News story
Unternehmensergebnis   05.11.2026 12:09:54

KI-Boom kommt bei DHL an - Express-Geschäft punktet

BONN (awp international) - Der weltweite Ausbau von Rechenzentren im Zuge des KI-Booms sorgt bei DHL für Rückenwind. Während die für Datenzentren erforderlichen Güter üblicherweise eher als klassische Luftfracht versendet werden, entscheiden sich viele Kunden momentan wegen hoher Investitionssummen und enger Zeitpläne häufig für den schnelleren Expressversand. Dies ist für DHL sehr lukrativ. Der Überschuss sei im dritten Quartal gestiegen, teilte der Dax-Konzern am Donnerstag mit und bestätigte seine schon im Oktober vorgelegten Zahlen. Die Aktie legte leicht zu.

Die im Express-Netzwerk transportierten Mengen pro Tag waren im dritten Quartal durchschnittlich rund zehn Prozent schwerer als ein Jahr zuvor. In diesem Bereich transportiert die DHL vor allem zeitkritische Sendungen. Diese sind deshalb teurer, für die Bonner ziemlich lukrativ und der Geschäftsbereich von entsprechend hoher Bedeutung. Im dritten Quartal kam, wie bereits bekannt, mehr als die Hälfte des operativen Konzerngewinns aus dem Express-Geschäft.

Die hohe Bedeutung von Geschwindigkeiten für die Rechenzentren-Betreiber und Ausrüster münzt sich bei der DHL in bares Geld um: Diese "Marktbesonderheiten", wie Finanzchefin Melanie Kreis sie nannte, spülten im dritten Quartal 100 Millionen Euro operativen Gewinn in die Kasse. Im zweiten Quartal waren es sogar 150 Millionen gewesen.

Sorgenkind bleibt derweil weiter das heimische Brief- und Paketgeschäft, unter anderem wegen sinkender Briefmengen. "Wir hatten im dritten Quartal pro Arbeitstag im Schnitt 30 Millionen Briefe, die wir zugestellt haben", sagte die Managerin. Vor zehn Jahren - also im dritten Quartal 2016 - seien es mit 60 Millionen doppelt so viele gewesen. Die Entgelte der Beschäftigten und die Kosten für Energie und Materialien seien hingegen gestiegen. "Wir haben gestiegene Kosten, wir haben weniger Briefe, und dadurch gehen die Stückkosten signifikant nach oben."

Daher brauche die Post auch "eine angemessene Porto-Erhöhung", sagte Kreis mit Blick auf den Plan der Bundesnetzagentur, der Post zum Jahreswechsel eine Briefporto-Anhebung um gut 20 Prozent zu erlauben - eine so deutliche Preiserhöhung gab es noch nie. Der Versand eines Inlandsbriefs soll sich von 0,95 auf 1,15 Euro verteuern.

Auf die Frage, ob sie zufrieden sei mit dem Portoplan der Netzagentur, sagte die DHL-Finanzchefin, es sei gut, dass "die dramatische Entwicklung auf der Volumenseite" und die Kosteninflation berücksichtigt worden sei. Man stehe aber vor einem Dilemma: "Wenn wir jetzt die Preise erhöhen, dann wissen wir natürlich auch, dass das tendenziell auch den Rückgang bei den Volumina noch weiter beschleunigt." Deswegen gebe es da "leider nicht den optimalen Punkt, der alles wunderbar macht".

Kritik der Monopolkommission

Die Monopolkommission hatte das Vorhaben der Behörde unlängst kritisiert und das geplante Porto als zu hoch abgelehnt. Aus ihrer Sicht hätten bestimmte Kostenblöcke nicht oder nur schwächer eingerechnet werden dürfen, wodurch das Porto weniger stark steigen würde.

Kreis hielt dem entgegen, im Gegensatz zu Wettbewerbern sei der Konzern verpflichtet, eine postalische Infrastruktur bundesweit vorzuhalten. Dies meint Postfilialen, Briefkästen und andere Anlagen, die für die Erfüllung der Pflichten nötig sind. Aus wirtschaftlichen Gründen würde der Konzern das nicht flächendeckend tun, sagte Kreis. "Deswegen ist das, glaube ich, verständlich und angemessen, dass das dann auch eben entsprechend von der Bundesnetzagentur berücksichtigt wird."

In den drei Monaten bis Ende September entfiel auf die Aktionäre insgesamt ein Gewinn von 907 Millionen Euro und damit 8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Vom Unternehmen befragte Analysten hatten im Schnitt aber mit mehr gerechnet.

Die starke Entwicklung der Ergebnisse und Barmittelzuflüsse ermöglicht es laut Kreis, in weiteres Wachstum zu investieren. Sie bestätigte die Mitte Oktober vorgelegten vorläufigen Zahlen. Damals hatten die Bonner auch ihre Ziele für 2026 angehoben und angekündigt, ihre Mittelfristprognose im März zu überprüfen.

In einem freundlichen Gesamtmarkt legte die DHL-Aktie gegen Mittag um 0,3 Prozent auf 60,46 Euro zu. Seit dem Jahreswechsel steht für die Aktie ein Wertzuwachs von über einem Viertel zu Buche.

Analysten fanden lobende Worte: Der Quartalsbericht habe ein breit angelegtes regionales und sektorales Wachstum hervorgehoben, schrieb Alexia Dogani von der US-Bank JPMorgan. Für den Jefferies-Experten Michael Aspinall steht nun die Nachhaltigkeit des Gewinnwachstums im Fokus.


Zum gleichen Thema

Betroffene Instrumente

N/A