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Dividende   18.03.2026 09:52:35

Autozulieferer Aumovio erwartet weiteren Umsatzrückgang - Aktie steigt

FRANKFURT (awp international) - Der Autozulieferer Aumovio kämpft weiter mit einem schwachen Umfeld. Im neuen Jahr dürfte der Erlös erneut sinken, wie der MDax-Konzern am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Einen Rückgang der Gewinnmarge aus dem Tagesgeschäft schliesst das Management um Chef Philipp von Hirschheydt trotz des harten Sparkurses ebenfalls nicht aus. Die Marktbedingungen seien weiter schwierig, auch deshalb setze der Konzern die angekündigte Reduzierung von Produktionsstandorten fort, hiess es. Unter dem Strich kosteten der Konzernumbau und die Abspaltung viel Geld, der Nettoverlust weitete sich aus. Die Aktie legte dank einer überraschend guten Entwicklung der freien Finanzmittel zu.

Das Papier gewann nach Handelsbeginn 2,6 Prozent auf 37,48 Euro. Zuvor hatte es seit der Börsennotierung im September kaum an Boden gewonnen. Da wurde das Unternehmen vom ehemaligen Mutterkonzern Continental per reinem Spin-Off an der Börse abgespaltet. Nach dem ersten Kurs von 35 Euro ging es zwar zwischendurch bis auf gut 47 Euro hoch, zuletzt war die Aktie aber wieder auf das Niveau der Erstnotiz gesunken.

Analyst Harry Martin vom Analysehaus Bernstein attestierte Aumovio in Reaktion auf die Zahlenvorlage einen sehr starken Barmittelzufluss. Der Ausblick liege im Rahmen anderer Autozulieferer, aber unter den mittleren Markterwartungen. Auch Experte Jose Asumendi von JPMorgan wertete den bereinigten Free Cashflow aus dem Vorjahr als klar positive Überraschung.

Wie die gesamte Branche leidet der Hersteller von unter anderem Bremsen, Elektronik und Innenraumdisplays unter der schwachen Nachfrage durch Autobauer, weil die Produktion von Fahrzeugen weltweit weiter nicht recht in die Gänge kommt. Im vergangenen Jahr sei die Umsatzentwicklung im Kerngeschäft weitgehend konstant gewesen, wenn Verkäufe von Unternehmensteilen, Kapazitätsabbau und Wechselkurse ausgenommen werden - in toto ging es jedoch um 5,6 Prozent auf 18,55 Milliarden Euro nach unten mit dem Erlös.

Dieses Jahr dürften es dann nur 17,0 bis 18,5 Milliarden Euro auf bereinigter Basis werden - also ohne Geschäftsverkäufe gerechnet. Aumovio geht auf Basis von Marktforschungsdaten von einem leichten Rückgang der weltweiten Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen aus. Das dürfte zusammen mit einer weiteren Reduzierung der Produktionsstätten und Teilverkäufen sowie mit verzögerten Hochläufen und Wechselkurseffekten in allen Sparten zu geringeren Erlösen führen. In Nordamerika belasten vor allem die von US-Präsident Donald Trump erhöhten Zölle.

Von Hirschheydt hat den Blick wegen des schwachen Abschneidens in den Vorjahren aber ohnehin eher auf die Profitabilität gerichtet. Noch unter Conti wurden 5.400 Verwaltungsjobs und 1.750 Stellen in der Forschung und Entwicklung gestrichen. Weitere 3.000 Jobs in Forschung und Entwicklung entfielen zum Grossteil schon bis Ende 2025, im Januar kündigte das Unternehmen darüber hinaus den Abbau von 4.000 Stellen in dem Bereich an. Von weltweit 55 Produktionsstätten sollen zehn wegfallen. Bei den noch laufenden Sparrunden gehen auch erneut Jobs in Deutschland verloren, der Fokus liegt aber auf dem Ausland.

Die operative Marge (bereinigtes Ebit) erwarten von Hirschheydt und seine Finanzchefin Jutta Dönges für das laufende Jahr bei 3,5 bis 5,0 Prozent - ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr wäre damit nicht ausgeschlossen. 2025 legte die Marge dank Einsparungen von zuvor 2,5 auf 3,9 Prozent zu. Analysten gingen laut einer Erhebung im Auftrag des Unternehmens bisher im Schnitt von 4,4 Prozent Marge für das aktuelle Jahr aus. Der Produktmix sollte bei der Marge Rückenwind liefern, ebenso die weitere Reduzierung des Produktionsnetzwerkes. Höhere Rohmaterialkosten dürften dem aber entgegenwirken.

Unter dem Strich weitete Aumovio im vergangenen Jahr den Verlust von 289 auf 655 Millionen Euro aus. Grund waren laut den Frankfurtern Einmalaufwendungen für den Stellenabbau und die Abspaltung von Conti. Für die Jobstreichungen wurden 388 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern fällig, für die Abspaltung noch einmal 218 Millionen Euro. Insgesamt betrugen die Sonderbelastungen fast 800 Millionen Euro, auch Steuern musste Aumovio mehr zahlen. Eine Dividende soll es zunächst nicht geben.


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