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Politik, Regierung, Parlament, Bundesverwaltung   02.10.2026 19:20:51

Wer folgt im Bundesrat auf Guy Parmelin?

Bern (awp/sda) - Das Kandidatenkarussell für die Nachfolge des per Ende Jahr zurücktretenden Bundesrats Guy Parmelin dreht sich bereits. Für die Wahl am 9. Dezember kursieren schon zahlreiche Namen. Ein Überblick:

In der Wintersession wird das Parlament am 9. Dezember einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für den scheidenden Bundesrat Guy Parmelin wählen. Potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger gibt es einige. Dabei fallen bekannte und weniger bekannte Namen aus dem Parlament wie auch aus den Kantonsregierungen.

SVP-Vizepräsidentin und Nationalrätin Céline Amaudruz aus Genf hatte sich nach dem Rücktritt von Ueli Maurer 2022 nicht zur Wahl gestellt. Dieses Mal könnte es sich die auch in der Deutschschweiz bekannte Politikerin anders überlegen. Amaudruz nimmt sich Zeit, um über eine mögliche Kandidatur als Nachfolgerin von Parmelin nachzudenken. "Das Wochenende dürfte lang werden", sagte sie in der Sendung "Forum" des Westschweizer Radios RTS.

Die Genferin will zunächst ihren Ehemann, ihren Arbeitgeber sowie ihren Parteivorsitzenden konsultieren - "das ist eine Frage von wenigen Tagen". Allerdings stimmte die 47-Jährige zuletzt auch immer wieder entgegen der Fraktionslinie ab, etwa bei gesellschaftspolitischen Themen wie der Ehe für alle oder bei der Legalisierung der Eizellenspende.

___ Kronfavoritin aus St. Gallen

Zwei weitere aussichtsreiche Kandidatinnen für den Posten als erste SVP-Bundesrätin der Schweiz kommen aus der Deutschschweiz: Es handelt sich um die Zürcher Gesundheitsdirektorin und ehemalige Nationalrätin Natalie Rickli und die St. Galler Ständerätin Esther Friedli.

Letztere kandidierte nach dem Rücktritt Maurers 2022 genauso wenig wie Amaudruz. Friedli zog es vielmehr vor, nach dem Rücktritt von Paul Rechsteiner (SP) ihr Glück als Ständerätin zu versuchen, was gelang. Im Falle von Friedli stellt sich aber die Frage einer Überrepräsentation des Kantons St. Gallen in der Landesregierung. Denn mit Karin Keller-Sutter (FDP) stellt der Kanton bereits eine Bundesrätin.

Allerdings trat diese Frage zuletzt eher in den Hintergrund - mit Simonetta Sommaruga (SP) und Johann Schneider-Ammann (FDP) gehörten zwei Berner Vertretende jahrelang gleichzeitig der Exekutive an.

Natalie Rickli hingegen wird sich zum Zeitpunkt der Ersatzwahl für den Bundesrat mitten im Wahlkampf zur Verteidigung ihres Regierungsratssitzes befinden, was einer Kandidatur ebenfalls hinderlich sein könnte. Abgesehen davon ist Rickli eine der bekanntesten SVP-Politikerinnen des Landes. Sie bringt jahrelange Parlaments- und Exekutiverfahrung mit.

Andererseits hat sich Rickli während der Covid-19-Pandemie nicht nur Freunde in ihrer Partei gemacht. Gleiches gilt für den Aargauer SVP-Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati.

___ Mehrheitsfindung im Parlament entscheidend

Aus der Zentralschweiz wiederum fielen Namen wie der von Nationalrätin Monika Rüegger (OW), Parteipräsident Marcel Dettling (SZ) oder auch von Thomas Aeschi (ZG). Der SVP-Fraktionschef wollte zu einer allfälligen Kandidatur vorerst aber keine Stellung nehmen, wie es auf Anfrage hiess.

Auch gilt Aeschi als Hardliner - womit Stimmen von ausserhalb der SVP-Fraktion wohl rar würden. Ähnliches gilt für Magdalena Martullo-Blocher (GR) und Thomas Matter (ZH), die zwar beide als Schwergewichte gelten, aber im Parlament nicht mehrheitsfähig sein könnten. Und auch Pascal Schmid (TG) fällt in diese Kategorie.

Indes schliesst auch der Luzerner Nationalrat Franz Grüter eine Kandidatur nicht aus, wie er auf Anfrage von Keystone-SDA sagte. Grüter politisiert seit 2015 im Nationalrat und ist Mitglied der aussenpolitischen Kommission. Für ihn könnte seine Herkunft sprechen: Der letzte Luzerner Bundesrat war Kaspar Villiger (FDP) - von 1989 bis 2003.

___ Westschweizer SVP fordert Weiterführung

Derweil will sich die Waadtländer SVP dafür einsetzen, dass Parmelins Sitz wieder an eine Person aus der Romandie geht, wie sie mitteilte. Dafür kommen, abgesehen von Amaudruz, etwa Nationalrat Yvan Pahud (VD) oder Nicolas Kolly (FR) in Frage. Letzterer gilt als dossierfestes Talent aus der Westschweiz und wird von Analysten als konsensfähige Alternative ins Spiel gebracht.

Der französischsprachige Berner Regierungsrat Pierre Alain Schnegg (SVP) wiederum sagte auf Anfrage von Keystone-SDA: "Die Würdigung der Arbeit und der Leistungen des abtretenden Bundespräsidenten und Bundesrates, Guy Parmelin, sollen jetzt im Vordergrund stehen. Ich möchte mich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht über eventuelle weitere Schritte äussern."

So oder so: Nominiert fürs offizielle "Ticket" werden Kandidatinnen und Kandidaten im Rahmen eines offiziellen Wahlvorschlags am 20. November durch die SVP-Bundeshausfraktion. Wie viele Namen darauf stehen werden, liess die Parteileitung zunächst offen.


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