Einkaufstourismus in Italien nimmt zu und setzt Tessin unter Druck
Bellinzona (awp/sda) - Der Druck auf den Tessiner Detailhandel wächst: Das Einkaufsvolumen der Tessiner im Ausland ist innerhalb von fünf Jahren gemäss Schätzungen von 500 auf 700 Millionen Franken jährlich gestiegen.
Die Geschäfte und Supermärkte jenseits der Grenze seien zum wichtigsten Detailhandelsakteur für die Tessiner geworden, erklärte Enzo Lucibello, Präsident des Tessiner Detailhandelsverbands (Disti). Auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bestätigte er einen entsprechenden Bericht in der Tessiner Tageszeitung "Corriere del Ticino". Der Trend sei durch Daten von Global Blue, einem führenden Unternehmen im Bereich der Mehrwertsteuerrückerstattung, bestätigt worden.
Seit dem 1. Februar 2024 liegt die Schwelle der Rückerstattung der Mehrwertsteuer in Italien bei 70 Euro. Zuvor lag sie bei knapp 155 Euro. Speziell Como habe in den vergangenen zwei Jahren einen Anstieg der "Tax-Free"-Ausgaben verzeichnet, und zwar um sechs Prozent. Das ist doppelt so viel wie im nationalen Durchschnitt, wie es im Artikel des "Corriere del Ticino" heisst.
Schweizer Kunden spielten dabei eine zentrale Rolle und generierten 61 Prozent des Gesamtvolumens. Weitere 31 Prozent entfallen laut Global Blue auf Käufer aus Nicht-EU-Ländern, deren Zahl in den letzten Jahren ebenfalls deutlich gestiegen sei. Während Letztere vor allem im Luxussegment viel Geld ausgeben würden, konzentrierten sich die Schweizer eher auf den Grosshandel. Zudem nutze jede zweite Person "Tax Free" ausschliesslich für Einkäufe in Supermärkten nahe der Grenze.
"Wertfreigrenze noch immer zu hoch"
Die negativen Folgen des zunehmenden Einkaufstourismus sind für die Tessiner Händler unvermeidlich. "Italien und die Schweiz spielen in zwei verschiedenen Ligen - daran gibt es nichts zu rütteln", wird Disti-Präsident Lucibello im "Corriere del Ticino" zitiert.
Die Anfang 2025 vom Bund gesenkte Wertfreigrenze von 300 auf 150 Franken auf Einfuhren für den privaten Gebrauch sei noch immer zu hoch, um das Phänomen wirklich einzudämmen, erklärte Lucibello weiter. Der Detailhandelsverband habe bereits im Vernehmlassungsverfahren gefordert, die Grenze auf 50 Franken zu senken.Im letzten Jahr habe der gesamte Handelssektor mit einem ungünstigen Euro-Franken-Wechselkurs zu kämpfen gehabt sowie zuletzt auch mit der von Rom beschlossenen Senkung der Verbrauchssteuern. "Das führt dazu, dass man beim Einkaufen in Italien heute gleichzeitig tankt und am Ende sogar noch Geld für ein Abendessen übrig hat."
Ein zusätzlicher Sonntag mit offenen Geschäften bis 400 Quadratmeter in touristischen Regionen des Kantons Tessin habe den Kundenabfluss zumindest teilweise bremsen können - die Umsätze blieben aber rückläufig, bilanzierte Lucibello.
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