Kühne+Nagel bleibt in unruhigen Zeiten auf Kurs
Schindellegi (awp) - Der Nahost-Konflikt zwingt Logistiker wie Kühne+Nagel zu Umstellungen. Während die Seefracht in der Region durch den Krieg gebremst wird, bietet der Konzern den Kunden Alternativlösungen an. Derweil setzt Kühne+Nagel das im Herbst angekündigte Sparprogramm konsequent um.
"Im Nahen Osten sind die Volumen in der Seefracht mit Beginn des Konflikts vom einen auf den anderen Tag weggefallen", sagte Blanka-Graff am Freitag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Dies habe zu sinkenden Volumen geführt. Zugleich sei aber die Nachfrage in anderen Bereichen, wie der Luftfracht oder für Landtransporte, gestiegen.
Insgesamt hat der Krieg in dem am Freitag vorgelegten Quartalsausweis von Kühne+Nagel noch keine deutlichen Spuren hinterlassen. "Wir verfolgen die Entwicklungen auf den Märkten sehr genau, insbesondere zu den steigenden Rohstoffpreisen und der daraus resultierenden Konsumnachfrage", wird CEO Stefan Paul in der Mitteilung dazu zitiert.
Umsatzrückgang wegen Trump-Effekt
Bemerkbar machten sich im Ergebnis des ersten Quartals vor allem die Abschwächung des US-Dollar und die grossen Transportaktivitäten des Vorjahres. Damals hatten viele Firmen im Vorfeld des von US-Präsident Donald Trump angekündigten "Liberation Day" aus Sorge vor hohen US-Zöllen grosse Mengen ihrer Produkte in die USA verschifft.
Gegenüber der hohen Vorjahresbasis fiel der Nettoumsatz von Kühne+Nagel in den Monaten Januar bis März 2026 um 12 Prozent beziehungsweise währungsbereinigt um 5 Prozent auf noch 5,60 Milliarden Franken. Und der um die volatilen Frachttarife bereinigte Rohertrag reduzierte sich um 6 Prozent auf 2,11 Milliarden.
Schwächer fielen auch die Gewinnzahlen aus: Das Betriebsergebnis (EBIT) sank um 15 Prozent auf 343 Millionen Franken, während der Reingewinn um beinahe ein Fünftel auf 248 Millionen abnahm. Dennoch hat Kühne+Nagel mit dem Umsatz und vor allem mit EBIT und Gewinn die Vorgaben der Analysten übertroffen. Grund dafür war das Sparprogramm.
Sparprogramm gut angelaufen
"Wir sind mit den im letzten Herbst eingeleiteten Effizienzmassnahmen besser gestartet, als wir das ursprünglich erwartet haben. Daher haben wir auch die EBIT-Ziel-Bandbreite am unteren Ende leicht angehoben", sagte Blanka-Graff.
Neu rechnet der Konzern 2026 mit einem operativen EBIT von 1,25 bis 1,40 Milliarden Franken. Zuvor begann die Bandbreite bei 1,2 Milliarden. Geplant sind Einsparungen von 200 Millionen Franken, die Hälfte davon in diesem Jahr. Von den konzernweit gut 80'000 Vollzeitstellen dürften über 2000 abgebaut werden.
Rückenwind für die Profitabilität gibt es auch aus dem Nahen Osten. "Die Disruption auf den Transportrouten sowie steigende Kosten etwa für Treibstoffe haben die Frachtraten in die Höhe getrieben. Davon dürften wir in den kommenden Quartalen leicht profitieren", sagte Blanka-Graff. Die höheren Kosten tragen in erster Linie die Kunden.
Zum Problem wird der Iran-Krieg für Logistiker aber dann, wenn die höheren Energiepreise auf die Stimmung der Konsumentinnen und Konsumenten drücken. "Wir sind für die Zukunft sehr global und gut aufgestellt. Wächst die Weltkonjunktur, dann profitieren wir. Ist das Gegenteil der Fall, können wir mit Kostenmassnahmen gegensteuern", sagte der CFO.
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