Volkswirtschaft
17.09.2026 11:44:17
Es ist ein gewaltiger Sprung nach oben. Für 2026 prognostiziert die Expertengruppe des Bundes neu ein Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP, sporteventbereinigt) von 1,7 Prozent statt der bislang 0,9 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Donnerstag mitteilte. Die Prognose von 1,6 Prozent für 2027 wurde bestätigt.
Ronald Indergand, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Seco, räumte vor den Medien ein, dass es sich um eine "ausserordentlich starke Korrektur" handle. Das Konjunkturbild habe sich deutlich aufgehellt. "Wir nehmen 2026 deutlich mehr Schwung auf und nehmen diesen 2027 mit."
___ Es lief zuletzt besser
Der Hauptgrund für die Revision sind die neuesten Daten aus der Schweizer Wirtschaft, die ein überraschend hohes Wachstum zeigten. So wuchs das BIP im zweiten Quartal ausserordentlich kräftig.
Laut den Experten des Bundes dürfte sich dieses Wachstum allerdings nicht ungebremst fortsetzen. Im Gegenteil. Im zweiten Halbjahr sei mit einer "gewissen Gegenbewegung" zu rechnen.
Denn fast die Hälfte des starken Wachstums im zweiten Quartal entfiel auf die chemisch-pharmazeutische Industrie, die sehr volatil ist. "Dies dürfte die zugrunde liegende Konjunkturdynamik überzeichnet haben", hiess es dazu vom Seco. Tatsächlich zeigten die am Donnerstag publizierten Exportzahlen für den Monat August eine Normalisierung.
___ Franken-Abschwächung hilft
Gleichwohl deuten laut Indergand - abgesehen vom Chemie- und Pharmaboom - diverse Konjunktursignale auf eine Aufhellung hin. Unterstützend komme hinzu, dass der Franken abgewertet habe. "Das dürfte der Exportindustrie zusätzlichen Schub verleihen."
Alles in allem will Indergand gleichwohl nur von einer "Erholung" sprechen. Einen "eigentlichen Aufschwung" oder sogar einen "Boom" wollte der Seco-Mann nicht ausrufen.
___ Negativer KI-Effekt auf dem Arbeitsmarkt?
Dazu passt, dass die Inflation weiterhin 2026 und 2027 nur bei 0,6 Prozent gesehen wird und sich die Arbeitslosenquote 2027 nur auf 3,0 Prozent von 3,1 Prozent im laufenden 2026 zurückbilden werde. Ob dabei KI-Effekte eine Rolle spielten, könne er noch nicht sagen. "Dafür ist es zu früh", so Indergand. Aktuell gebe es aber keine Hinweise, dass es auf dem Arbeitsmarkt wegen KI zu einer eigentlichen Abbauwelle komme.
Ein grösserer Unsicherheitsfaktor für die Prognose ist laut dem Seco der Ölpreis. Die aktuellen Voraussagen basieren auf einem Brent-Rohölpreis von 91 US-Dollar im laufenden und von gut 80 US-Dollar im kommenden Jahr. Aktuell notiert er weit über diesem Niveau.
Trotz des aktuellen Anstiegs sei man für den prognostizierten Jahresdurchschnittswert aber auf Kurs, sagte Seco-Konjunkturchefin Felicitas Kemeny. Und sie gehe weiterhin davon aus, dass sich der Rohölpreis in den nächsten Monaten zurückbilden werde. "Aber ja, das ist ein Risiko für unsere Prognose", räumte sie ein.
Bundesökonomen erhöhen BIP-Prognose - Boom trotzdem nicht in Sicht
Bern (awp) - Die Ökonomen des Bundes erwarten einen deutlich besseren Konjunkturverlauf als bisher und heben ihre Wachstumsprognose deutlich an. Das Wort "Boom" nehmen sie aber nicht in den Mund.Es ist ein gewaltiger Sprung nach oben. Für 2026 prognostiziert die Expertengruppe des Bundes neu ein Wachstum des realen Bruttoinlandprodukts (BIP, sporteventbereinigt) von 1,7 Prozent statt der bislang 0,9 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Donnerstag mitteilte. Die Prognose von 1,6 Prozent für 2027 wurde bestätigt.
Ronald Indergand, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik beim Seco, räumte vor den Medien ein, dass es sich um eine "ausserordentlich starke Korrektur" handle. Das Konjunkturbild habe sich deutlich aufgehellt. "Wir nehmen 2026 deutlich mehr Schwung auf und nehmen diesen 2027 mit."
___ Es lief zuletzt besser
Der Hauptgrund für die Revision sind die neuesten Daten aus der Schweizer Wirtschaft, die ein überraschend hohes Wachstum zeigten. So wuchs das BIP im zweiten Quartal ausserordentlich kräftig.
Laut den Experten des Bundes dürfte sich dieses Wachstum allerdings nicht ungebremst fortsetzen. Im Gegenteil. Im zweiten Halbjahr sei mit einer "gewissen Gegenbewegung" zu rechnen.
Denn fast die Hälfte des starken Wachstums im zweiten Quartal entfiel auf die chemisch-pharmazeutische Industrie, die sehr volatil ist. "Dies dürfte die zugrunde liegende Konjunkturdynamik überzeichnet haben", hiess es dazu vom Seco. Tatsächlich zeigten die am Donnerstag publizierten Exportzahlen für den Monat August eine Normalisierung.
___ Franken-Abschwächung hilft
Gleichwohl deuten laut Indergand - abgesehen vom Chemie- und Pharmaboom - diverse Konjunktursignale auf eine Aufhellung hin. Unterstützend komme hinzu, dass der Franken abgewertet habe. "Das dürfte der Exportindustrie zusätzlichen Schub verleihen."
Alles in allem will Indergand gleichwohl nur von einer "Erholung" sprechen. Einen "eigentlichen Aufschwung" oder sogar einen "Boom" wollte der Seco-Mann nicht ausrufen.
___ Negativer KI-Effekt auf dem Arbeitsmarkt?
Dazu passt, dass die Inflation weiterhin 2026 und 2027 nur bei 0,6 Prozent gesehen wird und sich die Arbeitslosenquote 2027 nur auf 3,0 Prozent von 3,1 Prozent im laufenden 2026 zurückbilden werde. Ob dabei KI-Effekte eine Rolle spielten, könne er noch nicht sagen. "Dafür ist es zu früh", so Indergand. Aktuell gebe es aber keine Hinweise, dass es auf dem Arbeitsmarkt wegen KI zu einer eigentlichen Abbauwelle komme.
Ein grösserer Unsicherheitsfaktor für die Prognose ist laut dem Seco der Ölpreis. Die aktuellen Voraussagen basieren auf einem Brent-Rohölpreis von 91 US-Dollar im laufenden und von gut 80 US-Dollar im kommenden Jahr. Aktuell notiert er weit über diesem Niveau.
Trotz des aktuellen Anstiegs sei man für den prognostizierten Jahresdurchschnittswert aber auf Kurs, sagte Seco-Konjunkturchefin Felicitas Kemeny. Und sie gehe weiterhin davon aus, dass sich der Rohölpreis in den nächsten Monaten zurückbilden werde. "Aber ja, das ist ein Risiko für unsere Prognose", räumte sie ein.
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