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Unternehmensergebnis   10.03.2026 13:09:12

Lindt setzt nach Rekordpreiserhöhung auf neue Wachstumsstrategie

Kilchberg (awp) - Der Premiumschokoladen-Hersteller Lindt & Sprüngli hat nach der grössten Preiserhöhung der Firmengeschichte 2025 mehr verdient. Effektiv verkaufte er aber deutlich weniger Schokolade. 2026 will er zum Volumenwachstum zurückkehren. Anleger sind aber skeptisch.

Der Betriebsgewinn (Ebit) stieg im vergangenen Geschäftsjahr um 9,8 Prozent auf 971 Millionen Franken, womit sich die operative Marge leicht auf 16,4 Prozent verbesserte. Der Reingewinn legte um 8,1 Prozent auf 727 Millionen Franken zu. Beim Umsatz hatte Lindt bereits im Januar ein Plus gemeldet: Die Erlöse wuchsen 2025 um 8,2 Prozent auf 5,92 Milliarden Franken.

Konzernchef Adalbert Lechner sprach trotz schwieriger Rahmenbedingungen von einem starken Jahr. "Es war das stärkste absolute Umsatzwachstum, das wir je erzielt haben", sagte er an einer Medienkonferenz in Kilchberg am Dienstag. Der Hauptgrund dahinter: "Die starken Schwankungen bei den Kakaopreisen zwangen uns zu den höchsten Preiserhöhungen in der Geschichte des Unternehmens."

40 Prozent höhere Preise innert vier Jahren

Die Preise stiegen bei Lindt 2025 im Schnitt um rund 19 Prozent. In den vergangenen vier Jahren summierten sich die Aufschläge sogar auf über 40 Prozent. Damit konnte Lindt neben Effizienzmassnahmen und Kosteneinsparungen die stark gestiegenen Rohstoffkosten - vor allem für Kakao - mehr als ausgleichen. Für Konsumenten wurde Schokolade aber spürbar teurer.

Das zeigte sich bei den Absatzmengen. Das Verkaufsvolumen ging im vergangenen Jahr um 6,6 Prozent zurück. Besonders im Weihnachtsgeschäft reagierten Käufer empfindlich auf höhere Preise, wie Lechner sagte. Gleichzeitig sei das Umfeld anspruchsvoll gewesen. Geopolitische Spannungen sowie globale Handelskonflikte und Zölle drückten auf die Konsumstimmung weltweit.

Überraschung für Aktionäre

Eine Überraschung bietet Lindt für die Aktionäre, auch wenn die 30. Erhöhung der Dividende an sich keine Überraschung ist. Die Ausschüttung soll aufgrund einer starken Cash-Generierung aber deutlich höher ausfallen als angenommen. Lindt will die Dividende um 30 auf 180 Franken je PS erhöhen. Zudem plant das Unternehmen ein neues Aktienrückkaufprogramm über bis zu einer Milliarde Franken.

Beim Ausblick wurde Lindt jedoch vorsichtiger. Für 2026 erwartet der Konzern nur noch ein organisches Wachstum von 4 bis 6 Prozent. Zuvor hatte das Unternehmen noch 6 bis 8 Prozent in Aussicht gestellt. Gründe sind geopolitische Spannungen rund um den Iran-Krieg, höhere Energiepreise und eine gedämpfte Konsumlaune. Auch der Tourismus könnte unter den Unsicherheiten leiden, was sich auf Verkäufe in Flughäfen und stark touristischen Städten auswirken würde, erklärte Lechner.

Kurzfristig dürfte zudem der Preisauftrieb weiter spürbar bleiben. Für das Gesamtjahr stellt Lindt weitere Preiserhöhungen im mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht. Für das Ostergeschäft liegen die Preise sogar zweistellig über dem Vorjahr. Mit Preisreduktionen rechnet Lindt nach den gesunkenen Kakaopreisen erst 2027.

Neue Märkte

Im zweiten Halbjahr rechnet Lindt mit einer Rückehr zum Volumenwachstum. Den Weg dahin sieht das Management vor allem in Innovationen, einer stärkeren Markenpräsenz und der Expansion des eigenen Filialnetzes. Gleichzeitig wolle man die Sichtbarkeit der Marke im Handel erhöhen und neue Märkte erschliessen. 2025 eröffnete Lindt weltweit 53 neue Geschäfte und kam damit auf insgesamt 621 Filialen.

An der Börse reagierten die Anleger skeptisch. Die PS gaben nach der Veröffentlichung der Zahlen vorübergehend um fast 9 Prozent nach. Analysten lobten zwar die Resultate. Kritisch beurteilt wurde jedoch der vorsichtigere Ausblick. Einige Experten fragen sich, wie schnell Lindt wieder zu steigenden Absatzmengen zurückkehren kann.


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