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Volkswirtschaft   15.09.2026 17:52:12

OECD hebt Wachstumsprognose für die Schweiz deutlich an

Bern (awp) - Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellt der Schweiz und der Schweizer Wirtschaft erneut ein gutes Zeugnis aus. Bereits für das laufende Jahr rechnet sie mit einem deutlich stärkeren Wachstum als noch in ihrer Prognose vom Juni. Zugleich warnt sie vor geopolitischen und handelspolitischen Risiken und mahnt Reformen an, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes langfristig zu sichern.

Auf Basis gesunder Finanzen und einer umsichtigen Wirtschaftspolitik sei die innovative und offene Wirtschaft der Schweiz für künftiges Wachstum bestens aufgestellt, sagte OECD-Generalsekretär Mathias Cormann am Dienstag vor den Medien in Bern. "Mit ihrem Wirtschaftsmodell hat die Schweiz ein sehr hohes Wohlstandsniveau erreicht.". Nun gelte es, dieses zu sichern und zugleich Chancen zu nutzen.

___ BIP-Prognose erhöht

Mit einem kräftigen Wachstum der Schweizer Wirtschaft rechnet die OECD bereits im laufenden Jahr. Laut dem ebenfalls am Dienstag veröffentlichten "Economic Survey" dürfte das Bruttoinlandprodukt (BIP) 2026 um 2,0 Prozent wachsen. Zuvor hatte die OECD für das nicht um Sportevents bereinigte BIP ein Plus von 1,1 Prozent prognostiziert. "Und auch sporteventbereinigt steht die Schweiz mit einem erwarteten Wachstum von 1,6 Prozent im internationalen Vergleich sehr gut da", fügte Cormann an.

Damit trägt die OECD dem zuletzt stärkeren Konjunkturverlauf Rechnung, der auch andere Ökonomen zu höheren Prognosen bewogen hat. Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) wuchs das unbereinigte BIP im zweiten Quartal um 1,9 Prozent nach 0,6 Prozent im ersten Quartal. Ein wichtiger Treiber war die Chemie- und Pharmaindustrie.

Für 2027 senkt die OECD ihre Wachstumsprognose dagegen leicht auf 1,4 von zuvor 1,5 Prozent. Bei der Inflation rechnet sie für das laufende und kommende Jahr jeweils mit einer durchschnittlichen Jahresteuerung von 0,6 Prozent. Im Juni hatte sie noch jeweils 0,7 Prozent erwartet.

___ Breiter abgestützte Wirtschaft

Die Pharmabranche überragt die weiteren Branchen gemessen am Produktivitätswachstum bei weitem. Dieses gelte es künftig breiter abzustützen, forderte der OECD-Generalsekretär. Dazu müssten administrative Kosten für Firmen gesenkt, das Arbeitskräftepotenzial besser genutzt oder das Wettbewerbsumfeld verbessert werden.

Wichtig seien auch eine Deregulierung des Strommarkts oder einfachere und raschere Bewilligungsverfahren im Bauwesen. Die OECD empfiehlt der Schweiz darüber hinaus, die Beziehungen zu bestehenden Handelspartnern, insbesondere mit der EU und den USA, zu stärken oder auszubauen und zugleich neue Absatzmärkte zu erschliessen.

Zudem gelte es, die soliden Staatsfinanzen langfristig zu sichern. Dazu seien zusätzliche Einnahmen etwa über die Mehrwertsteuer, Einsparungen im Haushalt, ein effizienteres Gesundheitssystem oder eine nachhaltige Vorsorgereform nötig. Als äusserst nützliches Instrument strich Cormann die Schuldenbremse heraus.

Auch die geplante Bankenregulierung nimmt die OECD unter die Lupe. Sie müsse die Stabilität des Bankensektors stärken, ohne die Attraktivität des Finanzplatzes übermässig zu beeinträchtigen, hiess es dazu.

___ Handelsbeziehungen verbessern

Wachstumsmotor der Schweiz bleibt laut dem Bericht die Binnennachfrage. Dagegen belasten das unsichere globale Umfeld und höhere Energiepreise die Nachfrage aus dem Ausland. Auch die Zölle auf Schweizer Exportgüter und handelspolitische Verwerfungen stellten exportorientierte Unternehmen auf die Probe. Diese Risiken bestünden weiterhin.

Die von der OECD angesprochenen Themen sind laut Ronald Indergand, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Seco, auch in der Schweizer Politik allgegenwärtig. So seien mit den Mercosur-Staaten und Vietnam Handelsabkommen aufgegleist sowie mit China und Grossbritannien solche weiterentwickelt worden. Und mit den USA und der EU würden Abkommen angestrebt, welche die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen unterstützen sollen.


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