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Volkswirtschaft   26.03.2026 06:52:14

WTO-Konferenz im Zeichen von Reformdruck und Energiekrise

Yaoundé (awp/sda) - Die 166 Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation (WTO) treffen sich ab diesem Donnerstag in Yaoundé in Kamerun zu einer schwierigen Ministerkonferenz vor dem Hintergrund einer zunehmenden Energiekrise. Die Schweiz will einen ambitionierten Fahrplan für die Reform der Institution und das Moratorium für elektronische Übertragungen erhalten.

Nach Ansicht der Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala und von Bern steht die WTO an einem Wendepunkt. Es sei besser, der Wandel verlaufe geordnet, als dass einzelne Länder den Rahmen der Institution verlassen, sagte ein Diplomat eines europäischen Landes der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die WTO will aus Yaoundé mit einem Reform-Fahrplan hervorgehen, der bis 2028 konkrete Ergebnisse liefern soll. Washington hält - wie auch der Schweizer WTO-Botschafter Erwin Bollinger in jüngsten Aussagen gegenüber Keystone-SDA - eine Reform für notwendig, um die "Relevanz" der Institution zu erhalten. Die USA sind dabei jedoch weniger ambitioniert als die EU, China oder die Schweiz.

___ Meistbegünstigung im Visier der USA

Die USA greifen das multilaterale Handelssystem an, insbesondere das Prinzip der Meistbegünstigung, wonach ein Vorteil, der einem Land gewährt wird, allen gewährt werden muss. Die EU folgt diesem Ansatz, um gegen chinesische Exporte zu protestieren, die ihren Markt überschwemmen, ohne dass europäische Unternehmen gleichberechtigten Zugang erhalten.

Wie Peking wollen auch Washington mehr Raum für plurilaterale (deutsch: mehrseitige) Abkommen innerhalb der WTO, auch wenn das Konsensprinzip nicht infrage gestellt werden soll. Indien ist dagegen.

Diskutiert werden auch die Kriterien und Vorteile, sich selbst als Entwicklungsland zu deklarieren. Ebenso das Thema Fairness. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic, der erstmals an einer WTO-Ministerkonferenz die Stimme der 27 Mitgliedsstaaten vertreten wird, kritisiert in diesem Zusammenhang die chinesische Überproduktion deutlich.

___ Umstrittenes Moratorium

Ein weiteres Thema ist das Moratorium für Zölle auf alle elektronischen Übertragungen. Ohne dieses könnten reiche Länder laut einer Studie 0,5 Prozent ihres Bruttoinlandproduktes verlieren. Einige Staaten argumentieren jedoch, dass sie dadurch auf erhebliche Einnahmen verzichten.

Einige Länder schlagen vor, das Moratorium um zwei Jahre zu verlängern. Die USA streben eine dauerhafte Lösung an und sind in bilateralen Beziehungen entsprechend offensiv aufgetreten. Die Schweiz unterstützt den US-amerikanischen Vorschlag und schlägt zusätzlich einen neuen WTO-Ausschuss für Digitalfragen vor.

Während der Krieg im Nahen und Mittleren Osten eine globale Energiepreiskrise auslöst, richtet sich die Aufmerksamkeit in Yaoundé sowohl auf die Verhandlungsräume als auch auf die Gespräche hinter den Kulissen. Die Haltung und Treffen des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer werden besonders aufmerksam verfolgt.

Gegenüber Washington oder Peking ist die EU mit einem Handelsabkommen mit Australien in Bewegung. Zudem dürfte Sefcovic in Yaoundé seine Amtskollegen aus den Ländern des transpazifischen Partnerschaftsabkommens (TPP) treffen - ein klares Signal Richtung China, das nicht Teil dieses Abkommens ist. Ein Abkommen dieser Länder würde insgesamt mehr als 40 Prozent des Welthandels abdecken.

___ Handelspaket für Entwicklungsländer

Die Schweiz wird am Rande der Ministerkonferenz und im Rahmen der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) ein "Handelspaket für die am wenigsten entwickelten Länder" vorstellen, wie das Seco auf Anfrage mitteilte. Das Paket ziele darauf ab, die Integration dieser Länder in das internationale Handelssystem und in die globale Wertschöpfungsketten zu fördern.

Die Schweiz wird von Staatssekretärin Helene Budliger Artieda vertreten, nachdem Bundespräsident Guy Parmelin wegen der internationalen Lage auf eine Teilnahme verzichtet hat. Das Seco gab zunächst nicht bekannt, ob Budliger Artieda Jamieson Greer treffen wird. Die Schweiz gehört zu den Ländern, denen von der US-Regierung unter Präsident Donald Trump neue, begrenzte Zölle angedroht wurden.


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