnissen für das Geschäftsjahr 2025. Längerfristig zeigen sich die Banken aber weiterhin zuversichtlich.

Zwar dürften die Banken auch im Jahr 2025 "solide Ergebnisse" ausweisen, diese würden jedoch unter dem Niveau der vergangenen zwei Jahre ausfallen, heisst es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bankenbarometer des Beratungsunternehmens EY. Von den im Rahmen der Studie mehr als 100 befragten Banken rechneten 46 Prozent mit einem rückläufigen operativen Ergebnis. Damit erreiche die Stimmung den tiefsten Wert seit 15 Jahren.

Gleichzeitig sei aber die langfristige Zuversicht sehr hoch, sagte Mitverfasserin Christine Mengers bei der Präsentation der Studie in Zürich. Über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren erwarteten fast alle befragten Institute (94 Prozent) steigende operative Ergebnisse. "Die Banken vertrauen auch weiterhin auf ihr Geschäftsmodell."

___ Kontinuierlicher Margenrückgang

Zentraler Ertragspfeiler bleibt für viele Schweizer Banken das Zinsgeschäft. Mit den Leitzinsen, die zuletzt schrittweise auf null Prozent abgesenkt worden sind, hat sich die Zinsmarge kontinuierlich verringert. Stark zu spüren bekommen das vor allem die stark im Zinsgeschäft tätigen Institute wie Regional- und Kantonalbanken. In den Vorjahren hatten diese dank einem höheren Zinsumfeld noch Rekordergebnisse erzielt.

Allerdings sehen die Institute nun offenbar eine gewisse Talsohle bei der Margensituation erreicht: Knapp zwei Drittel (65 Prozent) erwarteten nun eine Stabilisierung oder gar einen Wiederanstieg der Margen. Das derzeitige Nullzins-Niveau mit einer sehr flachen Zinskurve sei dabei wahrscheinlich die "ungünstigste Situation", sagte EY-Partner Marcel Zünd: Sowohl eine Zinsanhebung wie auch eine Senkung in den Negativzinsbereich wäre wohl hinsichtlich der Margensituation günstiger.

___ Nachholbedarf bei KI

Als grösste Belastung für den künftigen Erfolg sieht eine Mehrheit der Banken (57 Prozent) derzeit aber die steigenden Betriebskosten. Dazu trage auch die verschärfte Regulierung bei, sagte Zünd. Haupttreiber sind aber die Kosten etwa für den Ausbau und der Unterhalt von IT-Systemen oder Investitionen in Innovation und Cybersecurity.

Weiter zunehmen werden wohl auch die Investitionen in die Nutzung der künstlichen Intelligenz (KI). Das Thema scheint bei den Banken zwar breit angekommen zu sein: Rund 78 Prozent der Befragten (Vorjahr 53 Prozent) setzt laut eigenen Angaben KI-Projekte um. Gleichzeitig fehlt laut den EY-Experten aber noch an den Ressourcen und am Wissen rund um das Thema. Erst 5 Prozent der Institute gaben dabei an, KI bereits "in vielen Anwendungen etabliert" zu haben.

Die EY-Experten sehen im Bereich der KI auch einen Rückstand der Schweizer Banken gegenüber der internationalen Konkurrenz aber auch gegenüber der eigenen Kundschaft. So benutzten bereits heute viele Bankkunden KI-Lösungen bei ihren Finanzentscheiden - etwa zum Abgleichen von Bankverträgen oder Hypothekarmöglichkeiten, sagte EY-Partner Olaf Toepfer. "Die Banken müssen in diesem Bereich jetzt klar zulegen.


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