UBS mit überraschend hohem Quartalsgewinn
Zürich (awp) - Die UBS hat trotz eines schwierigen Umfelds mit Iran-Krieg und hohem Ölpreis im ersten Quartal deutlich mehr verdient als erwartet. Auf operativer Ebene läuft es dabei auf praktisch allen Ebenen rund. Aufgrund der anhaltenden Kapitaldiskussion hält sich die Freude bei den Verantwortlichen trotzdem in Grenzen.
Von Januar bis März 2026 verdiente die Grossbank mit 3,04 Milliarden US-Dollar rund 80 Prozent mehr als im Vorjahr und hat damit erneut die Markterwartungen deutlich übertroffen. Vor Steuern stieg der Gewinn mit 3,84 Milliarden Dollar ebenfalls um rund 80 Prozent, bereinigt um Integrationskosten waren es sogar 3,99 Milliarden (+54%). Knapp die Hälfte des Gewinns entfiel auf das Kerngeschäft der Vermögensverwaltung für Privatkunden.
Auch die Erträge stiegen trotz laufender Restrukturierung nach der CS-Übernahme um 13 Prozent auf 14,2 Milliarden Dollar. Da die Aufwendungen mit 10,3 Milliarden mehr oder weniger stabil blieben, sank auch das für die Bank wichtige Kosten/Ertrags-Verhältnis deutlich: Es verbesserte sich (auf bereinigter Basis) auf 70,2 Prozent.
Alle Bereiche legen zu
Ausserdem bringen viele reiche Kunden ihr Geld zur UBS. In ihrem Kerngeschäft - der globalen Vermögensverwaltung - zog die Bank so im ersten Quartal netto 37,4 Milliarden Dollar Neugeld an Land. Auch in der Region Americas, wo es im vierten Quartal 2025 zu hohen Abflüssen gekommen war, verzeichnete die Bank netto wieder Zuflüsse.
Wegen der negativen Entwicklung an den Finanzmärkten und Wechselkurseffekten gingen die verwalteten Vermögen der ganzen Gruppe dennoch im Vergleich zu Ende 2025 um knapp 150 Milliarden auf 6881 Milliarden Dollar zurück.
Aber nicht nur die Vermögensverwaltung lief gut, auch die anderen Bereiche legten zu. In der Investment Bank etwa brummte das Geschäft mit dem Wertpapierhandel und der Beratung von Firmen bei Kapitalmarktgeschäften besonders, und auch das Geschäft im Heimmarkt Schweiz verbesserte sich bei Ertrag und Gewinn im ersten Quartal.
CS-Integration auf Zielgeraden
Derweil läuft die Integration der übernommenen Credit Suisse nach Plan und befindet sich nun im Endspurt. Bis Ende Jahr sollte sie wie angekündigt weitgehend abgeschlossen sein. So erreichte die UBS bis Ende März Kosteneinsparungen in Höhe von 11,5 Milliarden - dies bei einem Zielwert bis Ende Jahr von 13,5 Milliarden (im Vergleich zur Kostenbasis 2022).
Die Zahl der von der UBS direkt angestellten Mitarbeitenden ging auf rund 101'600 (Vollzeitstellen) zurück im Vergleich zu gut 103'000 per Ende 2025. Ein relativ grosser Teil des Abbaus dürfte nach dem jüngst erfolgten Abschluss der Migration der früheren CS-Kundenkonten auf die UBS-Plattformen und der geplanten Abschaltung alter IT-Systeme jetzt losgehen.
Angesichts der guten Ergebnisse und auch weil die CS-Integration so gut vorankommt, beglückt die Bank die Aktionäre jetzt mit beschleunigten Aktienrückkäufen und bestätigte auch ihr Dividendenversprechen.
Kapitaldebatte überschattet Erfolg
Überschattet wird das gute Ergebnis lediglich vom andauernden Streit mit dem Bundesrat über verschärfte Eigenmittelanforderungen. Konzernchef Sergio Ermotti betonte an einer Telefonkonferenz mit Journalisten am Mittwoch einmal mehr: "Wir sind uns einig, dass Anpassungen gemacht werden sollten. Aber was heute auf dem Tisch liegt, ist zu viel und unverhältnismässig."
Während die UBS dem Bundesrat vergangene Woche irreführende Aussagen unterstellte, kritisierte Finanzministerin Karin Keller-Sutter das dezidierte Lobbying der Grossbank öffentlich. Dem entgegnete Ermotti: "Wir haben das Recht, uns in die Diskussion einzubringen." Und er gab die Spitze an die Bundesrätin zurück: "Die Diskussion muss auf ein angebrachtes Niveau zurückfinden."
Vergangene Woche hatte der Bundesrat seine harte Linie bei der vollständigen Eigenkapitalunterlegung der Tochtergesellschaften bekräftigt und damit ausgerechnet bei dem von der UBS unter den geplanten Massnahmen am stärksten bekämpften Punkt nicht nachgegeben. Einzig beim Verzicht darauf, für latente Steueransprüche und Software eine vollständige Unterlegung mit hartem Kernkapital zu verlangen, ruderte der Bundesrat gegenüber seiner ursprünglichen Absicht etwas zurück.
Aktie legt zu
An der Schweizer Börse legt die UBS-Aktie am Mittwoch klar zu und gewinnt um 13.40 Uhr 5,2 Prozent auf 35,00 Franken. Vergangene Woche hatten die Titel mit dem Bundesratsentscheid noch 5,5 Prozent verloren. Während das Ergebnis positiv sei, dürfte die weitere Kursentwicklung auch von der Marktwahrnehmung im Zusammenhang mit der Kapitaldiskussion abhängen, wurde in Analystenkreisen kommentiert.
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