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Arbeit, Soziales   08.04.2026 13:44:10

Schweizer Arbeitsmarkt zeigt sich in unsicherem Umfeld robust

Bern (awp) - Kriege, Zollwirren und dem starken Franken zum Trotz präsentiert sich der Schweizer Arbeitsmarkt weiterhin robust. Unter der weltweit angespannten Konjunkturlage leiden aber nach wie vor exportorientierte Firmen, während die Arbeitslosigkeit in der Finanzbranche ebenfalls stetig zunimmt.

"Die Arbeitslosenquote bewegt sich nach wie vor im Bereich des langfristigen Durchschnitts", sagte Jérôme Cosandey, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), am Mittwoch an einer Online-Medienkonferenz. Noch kaum abschätzbar seien aber die Folgen des Kriegs im Nahen Osten auf den hiesigen Arbeitsmarkt.

Im März ging die Arbeitslosenquote laut Seco im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent zurück. In den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) waren mit 146'255 Personen verglichen mit Februar 4821 weniger Menschen als arbeitslos gemeldet.

___ Kurzarbeit bei Exportfirmen

Der Rückgang hat in erster Linie saisonale Gründe: In der Tendenz nimmt die Arbeitslosigkeit ab, wenn es wärmer wird. Das ist etwa im Gastgewerbe und im Bau zu beobachten. Um saisonale Faktoren bereinigt verharrte die Arbeitslosenquote bei 3,0 Prozent.

Das positive Bild am Arbeitsmarkt könnte sich im Zuge des Kriegs im Nahen Osten eintrüben. Hinweise dazu liefern in den kommenden Wochen Daten zur Entwicklung der Kurzarbeit. Firmen dürfen Kurzarbeitsentschädigung auch mit Begründung des Iran-Kriegs beantragen.

Noch habe die Krise im Nahen Osten keinen direkten Einfluss auf den Arbeitsmarkt gehabt, hielt Cosandey fest. Dazu sei es zu früh. Zu Arbeitsausfällen könne es aber im Tourismus kommen, etwa wenn aufgrund des belasteten Flugverkehrs Gäste aus Asien oder anderen Teilen der Welt ausbleiben.

___ Mehr arbeitslose Banker

Eine seit längerem anhaltende Belastung besonders für den Exportsektor ist die Frankenstärke, die sich noch verschärft hat. Bei den Voranmeldungen auf Kurzarbeit stammt ein Grossteil nach wie vor aus exportorientierten Branchen wie der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) sowie aus der Uhrenindustrie.

"Seit Jahresbeginn sind die Anträge auf Kurzarbeit vor allem in der Uhrenbranche leicht gesunken", sagte Cosandey. Die mit jeweils drei Monaten Verzögerung publizierten Daten zum Bezug von Kurzarbeitsentschädigung entwickelten sich rückläufig. Im Dezember waren mit 11'454 Personen gut 12 Prozent weniger von Kurzarbeit betroffen als im November.

Beim Blick auf einzelne Branchen beobachtet das Seco seit einiger Zeit auch in der Finanzbranche einen stetigen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Waren im März 2025 noch knapp 7000 Personen aus der Finanz- und Versicherungsindustrie bei den RAV als arbeitslos gemeldet, lag die Zahl vergangenen Monat bei knapp 8100.

Die Arbeitslosenquote im Sektor stieg innert Jahresfrist um 0,4 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent. Zum Vergleich: Die schweizweite Quote nahm im selben Zeitraum um 0,3 Punkte etwas weniger deutlich zu. Vor allem bei Bankern wachse die Arbeitslosigkeit weiter, so Cosandey. Gründe könnten die CS-Integration in die UBS oder die Auslagerung von Aufgaben ins Ausland sein.

___ Technische Probleme ebben ab

Weiter verbessert hat sich die Lage betreffend der Auszahlung von Arbeitslosengeldern. Das zu Jahresbeginn eingeführte Auszahlungssystem Asal 2.0 hatte im Januar und Februar zu Verzögerungen geführt. "Das Auszahlungssystem ist nun stabil und funktioniert zuverlässig", sagte Cosandey.

Er räumte aber ein, dass aktuell nach wie vor Rückstände bei Neuanmeldungen bestünden. "Manche Arbeitslose müssen weiter auf die erste Auszahlung warten." Die Mitarbeiter der Arbeitslosenkassen seien gefordert, viele müssten weiterhin Überstunden leisten.


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