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Politik, Regierung, Parlament, Bundesverwaltung   17.08.2026 11:23:12

Travailsuisse fordert zwei Prozent mehr Lohn im kommenden Jahr

Bern (awp/sda) - Der Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse sieht die Kaufkraft unter Druck. Als Hauptgrund nennt er steigende Krankenkassenprämien. Er fordert darum eine allgemeine Lohnerhöhung von zwei Prozent für das Jahr 2027. Die Arbeitgeberseite widerspricht.

Die Reallöhne kämen seit zehn Jahren nicht vom Fleck, erklärte Thomas Bauer, Leiter Wirtschaftspolitik, am Montag an einer Medienkonferenz in Bern. Sie lägen in diesem Jahr etwa gleich hoch wie im Jahr 2017 und tiefer als 2020.

___ "Mickriger Zuwachs"

Der deutliche Anstieg der Reallöhne im Jahr 2025 sei ein Strohfeuer gewesen. "Bereits in diesem Jahr rechnet Travailsuisse mit einem mickrigen Reallohnzuwachs von 0,2 Prozent", teilte der der Gewerkschaftsverband bereits im Vorfeld mit.

Zugleich verwies Travailsuisse auf steigende Lebenshaltungskosten. Diese stiegen stärker als die Inflationsrate, da diese die Krankenkassenprämien grundsätzlich nicht erfasse.

Zwischen 2023 und 2026 belief sich der durch die Krankenkassenprämien verursachte Einkommensverlust demnach auf 1,3 Prozent für eine alleinstehende Person und auf 2 Prozent für eine Familie mit zwei Kindern. Dies entspreche einer zusätzlichen jährlichen Belastung von 1160 beziehungsweise 2700 Franken. Der schwindende finanzielle Spielraum bremse den Konsum und werde für eine wachsende Zahl von Menschen ein Problem.

Zugleich argumentierte Travailsuisse, angesichts der steigenden Produktivität spreche wenig dafür, dass nun alle den Gürtel enger schnallen müssten: "Die Unternehmen in der Schweiz verdienen pro Arbeitsstunde immer mehr Geld."

___ "Anständig beteiligen"

Die Produktivität wachse dementsprechend anhaltend und stärker als beispielsweise in den Jahren nach der Finanzkrise. In den Jahren 2017 bis 2026 dürfte das jährliche Produktivitätswachstum nach Darstellung des Dachverbandes 1,4 Prozent betragen. Unternehmen mussten Arbeitnehmende in dieser Situation "anständig an den Produktivitätsgewinnen beteiligen".

"Während in den Jahren 2010 bis 2020 die Reallöhne einigermassen mit der Produktivität Schritt halten konnten, zeigt sich seit 2021 ein ganz anderes Bild", sagte Bauer. Reallöhne und Produktivität hätten sich anhaltend entkoppelt.

Vieles spreche dafür, dass die Einkommen aus Vermögen, etwa durch Aktien- und Immobilienbesitz, deutlich gestiegen seien, sagte er zudem. "All dies sind Hinweise darauf, dass die Wirtschaft in der Schweiz zunehmend Leute belohnt, die nicht zu den Produktivitätsgewinnen beitragen." Dies sei ein Problem, denn Wertschöpfung entstehe durch Arbeit.

___ Iran-Krieg treibt Preise

Für das kommende Jahr rechne man mit einer Inflationsrate von 0,8 Prozent, legte Bauer dar. Faktoren dürften dabei auch höhere Treibstoffpreise wegen des Iran-Kriegs, Ernteausfälle wegen der gegenwärtigen Dürre und steigende Mieten sein. "Die Lohnforderungen von Travailsuisse sind nicht aus der Luft gegriffen. Sie setzen sich zusammen aus einem Inflationsausgleich und einer Beteiligung an den Produktivitätsgewinnen."

Im Gegensatz zu den höheren Löhnen, die stark angehoben worden seien, fehle eine entsprechende Entwicklung für einen Grossteil der Arbeitnehmenden, sagte Yvonne Feri, Präsidentin der Gewerkschaft Syna und ehemalige Aargauer SP-Nationalrätin: "Diese Entwicklung muss korrigiert werden."

Allerdings unterscheiden sich die Forderungen von Syna je nach Branche deutlich. Während die Gewerkschaft im Gesundheitswesen eine Lohnerhöhung von 5 bis 6 Prozent verlangt, sind es in Industrie und Detailhandel 2 Prozent. Für das Bauhauptgewerbe verweist Syna auf den im Landesmantelvertrag vereinbarten Mechanismus. Damit wird in den nächsten fünf Jahren jährlich mindestens die Teuerung ausgeglichen.

Greta Gysin, Tessiner Grünen-Nationalrätin und Präsidentin des Personalverbands Transfair, beklagte, der Service public gerate durch Sparmassnahmen zunehmend an seine Grenzen. Transfair fordert bei Post, Swisscom und im öffentlichen Verkehr branchenspezifische durchschnittliche Lohnerhöhungen von zwei Prozent, für das Bundespersonal eine Erhöhung von 1,5 Prozent.

___ "Altbekannte Behauptungen"

Nichts wissen von den Forderungen von Travailsuisse will der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV). "Der Lohnherbst bringt ein Kaufkraftplus - und altbekannte Behauptungen", überschrieb er seine Stellungnahme.

Der Arbeitgeberverband argumentiert, in Wahrheit zeichne sich für die Jahre 2026 und 2027 ein Anstieg der Reallöhne um 0,6 Prozent respektive 0,4 Prozent ab.

Die Krankenkassenprämien stiegen prozentual zwar stärker als die Löhne: "Bei einem durchschnittlichen Haushalt ist der Lohnzuwachs in Franken jedoch grösser als der Anstieg der Krankenkassenprämien." Die Arbeitgeber wiesen zudem den Vorwurf zurück, sie benutzen die wirtschaftliche Lage als Vorwand, um Produktivitätsgewinne einzubehalten.


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