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Politik, Regierung, Parlament, Bundesverwaltung   15.09.2026 12:17:17

WTO skizziert hohe Kosten bei Erosion des Handelssystems

Genf (awp/sda) - Eine Schwächung des multilateralen Handelssystems könnte die Weltwirtschaft laut einem Bericht erheblich belasten. Die Welthandelsorganisation (WTO) rechnet im schlimmsten Fall mit Einbussen von fast 10 Prozentpunkten beim globalen BIP bis 2050.

Die WTO skizzierte in ihrem neuen Welthandelsbericht verschiedene Szenarien für die Zukunft, wie sie am Dienstag in Genf mitteilte. Die potenziellen Effekte seien bedeutend und dürften nicht unterschätzt werden, erklärte WTO-Chefökonom Robert Staiger vor den Medien.

Im negativsten Szenario, einer fortschreitenden Erosion des Systems, könnte das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2050 um 9,8 Prozentpunkte niedriger ausfallen als im bestmöglichen Fall. Eine Fragmentierung des Welthandels in Blöcke würde das BIP um 5,1 Prozent schmälern. Eine Welt ganz ohne die WTO und nur mit einem Netz von Freihandelsabkommen würde zu einem Rückgang von fast 7 Prozent führen, während die Exporte um 26,9 Prozent einbrechen würden.

Ein gestärktes multilaterales System hingegen könnte das globale BIP bis 2050 um 2,9 Prozent oder 3000 Milliarden Dollar steigern. Die weltweiten Exporte würden um fast 18 Prozent zunehmen. Voraussetzung dafür wären laut dem Bericht offenere Märkte, Abkommen zum digitalen Handel und zu Dienstleistungen sowie ein Rahmen, der globalen Handel mit Sicherheitsbedenken in Einklang bringt.

___ Reformprozess blockiert

Die WTO-Mitglieder seien sich der Kosten der Untätigkeit bewusst, sagte Staiger. Dennoch haben sie nach der gescheiterten Ministerkonferenz im vergangenen März noch immer keinen Fahrplan für eine Reform. Die Konferenz scheiterte an einem Streit zwischen den USA und Brasilien über amerikanische Zölle.

Trotz protektionistischer Tendenzen in den letzten zwei Jahren würden über 70 Prozent des Welthandels weiterhin konform mit den WTO-Regeln abgewickelt, sagte Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala. Die Erkenntnis, dass Volkswirtschaften durch Zusammenarbeit besser fahren als im Alleingang, gelte mehr denn je.


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