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Boulvard   01.01.2026 20:00:20

Flammeninferno mit Dutzenden Toten erschüttert Schweiz an Neujahr

Crans-Montana VS (awp/sda) - Rund 40 Tote und 115 Verletzte: Dies ist die traurige Bilanz des verheerenden Brands in einer Bar im Walliser Ski-Ort Crans-Montana in der Nacht auf Neujahr. Unter den Opfern befanden sich viele junge Menschen. Die Bar "Le Constellation" war ein bei Jugendlichen beliebter Treffpunkt.

"Viele der Opfer waren jung, voller Hoffnung und Träume", sagte der wegen der Katastrophe ins Wallis gereiste Bundespräsident Guy Parmelin am Donnerstagabend. An einer Medienkonferenz in Sitten forderte er, ihrer in Ehren zu gedenken.

Am selben Abend nahmen in Crans-Montana rund 400 Personen an einer Messe zu Ehren der Opfer der Brandkatastrophe teil. Die Zeremonie in der Kirche leitete der Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey.

Die Stimmung in der mondänen Skidestination war bedrückt, Einwohner und Touristen waren schockiert. Im Verlaufe des Tages gedachten zahlreiche Passanten am Rand des komplett abgeriegelten Quartiers der Opfer. Erste Blumen wurden niedergelegt.

Suche nach Antworten

Laut dem Walliser Regierungspräsidenten Mathias Reynard wird die Identifizierung der Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS "einige Zeit" in Anspruch nehmen. Für die betroffenen Familien sei dies eine "schreckliche" Zeit, räumte er vor den Medien ein.

Er bekräftige sein volles Vertrauen in die Arbeit der Rettungskräfte vor Ort, der Polizei und der Untersuchungsbehörden, so Reynard. Das Aussendepartement ist laut Parmelin daran, Verbindungen mit Opferfamilien im Ausland aufzubauen.

Die Identifizierung der Todesopfer habe Priorität, sagte Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud. Es müsse möglichst rasch Gewissheit herrschen, damit die Leichname den Angehörigen übergeben werden könnten.

Ursache und Hergang unklar

Die Umstände des Brandunglücks waren zunächst unbekannt, eine Strafuntersuchung wurde nach Angaben von Pilloud aufgenommen. Die Walliser Untersuchungsbehörden setzten alles daran, um die Hintergründe der Katastrophe auszuleuchten, fuhr sie fort. Man wolle "so schnell und so umfassend wie möglich" Antworten auf die zahlreichen Fragen geben, die sich die betroffenen Familien stellten, versicherte Pilloud.

Zum Hergang des Unglücks verfolge die Staatsanwaltschaft mehrere Hypothesen. Im Zentrum stehe, dass der ganze Raum Feuer gefangen habe und es dann zu einer Explosion gekommen sei. Mehrere Zeugen seien vernommen worden; zudem seien Mobiltelefone sichergestellt worden, die nun analysiert würden.

Spezialzentren im Krisenmodus

Dutzende Schwerverletzte wurden per Rettungshelikopter aus dem Wallis in die beiden Schweizer Verbrennungszentren an den Universitätsspitälern Zürich und Lausanne transportiert. In Lausanne wurden 22 Patienten gepflegt. Zürich hat über ein Dutzend Brandopfer aufgenommen. Beide Kliniken rechneten mit weiteren Aufnahmen und erhöhten ihre Kapazitäten.

Von den 115 Verletzten begaben sich laut Reynard 35 selber in Spitalpflege. Von den übrigen 80 seien viele in kritischem Zustand. 60 Menschen befänden sich im Spital von Sitten. Dieses halte derzeit durch, dank dem Engagement der Teams und der interkantonalen Hilfe.

Der Kommandant der Kantonspolizei Wallis, Frédéric Gisler, wies auf die interkantonale Solidarität hin. Verletzte seien in Spitäler in Sitten, Visp, Martigny, Genf, Lausanne, Freiburg, Bern und Zürich gebracht worden. Nach Angaben von Reynard wollten zudem mehrere Länder Patientinnen und Patienten übernehmen.

Fahnen auf Halbmast

Zu Beginn der Medienkonferenz sicherte Parmelin den Opfern des Brandunglückes die Unterstützung des Bundes zu. "Sie sind nicht allein", sagte der Bundespräsident. Der Brand in einer Bar in Crans-Montana gehöre zu den schlimmsten Tragödien, die die Schweiz erlebt habe.

Er kondolierte den Familien und Angehörigen der Opfer, im Namen des Bundesrates und des Parlaments. Die Fahnen am Bundeshaus würden für fünf Tage auf Halbmast gesetzt.

Anerkennung sprach Parmelin den Helfern aus. Ihr Mut, ihr ruhiges Blut und ihr Engagement angesichts der grausamen Bilder verdienten alle Anerkennung.

Weiter dankte Parmelin allen Ländern, die den Schweizer Behörden ihre Unterstützung zugesichert hätten, und nannte Deutschland, Frankreich und Italien. Die Unterstützung sei aber über die Nachbarländer hinausgegangen, stellte er fest.

Solidarität im In- und Ausland

Die Katastrophe löste im In- und Ausland Bestürzung aus. Die Präsidenten von Nationalrat und Ständerat, Pierre-André Page und Stefan Engler, wandten sich gemeinsam an die Öffentlichkeit, um ihr Mitgefühl auszudrücken. Sie dankten zudem den Behörden und all jenen, die auf interkantonaler Ebene im Einsatz stünden, um der Tragödie zu begegnen.

Unter anderem bekundeten die Nachbarländer Frankreich, Italien und Deutschland sowie Grossbritannien, die Ukraine und die US-Botschaft in Bern ihre Solidarität mit der Schweiz.

"Meine Gedanken sind bei den trauernden Familien und den Verletzten. Der Schweiz, ihrem Volk und ihren Behörden spreche ich die uneingeschränkte Solidarität Frankreichs und unsere brüderliche Unterstützung aus", schrieb der französische Präsident Emmanuel Macron.

"In dieser traurigen Situation möchte ich Ihnen, Herr Präsident, die Ausdrücke tiefen Beileids und der mitfühlenden Verbundenheit der Italienischen Republik sowie meine persönliche Anteilnahme übermitteln", schrieb Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella.

Der deutsche Aussenminister Johann Wadephul zeigte sich "zutiefst erschüttert" über den tödlichen Brand in Crans-Montana.

Die Europäische Union bot ihre Hilfe an. "Wir stehen mit den Schweizer Behörden in Kontakt, um über den EU-Katastrophenschutzmechanismus medizinische Hilfe für die Opfer bereitzustellen", teilte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf X mit.


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