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Politik, Regierung, Parlament, Bundesverwaltung   21.10.2026 13:55:49

Solothurner SVP-Nationalrat Rémy Wyssmann will in den Bundesrat

Solothurn/Bern (awp/sda) - Rémy Wyssmann möchte Bundesrat werden. Das hat der 59-Jährige am Mittwoch verkündet. Den Solothurner SVP-Nationalrat hatten wohl nur wenige auf dem Radar, ist er bisher doch vor allem kantonal in Erscheinung getreten.

Er habe sich lange überlegt, ob er für das Amt bereit sei. "Ich bin es", konstatierte er dann am Mittwochvormittag in einem engen Seminarraum in einem Hotel in Solothurn, der für die Medienkonferenz umfunktioniert wurde.

Als Kandidat habe er ein einziges Ziel, sagte er: Er wolle den Bürgerinnen und Bürgern das Vertrauen in die Institutionen zurückgeben. Diese sollten der Bevölkerung dienen und nicht sich selber. In den letzten dreissig Jahren seien die Institutionen viel zu häufig von Geschäftemachern, Ideologen oder von in der Privatwirtschaft Gescheiterten missbraucht worden.

Auch wolle er eine Aussensicht in den Bundesrat einbringen, die bislang fehle. Ein Amt als Bundesrat sei kein Preis für eine zurückgelegte Laufbahn. Es sei ein Dienst an der Schweiz und an der Bevölkerung. "Der persönliche Nutzen darf dabei keine Rolle spielen, gar keine", erklärte er.

___ Er kämpfe für Transparenz und Unabhängigkeit

Er habe das richtige Alter für einen Bundesrat, sagte Wyssmann und verwies dabei auf seine Lebenserfahrung und seinen Beruf als Anwalt. Er könne noch zwei volle Amtsperioden arbeiten und "darüber hinaus".

In seinem Beruf als Anwalt lese er Dossiers, die niemand sonst lesen wolle. Er setze sich auch dafür ein, unter Verschluss gehaltene Dokumente an die Öffentlichkeit zu bringen. Seit Jahren kämpfe er für Transparenz und Unabhängigkeit.

Der 59-Jährige politisiert seit 2023 in Bern und präsidiert seit 2024 die Kantonalpartei. In seinem Wohnort Kriegstetten war er von 2016 bis 2023 Mitglied des Gemeinderats. Von 2017 bis 2023 politisierte er ausserdem als Kantonsrat.

Wyssmann betonte, dass er keinerlei Mandate habe, nicht in der Verwaltung, nicht in einer Stiftung, nicht ein bezahltes in einem Unternehmen oder einer Interessengruppe. Er würde in das Amt des Bundesrats eintreten, ohne etwas verlassen zu müssen.

___ Im Kanton Solothurn bekannt

Politisch ist er bisher primär auf kantonaler Ebene in Erscheinung getreten: Unter seiner Führung verschärfte sich der Kurs der Solothurner SVP deutlich. Ausserdem bekämpfte er verschiedene kantonale Abstimmungsvorlagen teilweise heftig, aber auch mit Erfolg. Die Solothurner Staatskanzlei bezichtigte die Nein-Komitees im Abstimmungskampf im September 2025 und im Februar 2026 gar der Verbreitung von Falschinformationen. Beiden Komitees gehörte Wyssmann an.

Wyssmann sagte an der Medienkonferenz, er habe gezeigt, dass er Mehrheiten erlangen könne, mit anderen Parteien, vor dem Volk und an den Urnen. Er sei kompromissfähig, versicherte der Solothurner. Das müsse er nur schon als Anwalt sein. "Alles andere als ein Kompromiss ist destruktiv."

Der 59-Jährige bezeichnet sich selbst als staatskritisch. Dazu sagte er: "Kritisch im positiven Sinne. Denn ohne Kritik keine Verbesserung."

___ Am meisten im Polizei- und Justizdepartement beitragen

National ist Wyssmann ein unbeschriebeneres Blatt: Zu seinen Erfolgen zählt er eine Motion, die ehemaligen Armeeangehörigen erlauben soll, wieder in den Dienst einzutreten. Sowohl National- als auch Ständerat haben der Motion zugestimmt.

Apropos Ständerat: Im vergangenen Juni verkündete Wyssmann seine Kandidatur als Ständerat. Es sei ihm bewusst, dass nicht beides gehe. Von einer Scheinkandidatur als Bundesrat wolle er aber nicht sprechen. Die Kandidatur als Ständerat sei schon aufgegleist, gewesen, bevor Parmelin seinen Rücktritt verkündet hatte.

"Ich verlange kein bestimmtes Departement", sagte Wyssmann weiter. Er würde jedes übernehmen, dass ihm der Bundesrat anvertraue und sich in das Dossier einarbeiten. Er würde sich ab dem ersten Tag voll engagieren.

Am meisten könne er wohl jedoch im Justiz- und Polizeidepartement einbringen. "Das ist mein Handwerk seit dreissig Jahren, dazu kommen sechs Jahre in der Justizkommission des Solothurner Kantonsrats."

___ Wyssmann sieht sich auch als Vertreter der Romandie

Laut Wyssmann ist Parmelins freiwerdender Sitz in der Landesregierung ein Sitz der Romandie. Das nehme er sehr ernst. Er kandidiere, weil es eine Herzensangelegenheit für ihn sei, die Romandie zu vertreten. Er sehe sich auch als Vertreter der Romandie.

Er möchte auf Französisch arbeiten und nicht nur "bonjour" sagen. Wiederholt versicherte er seine Nähe zur Romandie. Der Kanton Solothurn sei nahe an der Romandie, speziell am Kanton Jura. Ausserdem habe er seinen Militärdienst in der Romandie geleistet. Mehrfach sprach Wyssmann während der Medienkonferenz Französisch, kurz auch Italienisch.

___ Rückgrat und Draht zu allen Bevölkerungsschichten

An der Medienkonferenz kamen auch Weggefährten und Weggefährtinnen Wyssmanns zu Wort. Christine Rütti, die Vizepräsidentin der Solothurner SVP, hob vor allem das Rückgrats des 59-Jährigen hervor. Lukas Wilhelm, Präsident der jungen SVP sagte, Wyssmann geniesse beim Solothurner Volk einen starken Rückhalt. Er habe einen Draht zu allen Bevölkerungsschichten.

Die Solothurner SVP hat ihren Bundesratskandidaten Rémy Wyssmann einstimmig für die Nachfolge von Bundesrat Guy Parmelin nominiert, sagte Diana Stärkle, Vorstandsmitglied der Solothurner SVP.

Wyssmann ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Zu seinen Hobbys zählen Bergsteigen. Wyssmanns Grossvater, Walter Weber, war als Sozialdemokrat Gemeindepräsident von Derendingen, Solothurner Stadtrat und Ständeratspräsident.

Er ist neben der Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz der zweite Kandidat für die Nachfolge von Guy Parmelin, der vor drei Wochen seinen Rücktritt per Ende Jahr verkündet hatte.

Die SVP-Bundeshausfraktion entscheidet am 20. November, wen sie für die Nachfolge Parmelins ins Rennen schickt. Fraktionspräsident Thomas Aeschi sprach sich für ein Ticket mit mindestens zwei Kandidierenden aus.

Weitere mögliche Kandidatinnen und Kandidaten sind im Gespräch, haben sich bisher aber noch nicht entschieden. Die Vereinigte Bundesversammlung wählt am 9. Dezember.


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