Politik, Regierung, Parlament, Bundesverwaltung
15.10.2026 13:30:14
"Ich habe mir den Entscheid reiflich überlegt und mit meinem Ehemann, meinen Angehörigen sowie meinem politischen Umfeld besprochen", sagte Amaudruz am Donnerstag in Genf vor den Medien. Sie sei bereit, Verantwortung für das Land zu übernehmen. Sie kandidiere, weil ihr die Schweiz und ihre Bevölkerung am Herzen lägen.
Amaudruz ist die erste Politikerin, die ihre Kandidatur für die Nachfolge Parmelins offiziell bekanntgegeben hat. Der Waadtländer Bundesrat hatte vor zwei Wochen seinen Rücktritt auf Ende Jahr angekündigt. Bei einer Wahl wäre die Genferin die erste SVP-Frau im Bundesrat. Seit 2016 ist sie Vizepräsidentin der SVP Schweiz. Bei der Nachfolge von Ueli Maurer 2022 hatte sie auf eine Kandidatur verzichtet.
Welches Departement sie übernehmen möchte, liess Amaudruz offen. "Ich kandidiere für den Bundesrat, nicht für ein bestimmtes Departement", sagte sie. Persönliche Vorlieben habe sie zwar, darüber zu sprechen, sei aber verfrüht.
___ Kritik aus den eigenen Reihen
Ihre Kandidatur stösst innerhalb der SVP nicht überall auf Zustimmung. Der frühere Nationalrat und "Weltwoche"-Chefredaktor Roger Köppel bezeichnete Amaudruz bereits vor ihrer Ankündigung als politisches "Leichtgewicht". Ihre Kandidatur wäre eine "monumentale Fehlbesetzung", erklärte er.
Amaudruz zeigte sich über diese Angriffe überrascht. Sie wolle auf solche Äusserungen nicht näher eingehen, sagte sie. Sie verwies auf ihre langjährige Tätigkeit als Vizepräsidentin der SVP Schweiz und ihre Erfahrung als Präsidentin einer parlamentarischen Kommission. Sie verteidige seit Jahren die Werte der Partei.
Zwar hat Amaudruz bei einzelnen gesellschaftspolitischen Fragen, etwa der Ehe für alle, anders abgestimmt als die Mehrheit ihrer Partei. Bei den zentralen politischen Anliegen stehe sie aber auf SVP-Linie. Unterschiedliche Meinungen müsse eine Partei aushalten können.
___ Westschweizer Vertretung als Argument
Für die grösste Partei der Schweiz wäre es nach Ansicht von Amaudruz ein Problem, künftig nicht mehr mit einer französischsprachigen Person im Bundesrat vertreten zu sein. "Eine Romande oder ein Romand muss aufs Ticket", sagte sie. Den Entscheid über die regionale Zusammensetzung der Landesregierung treffe allerdings die Bundesversammlung.
Sie wolle die Interessen der gesamten Schweiz vertreten, aber "mit einer Westschweizer Note". Als besondere Anliegen nannte sie die Mobilität, die Arbeitslosigkeit und die Kriminalität in Grenzregionen. Gerade Genf stehe vor besonderen Herausforderungen.
An ihre Deutschschweizer Parteikolleginnen und -kollegen gerichtet, betonte sie: "Wir verteidigen dieselben Werte." An der Medienkonferenz sprach sie neben Französisch auch Deutsch, Italienisch und Englisch. Sollte Parmelin nicht durch eine Person aus der Romandie ersetzt werden, wäre SP-Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider ab 2027 das einzige französischsprachige Mitglied der Landesregierung.
Unterstützung erhält Amaudruz vom Präsidenten der Genfer SVP, Lionel Dugerdil. Er verlangt, dass die Westschweiz auf dem offiziellen SVP-Ticket vertreten ist. Andernfalls stellte er Gegenmassnahmen in Aussicht.
___ Gegen Bilaterale III - bereit zu Kollegialität
Als eine der grössten Herausforderungen für die Schweiz bezeichnet Amaudruz das geplante Vertragspaket mit der Europäischen Union. Sie lehne die Bilateralen III ab, weil dabei die Unabhängigkeit und Souveränität der Schweiz auf dem Spiel stünden. Der Widerstand gegen eine engere Anbindung an die EU gehöre zur politischen DNA der SVP, sagte sie.
Als Nationalrätin werde sie die Verträge weiterhin bekämpfen. Sollte sie in den Bundesrat gewählt werden, würde sie aber einen entsprechenden Kollegialentscheid mittragen und das Vertragspaket nötigenfalls auch im Abstimmungskampf verteidigen. Wer sich dieser Verantwortung entziehe, sei nicht glaubwürdig, erklärte sie.
Sie sei bereit, ihre Meinung zu ändern, wenn es dafür gute Gründe gebe. Als Bundesrätin müsse sie zuhören, den Dialog suchen und Entscheide der Kollegialbehörde loyal vertreten.
Weitere politische Schwerpunkte sieht Amaudruz bei der Sicherheit und der Kaufkraft. Angesichts der internationalen Lage brauche die Schweiz eine starke und glaubwürdige Armee. Zudem müsse der Mittelstand gestärkt werden. Freihandelsabkommen befürworte sie, sofern die Interessen der Schweizer Landwirtschaft berücksichtigt würden.
Auf Fragen zu ihren Verbindungen zum Finanzplatz versicherte sie, keine Lobbyistin zu sein, auch nicht für UBS-Chef Sergio Ermotti.
___ Empört wegen Fragen zu Mutterrolle
Deutlich verärgert reagierte die 47-Jährige auf die öffentliche Diskussion darüber, ob sie als Mutter zweier kleiner Töchter im Alter von einem und drei Jahren das Bundesratsamt ausüben könne. Es sei erschütternd, dass eine solche Frage im 21. Jahrhundert überhaupt noch gestellt werde.
"Welche Botschaft senden wir damit an die Frauen?", fragte sie. Die Diskussion erwecke den Eindruck, Mütter könnten keine verantwortungsvollen Positionen übernehmen, weder in der Politik noch in der Wirtschaft. "Einem Mann wird diese Frage nicht gestellt." Bei einer Wahl wäre sie stolz darauf, ein Vorbild für Frauen zu sein, die beruflich Verantwortung übernehmen wollten.
Auch der Frauendachverband Alliance F setzt sich für eine stärkere Vertretung der Frauen in der Landesregierung ein. Er fordert von der SVP ein reines Frauenticket für die Nachfolge Parmelins.
___ Entscheid über SVP-Ticket im November
Die SVP-Bundeshausfraktion entscheidet am 20. November, wen sie für die Nachfolge Parmelins ins Rennen schickt. Fraktionspräsident Thomas Aeschi sprach sich für ein Ticket mit mindestens zwei Kandidierenden aus.
Weitere mögliche Kandidatinnen und Kandidaten sind im Gespräch, haben sich bisher aber noch nicht entschieden. Die Vereinigte Bundesversammlung wählt am 9. Dezember.
Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz will Guy Parmelin beerben
Genf/Bern (awp/sda) - Die erste Kandidatur für die Nachfolge von SVP-Bundesrat Guy Parmelin ist bekannt: Die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz will in die Landesregierung. Die 47-Jährige muss nun vor allem die Deutschschweizer Vertreter ihrer Partei von sich überzeugen. Sie setzt dabei auf ihre politische Erfahrung und die Bedeutung der Westschweiz."Ich habe mir den Entscheid reiflich überlegt und mit meinem Ehemann, meinen Angehörigen sowie meinem politischen Umfeld besprochen", sagte Amaudruz am Donnerstag in Genf vor den Medien. Sie sei bereit, Verantwortung für das Land zu übernehmen. Sie kandidiere, weil ihr die Schweiz und ihre Bevölkerung am Herzen lägen.
Amaudruz ist die erste Politikerin, die ihre Kandidatur für die Nachfolge Parmelins offiziell bekanntgegeben hat. Der Waadtländer Bundesrat hatte vor zwei Wochen seinen Rücktritt auf Ende Jahr angekündigt. Bei einer Wahl wäre die Genferin die erste SVP-Frau im Bundesrat. Seit 2016 ist sie Vizepräsidentin der SVP Schweiz. Bei der Nachfolge von Ueli Maurer 2022 hatte sie auf eine Kandidatur verzichtet.
Welches Departement sie übernehmen möchte, liess Amaudruz offen. "Ich kandidiere für den Bundesrat, nicht für ein bestimmtes Departement", sagte sie. Persönliche Vorlieben habe sie zwar, darüber zu sprechen, sei aber verfrüht.
___ Kritik aus den eigenen Reihen
Ihre Kandidatur stösst innerhalb der SVP nicht überall auf Zustimmung. Der frühere Nationalrat und "Weltwoche"-Chefredaktor Roger Köppel bezeichnete Amaudruz bereits vor ihrer Ankündigung als politisches "Leichtgewicht". Ihre Kandidatur wäre eine "monumentale Fehlbesetzung", erklärte er.
Amaudruz zeigte sich über diese Angriffe überrascht. Sie wolle auf solche Äusserungen nicht näher eingehen, sagte sie. Sie verwies auf ihre langjährige Tätigkeit als Vizepräsidentin der SVP Schweiz und ihre Erfahrung als Präsidentin einer parlamentarischen Kommission. Sie verteidige seit Jahren die Werte der Partei.
Zwar hat Amaudruz bei einzelnen gesellschaftspolitischen Fragen, etwa der Ehe für alle, anders abgestimmt als die Mehrheit ihrer Partei. Bei den zentralen politischen Anliegen stehe sie aber auf SVP-Linie. Unterschiedliche Meinungen müsse eine Partei aushalten können.
___ Westschweizer Vertretung als Argument
Für die grösste Partei der Schweiz wäre es nach Ansicht von Amaudruz ein Problem, künftig nicht mehr mit einer französischsprachigen Person im Bundesrat vertreten zu sein. "Eine Romande oder ein Romand muss aufs Ticket", sagte sie. Den Entscheid über die regionale Zusammensetzung der Landesregierung treffe allerdings die Bundesversammlung.
Sie wolle die Interessen der gesamten Schweiz vertreten, aber "mit einer Westschweizer Note". Als besondere Anliegen nannte sie die Mobilität, die Arbeitslosigkeit und die Kriminalität in Grenzregionen. Gerade Genf stehe vor besonderen Herausforderungen.
An ihre Deutschschweizer Parteikolleginnen und -kollegen gerichtet, betonte sie: "Wir verteidigen dieselben Werte." An der Medienkonferenz sprach sie neben Französisch auch Deutsch, Italienisch und Englisch. Sollte Parmelin nicht durch eine Person aus der Romandie ersetzt werden, wäre SP-Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider ab 2027 das einzige französischsprachige Mitglied der Landesregierung.
Unterstützung erhält Amaudruz vom Präsidenten der Genfer SVP, Lionel Dugerdil. Er verlangt, dass die Westschweiz auf dem offiziellen SVP-Ticket vertreten ist. Andernfalls stellte er Gegenmassnahmen in Aussicht.
___ Gegen Bilaterale III - bereit zu Kollegialität
Als eine der grössten Herausforderungen für die Schweiz bezeichnet Amaudruz das geplante Vertragspaket mit der Europäischen Union. Sie lehne die Bilateralen III ab, weil dabei die Unabhängigkeit und Souveränität der Schweiz auf dem Spiel stünden. Der Widerstand gegen eine engere Anbindung an die EU gehöre zur politischen DNA der SVP, sagte sie.
Als Nationalrätin werde sie die Verträge weiterhin bekämpfen. Sollte sie in den Bundesrat gewählt werden, würde sie aber einen entsprechenden Kollegialentscheid mittragen und das Vertragspaket nötigenfalls auch im Abstimmungskampf verteidigen. Wer sich dieser Verantwortung entziehe, sei nicht glaubwürdig, erklärte sie.
Sie sei bereit, ihre Meinung zu ändern, wenn es dafür gute Gründe gebe. Als Bundesrätin müsse sie zuhören, den Dialog suchen und Entscheide der Kollegialbehörde loyal vertreten.
Weitere politische Schwerpunkte sieht Amaudruz bei der Sicherheit und der Kaufkraft. Angesichts der internationalen Lage brauche die Schweiz eine starke und glaubwürdige Armee. Zudem müsse der Mittelstand gestärkt werden. Freihandelsabkommen befürworte sie, sofern die Interessen der Schweizer Landwirtschaft berücksichtigt würden.
Auf Fragen zu ihren Verbindungen zum Finanzplatz versicherte sie, keine Lobbyistin zu sein, auch nicht für UBS-Chef Sergio Ermotti.
___ Empört wegen Fragen zu Mutterrolle
Deutlich verärgert reagierte die 47-Jährige auf die öffentliche Diskussion darüber, ob sie als Mutter zweier kleiner Töchter im Alter von einem und drei Jahren das Bundesratsamt ausüben könne. Es sei erschütternd, dass eine solche Frage im 21. Jahrhundert überhaupt noch gestellt werde.
"Welche Botschaft senden wir damit an die Frauen?", fragte sie. Die Diskussion erwecke den Eindruck, Mütter könnten keine verantwortungsvollen Positionen übernehmen, weder in der Politik noch in der Wirtschaft. "Einem Mann wird diese Frage nicht gestellt." Bei einer Wahl wäre sie stolz darauf, ein Vorbild für Frauen zu sein, die beruflich Verantwortung übernehmen wollten.
Auch der Frauendachverband Alliance F setzt sich für eine stärkere Vertretung der Frauen in der Landesregierung ein. Er fordert von der SVP ein reines Frauenticket für die Nachfolge Parmelins.
___ Entscheid über SVP-Ticket im November
Die SVP-Bundeshausfraktion entscheidet am 20. November, wen sie für die Nachfolge Parmelins ins Rennen schickt. Fraktionspräsident Thomas Aeschi sprach sich für ein Ticket mit mindestens zwei Kandidierenden aus.
Weitere mögliche Kandidatinnen und Kandidaten sind im Gespräch, haben sich bisher aber noch nicht entschieden. Die Vereinigte Bundesversammlung wählt am 9. Dezember.
Zum gleichen Thema
| POLITIK, REGIERUNG, PARLAMENT, BUNDESVERWALTUNG | 15.10.2026 15:50:13 | Bund bewilligt Bezüge aus Flugpetrol-Pflichtlager für Zürich |
Betroffene Instrumente
N/A