News story
Volkswirtschaft   30.06.2026 12:28:15

Schweiz erhält von Brüssel tiefere Stahlimportmengen als bis anhin

Brüssel (awp/sda) - Die Schweiz kann weniger Stahl als bis anhin zollfrei in die EU exportieren. Bern und Brüssel haben sich auf neue zollfreie Einfuhrmengen geeinigt.

Die zollfreien Einfuhrmengen in die Europäische Union (EU) für Partner mit einer Vereinbarung sind im Schnitt 33 Prozent tiefer als bis anhin, wie eine Beamtin der Europäischen Kommission am Dienstag in Brüssel an einem Medienanlass sagte. Bei den Abkommen handle es sich um Grundsatzvereinbarungen, die noch nicht abgeschlossen seien und noch unterzeichnet werden müssten.

Die Schweiz sowie zwölf weitere Staaten hätten sich mit Brüssel auf eine solche Grundsatzvereinbarung geeinigt.

___ EU erhöht Zoll auf 50 Prozent

Die EU setzt ab Mittwoch, dem 1. Juli, strengere Schutzmassnahmen auf Stahl um. Dabei reduziert die Union die zollfreien Einfuhrmengen um 47 Prozent auf noch 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr. Darüber hinaus werden Einfuhren mit einem Zoll von 50 Prozent belastet. Bis anhin betrug dieser 25 Prozent. Die neuen Regeln ersetzen Massnahmen, die per Ende Juni auslaufen.

Brüssel sah sich aufgrund von globalen Überkapazitäten gezwungen zu handeln. China gilt als Hauptverantwortlicher für den Überschuss an Stahl. Die USA hätten in der Folge Handelsbarrieren errichtet, sagte ein EU-Beamter. Deshalb gelange mehr Stahl auf den EU-Markt und gefährde die Industrie in der EU. Der Staatenbund habe darauf reagieren müssen, und verkleinerte die zollfreien Einfuhrmengen.

___ Verhandlungen bei der WTO

Die Massnahme sei gemäss den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) zulässig, erklärte der Beamte. Die Grundsatzvereinbarungen seien im Rahmen der WTO in Genf ausgehandelt worden. Dabei seien insbesondere die Anliegen der "engsten und zuverlässigsten" Handelspartnern berücksichtigt worden, so der Beamte.

Dazu gehören die Länder, die ein Freihandelsabkommen (FHA) mit der EU haben. Die Schweiz verfügt seit 1972 über ein solches Abkommen mit der EU.

Bei den Verhandlungen habe sich Brüssel an den historischen Handelsvolumen orientiert. Dabei wurden die Jahre 2022, 2023 und 2024 berücksichtigt.

Die Staaten, die sich mit Brüssel auf eine Vereinbarung geeinigt haben, sind nebst der Schweiz: Indien, die Türkei, Südkorea, Indonesien, Ägypten, Brasilien, Grossbritannien, Nordmazedonien, Südafrika, Argentinien, die Ukraine und Singapur.

___ Tiefere Kontingente für Staaten ohne Einigung

Staaten, die über ein FHA verfügten, aber keine Vereinbarung mit der EU abgeschlossen haben, sähen ihre zollfreien Exporte in die EU um 54 Prozent reduziert. Länder ohne FHA könnten in Zukunft rund 69 Prozent weniger Stahl zollfrei in die EU exportieren, sagte die Beamtin weiter.

Von der Massnahme ausgenommen sind die Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) Norwegen, Island und Liechtenstein. Während Monaten bemühte sich Bern darum, gleich wie die Staaten des EWR behandelt zu werden. Die Schweiz erhielt aber keine Ausnahme.


Zum gleichen Thema

POLITIK, REGIERUNG, PARLAMENT, BUNDESVERWALTUNG 30.06.2026 10:59:12 Referendum gegen Freihandelsabkommen mit Malaysia gestartet

Betroffene Instrumente

N/A