Volkswirtschaft
03.02.2026 12:18:10
Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse stellte am Dienstag in Bern seinen Ausblick auf das Jahr 2026 vor. "Die Schweiz findet sich auf einen Schlag in einer Welt der Unordnung wieder", stellte der im Herbst abtretende Verbandspräsident Christoph Mäder vor den Medien fest. Die Schweiz müsse geschickt navigieren, mit verlässlichem Kompass.
___ "Je diversifizierter, desto besser"
Mehrere Bewährungsproben stünden bevor. Die neuen Verträge mit der EU seien für die Schweiz ebenso nötig wie das Handelsabkommen mit den USA, sagte Mäder. Ebenso brauche die Wirtschaft Freihandelsabkommen wie jenes mit den Mercosur-Staaten. "Je diversifizierter, desto besser."
Es wäre falsch, das US-Handelsabkommen und die Bilateralen III gegeneinander auszuspielen, warnte er. Die EU sei mit rund 51 Prozent der Schweizer Warenexporte der mit Abstand wichtigste Handelspartner. Danach folgten die USA mit knapp 18 Prozent. Mit beiden Partnern brauche es stabile Handelsgrundlagen.
Die Offenheit der Schweiz stehe auch gesellschaftlich unter Druck, fuhr Mäder fort. Die SVP-Initiative "Keine 10-Millionen-Schweiz" fordere sie heraus. Argumente wie "zu viele Menschen, zu viel Stau, zu viel Dichtestress" seien für ihn zwar nachvollziehbar.
Doch "sehr bald" werde die Schweiz zu wenig haben: Zu wenige Pflegekräfte, zu wenige Ärztinnen und Ärzte in den Spitälern, zu wenig Personal in der Gastronomie und zu wenige Arbeitskräfte in der Industrie. Aber auch zu wenige junge Erwerbstätige, die Geld in die Sozialwerke und in die Altersvorsorge einzahlten.
___ "Das falsche Rezept"
Mäder stellte in Zweifel, dass eine starre Bevölkerungs-Obergrenze und ein wissentlich erschwerter Zugang für Arbeitskräfte aus dem Ausland sinnvoll seien. "Die Initiative ist das falsche Rezept, um den Sorgen der Bevölkerung ernsthaft zu begegnen."
Vielmehr müssten mehr Wohnungen gebaut und die Infrastruktur angepasst werden. Das Arbeitskräftepotenzial im Inland müsse abgeschöpft und die Produktivität erhöht werden. Mäder sprach dabei neue Arbeitszeitmodelle an, etwa längeres Arbeiten, aber dafür mit einem kleineren Pensum.
Er wünschte sich zudem eine Fitnesskur für den Standort Schweiz, konkret einen "konsequenten Bürokratie-Abbau". Economiesuisse hatte in einer eigenen Studie errechnet, dass jedes Jahr Bürokratie-Kosten von 30 Milliarden Franken vermeidbar wären. Digitalisierung und effizientere Verfahren würden Abhilfe schaffen.
Der Staat wachse schneller als die Privatwirtschaft und zahle höhere Löhne als private Unternehmen. Mit einer mit der Privatwirtschaft vergleichbaren Lohnpolitik könnten beim Bund rund 700 Millionen Franken freigemacht werden.
___ "Finanzpolitisch ungenügend"
Wichtig sind für Economiesuisse auch möglichst tiefe Staatsschulden. Einen Schuldenberg in unbekannter Höhe würde laut Verbandsdirektorin Monika Rühl ein Ja zur Klimafonds-Initiative bringen. Darüber abgestimmt wird am 8. März. Aus Sicht der Wirtschaft gehöre dieser "Schulden- und Steuerhammer" abgelehnt, sagte sie.
Doch auch ohne Klimafonds drohten mehr Schulden. Das Entlastungspaket 27 sei deshalb zwingend nötig. Dass der Ständerat es im Dezember auf rund zwei Drittel des ursprünglichen Umfangs reduziert habe, sei "finanzpolitisch ungenügend". Voraussichtlich in der Frühjahrssession ist der Nationalrat am Zug.
"Stabilität ist eine Stärke der Schweiz", begründete Rühl die Forderung nach mehr Haushaltsentlastung und dem Einhalten der Schuldenbremse. Und Stabilität stehe und falle mit der finanziellen Solidität des Staates.
Ein Ja am 8. März empfiehlt Economiesuisse dagegen zur Individualbesteuerung. Die von Kantonen und mehreren Parteien mit dem Referendum bekämpfte Neuerung nannte Rühl "eine Chance, das Steuersystem für Private attraktiver auszugestalten". Economiesuisse verspricht sich davon mehr Arbeitskräfte im Inland.
Economiesuisse: Wirtschaft braucht Offenheit, Diversifizierung, Bürokratieabbau
Bern (awp/sda) - Offenheit, eine diversifizierte Wirtschaftspolitik und Bürokratieabbau im Inland: Das sind nach Ansicht des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse die Voraussetzungen dafür, dass die Schweizer Wirtschaft im derzeit herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld.Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse stellte am Dienstag in Bern seinen Ausblick auf das Jahr 2026 vor. "Die Schweiz findet sich auf einen Schlag in einer Welt der Unordnung wieder", stellte der im Herbst abtretende Verbandspräsident Christoph Mäder vor den Medien fest. Die Schweiz müsse geschickt navigieren, mit verlässlichem Kompass.
___ "Je diversifizierter, desto besser"
Mehrere Bewährungsproben stünden bevor. Die neuen Verträge mit der EU seien für die Schweiz ebenso nötig wie das Handelsabkommen mit den USA, sagte Mäder. Ebenso brauche die Wirtschaft Freihandelsabkommen wie jenes mit den Mercosur-Staaten. "Je diversifizierter, desto besser."
Es wäre falsch, das US-Handelsabkommen und die Bilateralen III gegeneinander auszuspielen, warnte er. Die EU sei mit rund 51 Prozent der Schweizer Warenexporte der mit Abstand wichtigste Handelspartner. Danach folgten die USA mit knapp 18 Prozent. Mit beiden Partnern brauche es stabile Handelsgrundlagen.
Die Offenheit der Schweiz stehe auch gesellschaftlich unter Druck, fuhr Mäder fort. Die SVP-Initiative "Keine 10-Millionen-Schweiz" fordere sie heraus. Argumente wie "zu viele Menschen, zu viel Stau, zu viel Dichtestress" seien für ihn zwar nachvollziehbar.
Doch "sehr bald" werde die Schweiz zu wenig haben: Zu wenige Pflegekräfte, zu wenige Ärztinnen und Ärzte in den Spitälern, zu wenig Personal in der Gastronomie und zu wenige Arbeitskräfte in der Industrie. Aber auch zu wenige junge Erwerbstätige, die Geld in die Sozialwerke und in die Altersvorsorge einzahlten.
___ "Das falsche Rezept"
Mäder stellte in Zweifel, dass eine starre Bevölkerungs-Obergrenze und ein wissentlich erschwerter Zugang für Arbeitskräfte aus dem Ausland sinnvoll seien. "Die Initiative ist das falsche Rezept, um den Sorgen der Bevölkerung ernsthaft zu begegnen."
Vielmehr müssten mehr Wohnungen gebaut und die Infrastruktur angepasst werden. Das Arbeitskräftepotenzial im Inland müsse abgeschöpft und die Produktivität erhöht werden. Mäder sprach dabei neue Arbeitszeitmodelle an, etwa längeres Arbeiten, aber dafür mit einem kleineren Pensum.
Er wünschte sich zudem eine Fitnesskur für den Standort Schweiz, konkret einen "konsequenten Bürokratie-Abbau". Economiesuisse hatte in einer eigenen Studie errechnet, dass jedes Jahr Bürokratie-Kosten von 30 Milliarden Franken vermeidbar wären. Digitalisierung und effizientere Verfahren würden Abhilfe schaffen.
Der Staat wachse schneller als die Privatwirtschaft und zahle höhere Löhne als private Unternehmen. Mit einer mit der Privatwirtschaft vergleichbaren Lohnpolitik könnten beim Bund rund 700 Millionen Franken freigemacht werden.
___ "Finanzpolitisch ungenügend"
Wichtig sind für Economiesuisse auch möglichst tiefe Staatsschulden. Einen Schuldenberg in unbekannter Höhe würde laut Verbandsdirektorin Monika Rühl ein Ja zur Klimafonds-Initiative bringen. Darüber abgestimmt wird am 8. März. Aus Sicht der Wirtschaft gehöre dieser "Schulden- und Steuerhammer" abgelehnt, sagte sie.
Doch auch ohne Klimafonds drohten mehr Schulden. Das Entlastungspaket 27 sei deshalb zwingend nötig. Dass der Ständerat es im Dezember auf rund zwei Drittel des ursprünglichen Umfangs reduziert habe, sei "finanzpolitisch ungenügend". Voraussichtlich in der Frühjahrssession ist der Nationalrat am Zug.
"Stabilität ist eine Stärke der Schweiz", begründete Rühl die Forderung nach mehr Haushaltsentlastung und dem Einhalten der Schuldenbremse. Und Stabilität stehe und falle mit der finanziellen Solidität des Staates.
Ein Ja am 8. März empfiehlt Economiesuisse dagegen zur Individualbesteuerung. Die von Kantonen und mehreren Parteien mit dem Referendum bekämpfte Neuerung nannte Rühl "eine Chance, das Steuersystem für Private attraktiver auszugestalten". Economiesuisse verspricht sich davon mehr Arbeitskräfte im Inland.
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