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Volkswirtschaft   02.04.2026 11:15:12

Energieschock treibt Schweizer Inflation kaum

Zürich (awp) - Die Schweiz ist vom jüngsten Energiepreisschock relativ unberührt geblieben. Zwar hat der Schub bei den Erdölpreisen auch hierzulande die Inflation nach oben getrieben - aber nur ein wenig. Die Teuerung bleibt in erster Linie von den Mieten geprägt.

Wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte, sind die Konsumentenpreise im März im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozent gestiegen. Davor war die Teuerung lange quasi inexistent und pendelte während eines Jahres um die Null-Linie.

Von der Nachrichtenagentur AWP befragte Experten hatten mit einem Anstieg um 0,3 bis 0,6 Prozent gerechnet. Die Teuerungsrate lag damit am unteren Ende der Erwartungen.

Die Eurozone spürt die Auswirkungen des Kriegs in Nahost deutlich stärker: Dort stieg die Inflation im März auf 2,5 Prozent nach 1,9 Prozent im Vormonat. In Deutschland kletterte die Teuerung gar auf 2,7 Prozent.

___ Resilienz gegen Energieschock

Den Unterschied zu den umliegenden Ländern erklären Ökonomen mit verschiedenen Faktoren. Arthur Jurus von Oddo BHF nennt drei zentrale Puffer für die Resilienz gegenüber dem Energieschock.

So verbrauche die hiesige Wirtschaft im internationalen Vergleich wenig Energie. Dazu komme, dass Energie im Haushaltsbudget der Schweizer nur eine untergeordnete Rolle spiele. Und schliesslich beziehe die Schweiz ihre Brennstoffe aus verschiedenen Quellen und Regionen. Die Schweiz ist also kaum direkt vom Persischen Golf abhängig.

Hinzu kommt der starke Schweizer Franken, der Importe verbilligt. Zwar haben sich auch die Importgüter im März verteuert - vor allem wegen Heizöl, Benzin, Diesel und teurerer Flüge. Mit minus 0,3 Prozent üben sie aber immer noch einen dämpfenden Effekt auf die Inflation aus. Im Vormonat hatte der Effekt noch minus 1,6 Prozent betragen.

___ Wohnungsmieten als Inflationstreiber

Die Inflation in der Schweiz wird damit nicht mehr von Gütern, sondern von Dienstleistungen und Wohnen bestimmt, folgert der Ökonom Jurus. Und der wichtigste Inflationstreiber sind und bleiben die Wohnungsmieten, die im Jahresvergleich um 1,4 Prozent gestiegen sind.

Um den Einfluss der Mieten auf die Schweizer Inflation vor Augen zu führen: Ohne sie hätte die Inflation stagniert - also um 0,3 Prozentpunkte tiefer gelegen. Das Ausklammern von Erdölprodukten hätte die Teuerung hingegen nur um 0,1 Prozentpunkte gedrückt.

___ Zweitrundeneffekte abwarten

Mit dem leichten Anstieg stimmt die ausgewiesene Teuerung auch ungefähr mit der jüngsten Prognose der Schweizerischen Nationalbank (SNB) überein. Diese hatte für das erste Quartal 2026 einen leichten Anstieg auf durchschnittlich 0,2 Prozent vorausgesagt.

Eine nachhaltige und breit abgestützte Beschleunigung der Inflation ist nach Ansicht von Ökonomen aber nicht in Sicht. Die Währungshüter dürften daher vorerst stillhalten und beim Nullzins bleiben.

Im Auge behalten wird die SNB vor allem den weiteren Verlauf der Krise im Nahen Osten, merkt Gianluigi Mandruzzato von der Privatbank EFG an. Besonderes Augenmerk gelte dabei möglichen Zweitrundeneffekten.

Unter diesem Begriff versteht man die Ausbreitung eines Preisschocks durch die gesamte Wirtschaft: Steigende Energiekosten verteuern Produktion und Transport, Arbeitnehmer fordern Lohnerhöhungen zum Ausgleich - was wiederum die Preise treibt. In der Schweiz gelten diese Risiken derzeit aber als gering.


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