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Personalien, Management, Verwaltungsrat   29.04.2026 07:34:20

Gewalt gegen Persönlichkeiten der KI-Branche

New York (awp/sda/afp) - Mehrere Persönlichkeiten aus der Welt der Künstlichen Intelligenz (KI) sind in letzter Zeit Ziel gewaltsamer Angriffe geworden. Ausgelöst wurde dies durch existenzielle Ängste und den Hass auf Mächtige - davon distanzieren sich Kritiker der Branche.

Ein Molotowcocktail gegen das Tor des Hauses von Sam Altman; 13 Schüsse auf die Haustür von Ron Gibson, Lokalpolitiker in Indianapolis und Unterstützer eines Projekts zum Bau von Rechenzentren: Diese Angriffe ereigneten sich innerhalb weniger Tage. In derselben Zeit schossen zudem zwei Personen ausserhalb von Altmans Wohnsitz, ohne dass geklärt ist, ob er gezielt ins Visier genommen wurde.

In einem Manifest sprach der Urheber des Brandanschlags von einem "unmittelbar bevorstehenden Aussterben" der Menschheit durch KI. Er forderte Altman auf, sich zu "erlösen", falls er den Angriff überlebe.

"Die Angst vor neuen Technologien ist nichts Neues", sagt Nirit Weiss-Blatt, Autorin eines Buches über die wachsende Feindseligkeit gegenüber Technologie, "auch wenn sie hier extremer erscheint".

"Digitales Ökosystem"

Sie verweist auf die Diskrepanz zwischen den von KI-Skeptikern angesprochenen Problemen - vom Arbeitsplatzabbau bis zu Umweltfolgen - und der "katastrophistischen Blase", in der sich der Verdächtige Daniel Moreno-Gama bewegte.

Diese Debatte wird durch Schriften wie das Buch "If Anyone Builds It, Everyone Dies: Why Superhuman AI Would Kill Us All" der Forscher Eliezer Yudkowsky und Nate Soares angeheizt.

Zwischen den verschiedenen Verdächtigen bestehen keine nachgewiesenen Verbindungen, und sie berufen sich nicht auf eine Organisation. Mauro Lubrano, Professor an der Universität Bath und Autor eines Werks über technologiefeindlichen Extremismus, weist jedoch die Einstufung als "Einzeltäter" zurück, da sie "Teil eines gemeinsamen digitalen Ökosystems" seien.

Er zieht einen Vergleich zu den Beschädigungen von Tesla-Fahrzeugen und -Filialen im Jahr 2025, die ohne Koordination in Nordamerika und Europa im Zuge der Radikalisierung von Elon Musk verübt wurden.

Führende Figuren der KI-Branche nehmen die Gefahr sehr ernst. "In den letzten Monaten haben wir eindeutig eine Zunahme" der Nachfrage nach physischem Schutz bei Technologieunternehmen gesehen, sagt Rory Moran, Leiter der Sicherheit von Führungskräften beim US-Unternehmen USI.

Mangione-Effekt

"Grossunternehmen aus dem Technologie- und KI-Bereich stehen ständig in den Schlagzeilen", sagt er. In diesem Umfeld "beobachten wir eine Zunahme von Angriffsvorhaben".

Hinzu kommt ein Wiederaufleben der Feindseligkeit gegenüber Unternehmenschefs, ein Trend, der durch die Ermordung des Chefs des Krankenversicherers UnitedHealthcare, Brian Thompson, im Dezember 2024 in New York neu entfacht wurde.

Luigi Mangione, der mutmassliche Schütze, wurde von einer nicht unerheblichen Zahl von Amerikanern - vor allem jüngeren - zum Antihelden stilisiert, eine Art romantischer Rächer gegen die Auswüchse des Kapitalismus.

Nach dem Angriff auf Sam Altman verbreiteten Dutzende Internetnutzer dasselbe Bild von Luigi Mangione als heilig dargestellte Figur mit Heiligenschein. Auf der Plattform TikTok relativierten viele den Angriff, rechtfertigten ihn oder gaben KI-Unternehmern und deren als beunruhigend empfundenen Aussagen die Schuld.

Gewalt verurteilt

Organisationen, die sich gegen eine unregulierte KI einsetzen, fürchten, mit dieser Gewalt in Verbindung gebracht zu werden, die sie verurteilen.

"Die Rhetorik der Anhänger einer Pause oder eines Stopps [der KI] ist ausser Kontrolle geraten und verschärft sich", schrieb Dean Ball, früherer Berater des US-Präsidenten Donald Trump für KI, auf der Plattform X mit Blick auf bekannte Gruppen wie PauseAI und Stop AI. "Diese Rhetorik hatte immer das Potenzial, Gewalt auszulösen - und das scheint nun nicht mehr nur theoretisch zu sein."

Vor seiner Tat wandte sich Daniel Moreno-Gama an den Discord-Kanal von Stop AI und fragte, ob er über Gewalt sprechen dürfe, berichtet Valerie Sizemore, Co-Leiterin der Organisation. Die Moderatoren erklärten ihm, dass dies zu einem Ausschluss führen würde, worauf er nicht zurückkehrte.

"Gewalt wird nichts lösen", betont sie und plädiert für "gewaltfreie Aktionen, damit Menschen Gehör finden - etwa Demonstrationen oder künstlerische Ausdrucksformen".

Pause AI setzt sich für ein Moratorium bei der Entwicklung von KI sowie internationale Regulierungsabkommen ein. Stop AI will Gesetzgeber sensibilisieren und Bürgergremien zur Aufsicht fördern.

"Meine Hoffnung ist", sagt Valerie Sizemore, "dass dieser Moment zu der notwendigen Phase des Zuhörens und der Diskussion führt".


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