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Volkswirtschaft   09.02.2026 13:53:23

Detailhandel dürfte leicht wachsen - trotz langer Sorgenliste

Bern (awp) - Gedämpfte Konsumlust, Einkaufstourismus, Konkurrenz im Internet: Die Sorgenliste der Schweizer Detailhändler ist lang. Trotzdem zeichnet sich für 2026 ein leichtes Wachstum ab.

Das Wirtschaftsinstitut BAK Economics erwartet in einer am Montag publizierten Studie für den Detailhandel - ohne die Grossverteiler Migros und Coop - im laufenden Jahr ein Umsatzplus von 0,5 Prozent. Im vergangenen Jahr war das Geschäft laut BAK-Schätzungen mit rund 0,8 Prozent gewachsen.

"Das Umfeld für den Detailhandel ist von Licht und Schatten geprägt", sagte Michael Grass, Leiter Analysen und Studien bei BAK Economics, vor den Medien. Die wachsende Bevölkerung sorge für ein Basiswachstum, gleichzeitig bremsten das unsichere Konsumumfeld und Preisdruck.

___ Verunsicherte Konsumenten

Im Auftrag des Branchenverbands Swiss Retail Federation hat das BAK den hiesigen Detailhandel unter die Lupe genommen. Die gut 34'000 kleinen, mittelgrossen und grösseren Händler erzielen mit 223'000 Beschäftigten etwa zwei Drittel des Branchenumsatzes und erreichen eine Wertschöpfung von 17 Milliarden Franken. Das sind gut 2 Prozent des Schweizer BIP.

Die BAK-Experten gehen von einer Abschwächung der Konsumlust aus. Der private Konsum sei für die hiesige Wirtschaft zwar nach wie vor ein stabilisierender Faktor, er verliere aber an Schwung, hiess es. Das Zollchaos mit den USA oder die Entwicklungen am Arbeitsmarkt verunsicherten die Konsumenten.

___ Sorge vor Preiskampf und Konkurrenz

Im Branchenbarometer der Swiss Retail Federation, in dem gut 100 Chefs von Detailhandelsfirmen befragt wurden, rechnen denn auch drei Viertel für die gesamte Branche nur mit einem durchschnittlichen Geschäftsverlauf, wie es hiess.

Befragt wurden die Detailhändler auch zu Risiken. Die grössten Sorgen sind der Preiskampf und Konkurrenzdruck, Margendruck, eine verhaltene Konsumentenstimmung, geopolitische Spannungen und der Fachkräftemangel. Letzterer habe wieder an Bedeutung gewonnen, sagte Verbandsdirektorin Dagmar Jenni, die das Amt Anfang März an Patrick Erny übergibt.

Nach wie vor ein Problem für den Detailhandel ist der Einkaufstourismus. Das Einkaufen jenseits der Schweizer Grenze gewinne mit der Frankenaufwertung noch an Attraktivität, sagte Jenni. Das werde von der auf 150 Franken halbierten Wertfreigrenze beim Einkauf im Ausland kaum begrenzt.

Gemessen an den vom Zahlungsdienstleister Worldline ermittelten Daten stieg 2025 das Volumen der Zahlungen von Schweizer Kartenhaltern in den Nachbarländern um 2,8 Prozent. Der Einkaufstourismus beschere dem hiesigen Handel jährliche Umsatzausfälle von über 10 Milliarden Franken, hiess es.

Eine wachsende Bedrohung für die Branche, vor allem für kleinere Detailhändler, sind laut Jenni asiatische Online-Marktplätze wie Temu, Shein oder Aliexpress. Beziffern lasse sich dies jedoch nicht.

___ Kampf gegen Erhöhung der Mehrwertsteuer

Die Detailhändler nehmen auch die im Vergleich mit den Nachbarländern im Durchschnitt um rund 50 Prozent höheren Kosten als Nachteil wahr. Kostentreiber seien die teurere Warenbeschaffung, Vorleistungen wie etwa Ladenmieten sowie die Arbeitskosten.

Zwar dämpfe die tiefere Schweizer Mehrwertsteuer den Preisunterschied zum Ausland, der Spielraum der Firmen bleibe im Preiswettbewerb aber begrenzt. Und zudem drohe der Vorsprung bei der Mehrwertsteuer zu schrumpfen. Die Steuer soll etwa für die Finanzierung der AHV oder den Armee-Umbau erhöht werden.

Von der Politik fordert die Swiss Retail Federation wettbewerbsfreundlichere Rahmenbedingungen. Der Konsum in der Schweiz dürfe sich nicht weiter verteuern, etwa über eine höhere Mehrwertsteuer oder die Erhöhung der Lohnnebenkosten. "Die Mehrwertsteuer darf nicht zum Selbstbedienungsladen werden", sagte Erny.


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