Politik, Regierung, Parlament, Bundesverwaltung
10.09.2026 17:35:15
Vor diesem Hintergrund müsse es auch bei den Arbeitnehmenden aufwärts gehen, sagte SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard am Donnerstag an einer Medienkonferenz. Höhere Löhne seien auch notwendig, um die Kaufkraft zu verteidigen.
In der Schweiz sehe man sich einer Kaufkraft-Krise gegenüber. Immer mehr Familien könnten angesichts der aufgelaufenen Teuerung und der stetig steigenden Krankenkassenprämien kein Geld mehr zur Seite legen, so Maillard. Löhne seien also letztlich nicht nur eine gewerkschaftliche und wirtschaftliche, sondern eine gesellschaftliche Frage.
Seit Jahren hinkten die Reallöhne der Produktivität hinterher, sagte SGB-Ökonom und Zentralsekretär David Gallusser. Wäre der mittlere Lohn entsprechend mitgewachsen, müsste er heute monatlich um fast 500 Franken höher liegen.
___ Hoher Anteil im Tieflohnbereich
Als besonders problematisch bezeichnete Gallusser den hohen Anteil im Tieflohnbereich von unter 5000 oder gar weniger als 4500 Franken monatlich. Das betreffe auch Arbeitnehmende mit abgeschlossener Berufslehre und nicht nur Neueinsteiger, sondern auch ältere Arbeitnehmende.
Angesichts der durchschnittlichen Krankenkassenprämie für Erwachsene von 5600 reiche für mehr als die Hälfte der Arbeitnehmenden ein Monatslohn für deren Begleichung nicht aus, so der Ökonom.
Gallusser begründete die Forderung nach 2,5 Prozent mehr Lohn mit einer Rechnung: Ein Plus um 0,6 Prozent sei nötig, um die Teuerung auszugleichen und 0,3 Prozent mehr Lohn, um den Anstieg der Krankenkassenprämien abzufedern. 1 Prozent mehr Lohn begründete er mit der erhöhten Produktivität der Arbeitnehmenden. Und zusätzliche Erhöhungen seien angebracht, um einen Teil des Nachholbedarfs aus den letzten zehn Jahren zu decken. Und schliesslich gelte es, Tiefstlöhne von unter 4500 Franken anzuheben.
SGB-Vizepräsidentin und Unia-Präsidentin Vania Alleva verdeutlichte, dass jeder dritte Monatslohn in der Schweiz unter 5000 Franken liege. Bei den Frauen seien es gar 40 Prozent. Wer einen Lehrabschluss habe, müsse mindestens 5000 Franken im Monat verdienen, so die Forderung des SGB.
In vielen Branchen befänden sich die Löhne real auf dem Niveau von 2016 oder gar darunter, sagte sie weiter. Besonders treffe dies auf das Gastgewerbe, das Gesundheitswesen, auf Teile der Industrie sowie auf den Bau und den Detailhandel zu. Angesagt sei generell 2,5 Prozent mehr Lohn, so Alleva. Die Unia werde diese Forderungen in die aktuellen Gesamtarbeits- und Landelsmantelverträge einbringen.
___ Nicht Ausdruck von Gier
Lohnerhöhungen im Bereich zwischen 2 und 3 Prozent bezeichnete Matthias Hartwich, Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV), für angebracht. Beim Verkehrspersonal gebe es aber keine zentrale Lohnforderung für alle Unternehmungen.
Das Personal trage viel zur Effizienzsteigerung bei den Verkehrsbetrieben bei, so Hartwich. Die geforderten Lohnerhöhungen seien als nicht Ausdruck von Gier, sonder entsprächen einem Nachholbedarf.
___ Arbeitgeber: "überhöhte Forderungen"
Der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV) stellte sich bereits vor einem Monat gegen die damals vom Arbeitnehmenden-Verband Travailsuisse vorgebrachten Forderungen für den Lohnherbst. Diese seien überhöht und fussten auf altbekannten falschen Behauptungen, schrieb er damals. Die Behauptung, dass die Unternehmen die Produktivitätsgewinne für sich behielten, weist der Verband zurück.
Der SAV beruft sich auf die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH, die eine Nominallohnerhöhung für 2027 von 1 Prozent prognostiziert. Das sei mehr als die auf 0,6 Prozent geschätzte Teuerung. Zwar würden die Krankenkassenprämien prozentual stärker anwachsen als die Löhne. Bei einem durchschnittlichen Haushalt sei der Lohnzuwachs in Franken jedoch grösser als der Anstieg der Krankenkassenprämien.
Travailsuisse hatte Mitte August 2 Prozent Lohn für 2027 gefordert. Und der Verband Angestellte Schweiz war Anfang August mit der Forderung einer Lohnerhöhung um 1,5 Prozent an die Öffentlichkeit getreten.
Gewerkschaftsbund fordert generelle Lohnerhöhungen von 2,5 Prozent
Bern (awp/sda) - Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) fordert für 2027 generelle Lohnerhöhungen von 2,5 Prozent. Die Gewerkschaften begründen die Forderung mit einer schwachen Lohnentwicklung im letzten Jahrzehnt und der verbesserten Konjunktur.Vor diesem Hintergrund müsse es auch bei den Arbeitnehmenden aufwärts gehen, sagte SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard am Donnerstag an einer Medienkonferenz. Höhere Löhne seien auch notwendig, um die Kaufkraft zu verteidigen.
In der Schweiz sehe man sich einer Kaufkraft-Krise gegenüber. Immer mehr Familien könnten angesichts der aufgelaufenen Teuerung und der stetig steigenden Krankenkassenprämien kein Geld mehr zur Seite legen, so Maillard. Löhne seien also letztlich nicht nur eine gewerkschaftliche und wirtschaftliche, sondern eine gesellschaftliche Frage.
Seit Jahren hinkten die Reallöhne der Produktivität hinterher, sagte SGB-Ökonom und Zentralsekretär David Gallusser. Wäre der mittlere Lohn entsprechend mitgewachsen, müsste er heute monatlich um fast 500 Franken höher liegen.
___ Hoher Anteil im Tieflohnbereich
Als besonders problematisch bezeichnete Gallusser den hohen Anteil im Tieflohnbereich von unter 5000 oder gar weniger als 4500 Franken monatlich. Das betreffe auch Arbeitnehmende mit abgeschlossener Berufslehre und nicht nur Neueinsteiger, sondern auch ältere Arbeitnehmende.
Angesichts der durchschnittlichen Krankenkassenprämie für Erwachsene von 5600 reiche für mehr als die Hälfte der Arbeitnehmenden ein Monatslohn für deren Begleichung nicht aus, so der Ökonom.
Gallusser begründete die Forderung nach 2,5 Prozent mehr Lohn mit einer Rechnung: Ein Plus um 0,6 Prozent sei nötig, um die Teuerung auszugleichen und 0,3 Prozent mehr Lohn, um den Anstieg der Krankenkassenprämien abzufedern. 1 Prozent mehr Lohn begründete er mit der erhöhten Produktivität der Arbeitnehmenden. Und zusätzliche Erhöhungen seien angebracht, um einen Teil des Nachholbedarfs aus den letzten zehn Jahren zu decken. Und schliesslich gelte es, Tiefstlöhne von unter 4500 Franken anzuheben.
SGB-Vizepräsidentin und Unia-Präsidentin Vania Alleva verdeutlichte, dass jeder dritte Monatslohn in der Schweiz unter 5000 Franken liege. Bei den Frauen seien es gar 40 Prozent. Wer einen Lehrabschluss habe, müsse mindestens 5000 Franken im Monat verdienen, so die Forderung des SGB.
In vielen Branchen befänden sich die Löhne real auf dem Niveau von 2016 oder gar darunter, sagte sie weiter. Besonders treffe dies auf das Gastgewerbe, das Gesundheitswesen, auf Teile der Industrie sowie auf den Bau und den Detailhandel zu. Angesagt sei generell 2,5 Prozent mehr Lohn, so Alleva. Die Unia werde diese Forderungen in die aktuellen Gesamtarbeits- und Landelsmantelverträge einbringen.
___ Nicht Ausdruck von Gier
Lohnerhöhungen im Bereich zwischen 2 und 3 Prozent bezeichnete Matthias Hartwich, Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV), für angebracht. Beim Verkehrspersonal gebe es aber keine zentrale Lohnforderung für alle Unternehmungen.
Das Personal trage viel zur Effizienzsteigerung bei den Verkehrsbetrieben bei, so Hartwich. Die geforderten Lohnerhöhungen seien als nicht Ausdruck von Gier, sonder entsprächen einem Nachholbedarf.
___ Arbeitgeber: "überhöhte Forderungen"
Der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV) stellte sich bereits vor einem Monat gegen die damals vom Arbeitnehmenden-Verband Travailsuisse vorgebrachten Forderungen für den Lohnherbst. Diese seien überhöht und fussten auf altbekannten falschen Behauptungen, schrieb er damals. Die Behauptung, dass die Unternehmen die Produktivitätsgewinne für sich behielten, weist der Verband zurück.
Der SAV beruft sich auf die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH, die eine Nominallohnerhöhung für 2027 von 1 Prozent prognostiziert. Das sei mehr als die auf 0,6 Prozent geschätzte Teuerung. Zwar würden die Krankenkassenprämien prozentual stärker anwachsen als die Löhne. Bei einem durchschnittlichen Haushalt sei der Lohnzuwachs in Franken jedoch grösser als der Anstieg der Krankenkassenprämien.
Travailsuisse hatte Mitte August 2 Prozent Lohn für 2027 gefordert. Und der Verband Angestellte Schweiz war Anfang August mit der Forderung einer Lohnerhöhung um 1,5 Prozent an die Öffentlichkeit getreten.
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